Voodoo-Priester als Verbündeter fürs Impfen

Geschätzte 5,5 Millionen Todesfälle sind in den vergangenen Jahren durch Impfungen verhindert worden. Der Erfolg der Impfprogramme hängt eng mit der Landeskultur zusammen.

Von Eugenie Wulfert Veröffentlicht:
Impfungen können Leben retten. In einigen Ländern muss auch der Voodoo-Priester davon überzeugt sein.

Impfungen können Leben retten. In einigen Ländern muss auch der Voodoo-Priester davon überzeugt sein.

© dpa

BERLIN. Alle 20 Sekunden stirbt irgendwo auf der Welt ein Kind an einer Krankheit, die durch eine Impfung hätte verhindert werden können.

Bei fast jedem dritten Kind in Entwicklungsländern ist die Todesursache die Folgen von einer Durchfallerkrankung oder einer Lungenentzündung, mehr als Malaria, HIV/Aids oder Tuberkulose zusammen.

"Die Impfung gegen Pneumokokken und das Rotavirus kann sehr viele Krankheits- und Todesfälle verhindern. Dafür ist aber nicht nur Geld nötig. Man muss auch die Menschen davon überzeugen, ihre Kinder impfen zu lassen", sagte Seth Berkley, Epidemiologe und Geschäftsführer der Global Alliance for Vaccines and Immunization (GAVI Alliance), bei der Vorstellung des Kurzfilms "Voodoo & Vaccines" in Berlin.

Kultur muss berücksichtigt werden

Die Dokumentation der Organisation ONE am Beispiel von dem westafrikanischen Land Benin zeigt: Will man die Menschen in Entwicklungsländern vom Nutzen der Impfungen überzeugen, muss die Kultur des jeweiligen Landes berücksichtigt werden.

Der Film nimmt den Zuschauer mit auf die Reise ins Landesinnere von Benin: unbefestigte Straßen, Menschen, die tief in ihrer Tradition und ihrem mystischen Glauben, dem Voodoo-Zauber, verwurzelt sind. Oder die Kinder, von Krankheiten geplagt und karg ausgestattete Krankenhäuser.

Die Filmszenen zeigen, wie skeptisch eine traditionelle Kultur den Neuerungen der modernen Medizin gegenübersteht. Und der Film zeigt Menschen, die gegen diese Vorbehalte der Landbevölkerung kämpfen.

Doch der Einsatz der Ärzte und vieler anderer Persönlichkeiten vor Ort, die Menschen gegen Krankheiten wie Polio, Diphtherie und Tetanus zu impfen, wäre sinnlos, würden sie die tief verwurzelte Kultur einfach ignorieren.

Also wurde in Benin versucht, die Kultur und den Glauben zu verstehen und mit den Menschen zu arbeiten, die den größten Respekt der Bevölkerung genießen: den Voodoo-Heilern.

Hand in Hand mit den Voodoo-Priestern

Der Film erzählt, wie die Mediziner - es gibt nur wenig gut ausgebildete in Benin -  in den vergangenen Jahren mit den Voodoo-Priestern zusammen gearbeitet haben. Die Ärzte konnten die Priester von der Notwendigkeit der Impfungen überzeugen.

Denn: Lehnt der Heiler eines Dorfes die Impfungen der Ärzte ab, wird keiner der Dorfbewohner sein Kind je impfen lassen.

Diese Zusammenarbeit führte offenbar zu einem großen Erfolg des Impfprogramms, wie der Kurzfilm der GAVI Alliance zeigt.

Und obwohl nach wie vor ein großer Handlungsbedarf besteht, habe die Bevölkerung Impfungen als einen wichtigen Bestandteil ihrer medizinischen Versorgung weitgehend akzeptiert.

Die Organisation GAVI Alliance hat in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben weltweit rund 325 Millionen Kinder geimpft und will damit rund 5,5 Millionen Todesfälle verhindert haben. Bis 2015 sollen weitere 250 Millionen Kinder geimpft werden.

Schlagworte:
Mehr zum Thema

Bevölkerungsprognose

Deutschland 2045: Geteilt in Schrumpf- und Boom-Regionen

Charity-Aktion

Arzt radelt für Obdachlose durch Europa

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie funktioniert Gesundheitsversorgung im Kollektiv, Frau Dr. Hänel?

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Healthcare Hackathon

Wie KI zur echten Praxis- und Klinikhilfe wird

GKV-Daten

Typ-2-Diabetes und Depression folgen oft aufeinander

Postoperative Infektionen

Appendektomie: Vorsicht bei systemischen Glukokortikoiden!

Lesetipps
Professor Ferdinand Gerlach

© Wolfgang Kumm/dpa/picture alliance

Interview

Gerlach: „Es gibt keinen allgemeinen Ärztemangel und keine generelle Überalterung“

Gemälde von Menschen auf einer tropischen Insel, die um eine übergroße Mango tanzen.

© Preyanuch / stock.adobe.com

Kinetose

Mango, Musik, Medikamente – was gegen Reisekrankheit hilft

Die Ursache der Appendizitis des jungen Mannes war offenbar eine Aktinomykose, ausgelöst durch Actinomyces israelii, ein gram-positives anaerobes Bakterium, das als Kommensale in der Mundhöhle und auch im Gastrointestinaltrakt vorkommt.

© Dr_Microbe / stock.adobe.com

Untypisches Krankheitsbild

Kasuistik: Hinter dieser Appendizitis steckte ein Bakterium