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Forderung an Politik

AOK will veränderte Regeln für Preisfindung neuer Arzneimittel

Der AOK-Bundesverband schreibt den Verhandlern der „Ampel“-Koalition Änderungen im Arzneimittelbereich ins Aufgabenheft. Ziel müsse eine qualitativ hochwertige und bezahlbare Versorgung mit Arzneimitteln sein.

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Die Preisfindung bei neuen Arzneien soll nach dem Willen der Krankenkassen reformiert werden.

Die Preisfindung bei neuen Arzneien soll nach dem Willen der Krankenkassen reformiert werden.

© peterschreiber.media / stock.adobe.com

Berlin. Krankenkassen haben Reformen im Arzneimittelbereich angemahnt. Ziel müsse sein, die „Solidargemeinschaft von weiter steigenden Arzneimittelausgaben zu entlasten“, sagte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, bei der Vorstellung des neuen Arzneimittel-Kompasses am Mittwoch.

Die gesetzlichen Kassen hätten im vergangenen Jahr 49,2 Milliarden Euro für Arzneimittel ausgegeben. Das seien knapp fünf Prozent mehr als im Jahr 2019 gewesen, sagte der stellvertretende Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), Helmut Schröder.

Damit Arzneimittel auch künftig „für alle bezahlbar“ blieben, müsse nach neuen Wegen der Preisfindung gesucht werden, forderte AOK-Chef Litsch. Eine Möglichkeit sei die Einführung eines Interimspreises in Kombination mit einem rückwirkenden Erstattungsbetrag, den die Kasse seit langem fordere. Der Übergangspreis könne mit dem Marktzugang eines neuen Medikaments für „eine gewisse Zeit“ festgelegt werden.

Litsch: Webfehler des AMNOG beseitigen

Der Preis solle so lange gelten, bis er durch den ausgehandelten Erstattungsbetrag rückwirkend ersetzt werde, erläuterte Litsch. Dadurch lasse sich auch ein „alter Webfehler“ des Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetzes (AMNOG) beheben.

Litsch schlug zudem eine Anhebung des Herstellerabschlags für patentgeschützte Arzneien von sieben auf künftig 16 Prozent vor. Auch das könne für eine „Atempause auf dem Arzneimittelmarkt“ sorgen.

Die Mitherausgeberin der Studie, die Pharmakologin Professor Petra Thürmann von der Universität Witten/Herdecke, sagte, Entwicklungen im Bereich der Arzneimittelforschung gingen verstärkt in Richtung individualisierter Therapien – die betreffe vor allem die Onkologie. So seien im Jahr 2020 zwölf von 32 in der Europäischen Union neu zugelassenen Wirkstoffe Onkologika gewesen.

Thürmann: Definition von Orphan Drugs überarbeiten

Sieben der zwölf Präparate zählten zu den Orphan Drugs, sagte Thürmann. Viele dieser Arzneimittel würden in beschleunigten Verfahren zugelassen. Dies führe dazu, „dass wir zum Zeitpunkt der Zulassung wenig über die Sicherheit und Wirksamkeit dieser Wirkstoffe wissen“.

Es brauche hier „transparente Kriterien“ der Bewertung, forderte Thürmann. Auch die Definition eines Orphan Drug gehöre überarbeitet, so die Expertin. (eb)

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