Kommentar zu neuen Klinikarbeitszeiten

60 Stunden Arbeit: Maskierung des Mangels

Per Verfügung hat das Land Niedersachsen die mögliche Arbeitszeit in Kliniken auf bis zu 60 Stunden erweitert – ein probates, aber fatales Signal.

Christian BenekerVon Christian Beneker Veröffentlicht:

Kliniken und andere zur „kritischen Infrastruktur“ gehörende Einrichtungen in Niedersachsen können jetzt von Ärzten und Pflegekräften verlangen, statt 48 bis zu 60 Stunden pro Woche zu arbeiten. Oder Labormitarbeiter, die verpflichtet werden können, auch an Sonn- und Feiertagen zu arbeiten. Aus Sicht des Ministeriums ist das sinnvoll. Die Zahl der Werkzeuge in der Krise wird erhöht – wenn es ernst wird, sind kompetente Leute am Start.

Tatsächlich müssen aber wie üblich Rettungsdienste, Ärzte, Schwestern und Pfleger ran und mit Überstunden dafür sorgen, dass der Kahn der medizinischen Versorgung mitten in der Pandemie nicht auf Grund läuft.

Gewiss, gerade im Gesundheitswesen kann sich das Land auf eine nie dagewesene Notlage berufen. Und es konnte und kann sich auf Ärzte und die Pflegenden stets verlassen. Aber einfach die Stundenzahl zu erhöhen, darf nicht zum Mittel der Wahl werden, wenn es eng wird. Denn in Krankenhäusern werden schon jetzt Schichten geschrubbt, oft bis zur Erschöpfung. Mehr Personal war schon geboten, bevor Corona-Patienten zusätzlich in die Kliniken kamen.

Die Regelung sorgt zwar für größere Flexibilität in den Krankenhäusern, aber sie hat auch die Kraft, das Problem des Personalmangels auf den Stationen zu verschleiern. Denn auch diesmal werden Pflegende und Ärzte ihr Bestes geben– notfalls auch 60 Wochenstunden. Wenn die Corona-Pandemie in dieser Hinsicht kein Weckruf ist, auf welchen warten wir noch?

Schreiben Sie dem Autor: gp@springer.com

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