Zum Tod von Fritz von Weizsäcker

Trauer um einen engagierten Mediziner

Ärzte und Politiker reagieren fassungslos auf den gewaltsamen Tod des Internisten Professor Fritz von Weizsäcker. Der Arzt wurde in der Berliner Schlosspark-Klinik erstochen. Das Tatmotiv gibt Rätsel auf.

Von Thomas Hommel Veröffentlicht: 20.11.2019, 17:33 Uhr
Trauer um einen engagierten Mediziner

Fritz von Weizsäcker (2.v.l.) wurde nur 59 Jahre alt. Hier eine Aufnahme, die bei einem Staatsakt für seinen Vater, den gestorbenen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, entstanden ist. Fritz von Weizsäcker steht neben seiner Mutter Marianne von Weizsäcker (l.), seiner Schwester Beatrice von Weizsäcker und dem damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck.

© Maurizio Gambarini / dpa

Berlin . Die Nachricht erschüttert die Medizin und die Republik: Professor Fritz von Weizsäcker, Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, ist Dienstagabend in der Schlosspark-Klinik in Berlin-Charlottenburg während eines öffentlichen Vortrags erstochen worden.

Der Internist erlag noch am Ort seinen schweren Verletzungen. Eine Reanimation blieb erfolglos. Ein Zuhörer, der ihm zu Hilfe eilen wollte, wurde ebenfalls schwer verletzt.

Bei dem Tatverdächtigen handele es sich um einen 57-jährigen Mann aus Rheinland-Pfalz, teilte die Polizei am Mittwochnachmittag mit. Das Motiv des Mannes liege in einer „wohl wahnbedingten allgemeinen Abneigung des Beschuldigten gegen die Familie des Getöteten“, teilte die Staatsanwaltschaft am späten Nachmittag mit.

Der 57-Jährige habe angegeben, die Tat geplant zu haben. Er soll zunächst in der Psychiatrie untergebracht werden. Fritz von Weizsäcker wurde 59 Jahre alt.

Kammer zeigt sich tief bestürzt

„Wir haben mit großer Bestürzung den Angriff auf unseren Kollegen Professor Fritz von Weizsäcker zur Kenntnis nehmen müssen“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Dr. Klaus Reinhardt, am Mittwoch der „Ärzte Zeitung“. „Unsere Gedanken sind bei den Opfern dieser abscheulichen Tat sowie bei ihren Angehörigen“, so der BÄK-Chef.

Auch beim Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) ist man „zutiefst erschüttert“. „Wir sind in Gedanken in erster Linie bei seiner Familie, seinen Freunden und seinen Kollegen und sprechen ihnen unsere aufrichtige Anteilnahme aus“, sagte BDI-Geschäftsführer Tilo Radau. Weizsäcker sei stets Vorbild als Arzt, Wissenschaftler und Mensch gewesen.

Auch Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci reagierte bestürzt auf die Nachricht. Sie verurteile Gewalt gegen Ärzte und Pflegekräfte „aufs Äußerste“, sagte die SPD-Politikerin. Dass Menschen, die anderen Menschen helfen und Leben retten, so etwas passiere, erschüttere sie besonders. Ihr Dank und Respekt gelte den Teilnehmern der Veranstaltung, die Zivilcourage gezeigt hätten.

Der Präsident der Ärztekammer Berlin, Dr. Günther Jonitz, erklärte: „Wir sind bestürzt über diese furchtbare Tat und trauern um einen engagierten Kollegen.“ Man sei in Gedanken bei der Familie, den Freunden und den Kollegen Fritz von Weizsäckers. „Ein solch grausames Gewaltverbrechen lässt uns alle mit der Frage nach dem ‚Warum‘ zurück. Gleichzeitig denken wir an den mutigen Helfer, der versuchte, die Tat zu verhindern, und dabei selbst schwer verletzt wurde.“ Von Weizsäcker war in verschiedenen Gremien der Kammer aktiv.

Der Vorstand der Berliner Charité nannte Fritz von Weizsäcker einen „geschätzten und befreundeten Kollegen“. Die schreckliche Tat sei im Rahmen einer öffentlichen Fortbildung und damit in einer Situation geschehen, „die auch in der Charité alltäglich ist“, hieß es.

„Sehr präzise und stets an der Sache interessiert“

Gesundheitssenator a. D. und Vorsitzender des Vereins Gesundheitsstadt Berlin, Ulf Fink, sagte der „Ärzte Zeitung“, die Familie von Weizsäcker habe sich über viele Jahre hinweg maßgeblich für die Entwicklung der Gesundheitslandschaft in der Hauptstadt engagiert. Ein Meilenstein sei die Errichtung des Berliner Herzzentrums gewesen.

