Direkt zum Inhaltsbereich

Reiterhof

Urlaub von Schmerz und Leid

Auf einem Reiterhof in Nordhessen schöpfen Kinder neuen Mut. Die Freizeit mit den Tieren lässt sie die Strapazen langwieriger Krebstherapien vergessen.

Von Per Schröter Veröffentlicht:
Nach dem Frühstück und nach dem Mittagessen steht für die Kinder in der Freizeit Reiten auf dem Programm.

Nach dem Frühstück und nach dem Mittagessen steht für die Kinder in der Freizeit Reiten auf dem Programm.

© Per Schröter

GROSSALMERODE. "Das gehört nun mal dazu", sagt Mirco mit einem Lächeln im Gesicht. Obwohl der Zwölfjährige eine große Schaufel voller Mist vor sich her trägt, leuchten seine Augen. Ihm macht die Arbeit mit den Pferden sichtlich Spaß.

Und als Mirco wenig später auf dem Rücken seiner Lieblingsstute Loona sitzt und der Ausritt endlich beginnt, könnte die Welt für ihn kaum schöner sein.

Das war bis vor Kurzem noch anders. Wie die meisten der übrigen 17 Kinder im Alter zwischen sechs und 14 Jahren, die eine Woche auf dem Reiterhof Hirschberg im nordhessischen Großalmerode verbringen, litt auch Mirco an Krebs.

Die Kinder sind Patienten der onkologischen Unikliniken in Köln und Bonn. Sie haben lange Klinikaufenthalte hinter sich. Einige von ihnen waren an Leukämie erkrankt, andere an Hirntumoren.

Nach der langwierigen Chemotherapie gelten Mirco und die anderen Teilnehmer zwar als kuriert, aber die Zeit im Krankenhaus war für ihre Familie und sie selbst extrem belastend. "Hier machen die Kinder erstmals wieder Urlaub vom Schmerz", sagt Sozialpädagoge Matthias Vogt, Förderkreis für krebskranke Kinder und Jugendliche aus Bonn.

Wie sein Kollege Dirk Zurmühle vom Förderverein für krebskranke Kinder Köln und Kunsttherapeutin Sabine Dick ist Vogt seit Jahren als Betreuer bei den Reiterfreizeiten dabei. "Wir erleben häufig, dass der Umgang mit den Tieren die Kinder wieder enorm mobilisiert", so Vogt.

"Wenn wir von Zuhause wegfahren, haben wir viele kleine Mäuse im Bus sitzen, wenn wir zurückkommen, sind sie alle groß und stark", meint Sabine Dick. Die Arbeit mit den Pferden und das Wegsein von Zuhause bringe viel für das Selbstvertrauen der Kinder.

Eltern genießen die Zeit

"Für viele Eltern ist es enorm schwer, für diese Zeit loszulassen und ihre Kinder nach einer so schweren Zeit mit einer derart engen Bindung plötzlich nicht mehr um sich zu haben", sagt Vogt. Aber auch sie lernten das nach einigen Tagen schätzen und genössen es, wieder einmal etwas Zeit für sich alleine zu haben.

Auf dem Reiterhof Hirschberg ist der Tagesablauf für die Kinder stets gleich. Nach dem gemeinsamen Frühstück treffen sie sich mit zwei Reitlehrerinnen und besprechen, welche Pferde an diesem Tag geritten werden und welches Programm ansteht. Zur Wahl stehen Reiten auf dem Reitplatz (oder bei schlechtem Wetter in der Halle), Voltigieren oder ein Ausritt.

Nach dem Mittagessen geht es in die nächste Reit-Runde, wobei das Striegeln und Aufzäumen der Tiere immer dazugehört. "In den Pausen beschäftigen sich die Kinder am liebsten noch mit den anderen Tieren auf dem Hof", sagt Vogt. Abends wird gespielt, gegrillt oder eine Disco veranstaltet, für die sich die Mädchen besonders schick machen.

Seit 1993 veranstalten die beiden Fördervereine die Freizeiten, finanziert werden sie seither vom Arzneimittelhersteller Grünenthal sowie über weitere Spenden.

Das Projekt startete zunächst ausschließlich mit jungen Patienten der Uniklinik Köln, seit 1995 sind auch Patienten der Bonner Klinik dabei. Insgesamt haben bereits 370 Kindern teilgenommen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Statistisches Bundesamt

Gesundheitsämter bauen immer mehr Personal auf

Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Aktuelle explorative Ad-hoc-Analysen der Studien SPOTLIGHT und GLOW: mOS vor und nach Zensierung†

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

CLDN18.2+, HER2− Adenokarzinom des Magens/gastroösophagealen Übergangs

Mit optimiertem Therapiemanagement den Behandlungserfolg mit Zolbetuximab unterstützen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Astellas Pharma GmbH, München
Abb. 1: OS von Patientinnen mit Endometriumkarzinom und Mismatch-Reparatur-Profizienz bzw. Mikrosatellitenstabilität

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Primär fortgeschrittenes/rezidivierendes Endometriumkarzinom

Nachhaltiger Überlebensvorteil durch Immuntherapie plus Carboplatin-Paclitaxel

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, München
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Medizin aus dem Kochtopf

Wie Ernährung die altersbedingte Makuladegeneration beeinflusst

Lesetipps
Eine Sporttasche liegt am Boden und ist gefüllt mit Sportsachen, wie einem Springseil, einem Fußball, Laufschuhen und Tennisschlägern.

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Körperliches Training

Mit einer Stunde mehr Sport die Brustkrebsmortalität senken?

Ein Schild "Stromausfall wir können leider nicht öffnen. Im Notfall bitte klopfen" ist an einer Tür angebracht.

© Marijan Murat/dpa

Krisenresilienz

Stromausfall in Reutlingen: Eine Ärztin schildert ihre Erfahrungen