Seit 2008 etwa 450 Fälle

Wie Transgender-Kindern in Deutschland geholfen wird

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HAMBURG. Auch in Deutschland wächst die Zahl junger Menschen, die sich dem angeborenen Geschlecht nicht zugehörig fühlen und deshalb Hilfe suchen.

"In unserer Spezialsprechstunde haben sich seit 2008 bis heute etwa 450 Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern oder Erziehungsberechtigten vorgestellt", berichtet die Psychologin Inga Becker, die im entsprechenden Expertenteam am Hamburger Universitätsklinikum UKE arbeitet. Erstdiagnostik, Beratung und Behandlung bei Fragen der geschlechtlichen Entwicklung werden dort angeboten. Ähnliche Sprechstunden gibt es auch etwa an den Unikliniken in Berlin, Münster, Frankfurt und München.

Viele Betroffene kommen erst, wenn ihr Körper sich durch die Pubertät verändert. Manche leben dann bereits teilweise in der Rolle der Wunschgeschlechts oder haben sich gedanklich schon Jahre damit beschäftigt. "Für viele Jugendliche entsteht in dieser Situation ein erheblicher Leidensdruck durch die Entwicklung der körperlichen Geschlechtsmerkmale", berichtet Becker. Depressionen oder selbstverletzendes Verhalten seien oft die Folge.

Die Umgebung der betroffenen Kinder und Familien reagiere jedoch meist mit Verständnis. "Die soziale Akzeptanz ist in unseren Erfahrungen bis auf Einzelsituationen sehr hoch und unabhängig vom Wohnort, sozialer Stellung und Bildungsgrad", betont die Leiterin der Spezialsprechstunde, Saskia Fahrenkrug. Viele Schulen und auch Freundeskreise unterstützten den sozialen Rollenwechsel. "Hier ist es unseren Erfahrungen nach entscheidend wichtig, dass durch die Lehrer eine altersgerechte Aufklärung erfolgt - sowohl von Mitschülern, als auch deren Eltern."

Am UKE lassen sich die meisten Betroffenen im Alter von 14 bis 16 Jahren erstmals beraten, das Gros von ihnen ist weiblich. Unter den Kindern bis 10 Jahren hingegen sei der Anteil der Jungen, die sich als Mädchen fühlen, größer, berichtet Becker. Die Fachleute stellen die Diagnose für eine sogenannte Geschlechtsdysphorie, wenn das Kind oder der Jugendliche sein angeborenes Geschlecht anhaltend und stark ablehnt sowie fest davon überzeugt ist, dem anderen Geschlecht anzugehören.

Neben der intensiven Begleitung der Betroffenen und ihrer Familien - etwa mit psychosozialer Beratung, im Umgang mit dem eigenen Körper oder im Alltagsleben -, gibt es in der Folge auch medizinische Möglichkeiten. Dazu zählen Medikamente, die die beginnende Pubertät unterdrücken, sowie anschließend vermännlichende oder verweiblichende Hormontherapien.

Ein festes Handlungsschema gibt es dabei nicht. "Es werden individuell und entwicklungsbasiert gemeinsam mit den Jugendlichen und ihren Eltern Entscheidungen getroffen", betont Becker. (dpa)

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