Fink erinnerte daran, dass Richard von Weizsäcker der Grundsteinlegung des Gebäudes im Dezember 1983 als Regierender Bürgermeister von Berlin persönlich beigewohnt habe.

Auch sein Sohn Fritz, der zuletzt Chefarzt der Abteilung Innere Medizin I an der Schlosspark-Klinik und seit 2007 Vorstandsmitglied von Gesundheitsstadt Berlin war, habe sich zahlreiche Verdienste bei der Weiterentwicklung der Medizin und des Standorts erworben. Im Rahmen seiner Vorstandstätigkeit habe Fritz von Weizsäcker Veranstaltungsformate wie den „Nationalen Qualitätskongress“ und das „Digitalforum Gesundheit“ mitgestaltet und wichtige Leitungsfunktionen übernommen, sagte Fink.

Sein besonderes Interesse habe den Themen Digitalisierung und künstliche Intelligenz gegolten. „Fritz von Weizsäcker war bei all diesen Themen sehr präzise und stets an der Sache interessiert.“

Experte für Leber- und Gallenwegserkrankungen

Bei dem am Dienstagabend angesetzten Vortrag von Weizsäckers ging es um „Fettleber – (k)ein Grund zur Sorge?“. In der Klinik finden regelmäßig Veranstaltungen statt. Sie richten sich zumeist an interessierte Laien, die sich über Erkrankungen, deren Diagnose und Therapien informieren wollen.

Fritz von Weizsäcker hatte eine erfolgreiche Karriere als Arzt hinter sich. Von 1979 bis 1987 studierte er Humanmedizin in Bonn und Heidelberg. Danach ging er für ein Jahr an die Harvard Medical School in Boston. Auch das Universitätsspital Zürich zählte zu seinen Stationen.

Nach dem Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie wurde er 2003 zum Professor für Innere Medizin an der Universität Freiburg berufen. Seit 2005 arbeitete er dann als Chefarzt für die Schlosspark-Klinik in Berlin.

Fritz von Weizsäcker galt als Experte für Leber- und Gallenwegserkrankungen. Nach Angaben des Vereins Gesundheitsstadt Berlin forschte er lange auf dem Gebiet der Hepatologie, der Physiologie und Pathologie von Leber und Gallenwegen und der molekularen Virologie. Zu den Schwerpunkten von Weizsäckers gehörten infektiöse Hepatitiden wie etwa Hepatitis B oder C. (mit Material von dpa)

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Dr. Schätzler

In die Trauer und Bestürzung über den gewaltsamen Tod von Professor Dr. med. Fritz von Weizsäcker mischen sich bei mir Wut und Verzweiflung.

Wie kann es sein, dass sich 2018 schon 380 dokumentierte Fälle von verbalen und tätlichen Angriffen auf das Pflegepersonal, von Vandalismus und Diebstählen ereigneten. Dass Ende Juli 2016 ein Mord an einem Kieferchirurgen in der Berliner Charité geschah, und im August 2018 der tödliche Angriff auf einen Hausarzt in Offenburg Entsetzen ausgelöst hatte.

MedscapeDeutschland schreibt: Dem „Krankenhaus Barometer 2019“ zufolge, registrieren 73% der Kliniken in ihren Notfallambulanzen körperliche und verbale Übergriffe auf die Mitarbeiter. In den vergangenen 5 Jahren sei die Zahl der Attacken gestiegen, sagen 58%. (Zitat Ende)

Im Deutschen Ärzteblatt schrieb von der Redaktion unkommentiert zum Artikel "Gewalt gegen Ärzte: Gewappnet für den Ernstfall" ein anonymer 'rrrppp' ebenso infam wie verklausuliert am Sonntag, 16. September 2018, 19:46
'Super Ideen - Wieder so ein Artikel der Ross und Reiter nicht benennt.
Wenn Sie in Deutschland wirklich Probleme lösen wollen, müssen sie die Ursachen benennen.
Solange Sie mehr Angst vor der Wahrheit als Angst vor Schlägen haben, ist noch Luft nach oben.' (Zitat Ende)

Gipfel der Demagogie kommt sogar von einem ärztlichen Buchautor und Journalisten Werner Bartens:
"Das Ärztehasserbuch: Ein Insider packt aus" - Buch von Werner Bartens
"Die Ärzte: arrogant, unnahbar, dilettantisch. Die Patienten: wehrlos. Ob sie an einen Quacksalber oder eine Koryphäe geraten sind, wissen Patienten erst, wenn es zu spät ist. Auf Gedeih und Verderb sind sie den Ärzten ausgeliefert.... Google Books"
"Erstveröffentlichung: 2007, Genre: Selbsthilfeliteratur"
https://books.google.de/books/about/Das_%C3%84rztehasserbuch.html

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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