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Versorgung

AOK für Mindestmengen bei Frühgeburten

Mehr Erfahrung, mehr Expertise, darauf setzt die AOK Rheinland/Hamburg bei Frühchen.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:

DÜSSELDORF. Die Zahl der Kliniken, in denen Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht von unter 1250 Gramm versorgt werden, sollte nach Ansicht der AOK Rheinland/Hamburg deutlich sinken. Nur so lässt sich eine qualitativ hochwertige Versorgung erreichen, glaubt Vorstand Matthias Mohrmann. "Die Versorgung von Frühchen sollte stärker auf ausgewählte Zentren konzentriert werden", sagte Mohrmann in Düsseldorf.

Er verwies auf die im europäischen Vergleich hohe Säuglingssterblichkeit in Deutschland und insbesondere in Nordrhein-Westfalen. Bundesweit starben 2016 rein rechnerisch 3,4 Säuglinge je 1000 Lebendgeborene, in NRW waren es 4,1. Zum Vergleich: In Finnland beträgt die Quote 1,7, in Norwegen 2,3 und in Schweden 2,5.

Als ein wichtiges Mittel zur Verbesserung der Versorgungsqualität sieht Mohrmann die Erhöhung der Mindestmengen. In Deutschland müssen Kliniken mindestens 14 Frühchen pro Jahr versorgen. "In anderen Ländern liegen die Zahlen deutlich höher", sagte er. Die AOK Rheinland/Hamburg hält eine Mindestmenge von 30 für sinnvoll. "Wir versprechen uns davon, dass die größere Expertise zu höheren Überlebensraten führt."

Ein gut qualifiziertes Team sei für die Versorgung von Frühchen entscheidend, betonte Mohrmann. Laut dem Bericht "Gesunder Start ins Leben" der Krankenkasse beschäftigt weniger als die Hälfte der Geburtskliniken im Rheinland die in den Leitlinien vorgesehene Anzahl an Hebammen. Wenn sich die vergleichsweise wenigen in diesem Bereich erfahrenen Hebammen auf viele Kliniken verteilen, verschärfe das die Probleme, sagte er.

Zurzeit gibt es in NRW 42 Kliniken, die Frühchen versorgen. Bei einer Mindestmenge von 30 würde sich ihre Zahl laut Mohrmann auf 25 bis 30 verringern. Probleme mit der Erreichbarkeit der Perinatalzentren würde es dadurch nicht geben, erwartet Mohrmann. "Wir hätten einen vernünftigen Kompromiss zwischen Qualität und Erreichbarkeit."

Generell erreichen im Rheinland 95 Prozent aller werdenden Mütter in weniger als 20 Minuten die nächstgelegene Geburtsklinik. Weniger als ein Prozent der Frauen hat eine Fahrzeit von mehr als 30 Minuten. Allerdings ist die Nähe für viele Schwangere ohnehin nicht das entscheidende Auswahlkriterium. Mehr als 40 Prozent gehen in eine weiter entfernte Geburtsklinik. Der Grund ist, dass sich die Frauen verstärkt an Informationen zur Qualität und zur Ausstattung orientieren, sagte Mohrmann. (iss)

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