Ärzte sind mobiler als ihre Patienten

Kaum Patiententourismus, aber mehr Ärztewanderung: Die Arbeit zwischen der Sächsischen Kammer und ihren Kollegen in Schlesien soll besser vernetzt werden.

Von Thomas Trappe Veröffentlicht:
Patiententourismus zwischen Deutschland und Polen gibt es nur im Bereich der Kuren. Dagegen beklagt Polen eine hohe Ärzteabwanderung.

Patiententourismus zwischen Deutschland und Polen gibt es nur im Bereich der Kuren. Dagegen beklagt Polen eine hohe Ärzteabwanderung.

© Etzold / fotolia.com

DRESDEN. Die sächsische Landesärztekammer intensiviert ihre Zusammenarbeit mit Kollegen im westlichen Polen. Erstmals lud die Kammer jetzt Vertreter der Schlesischen Ärztekammer zu einer gemeinsamen Vorstandssitzung. Seit 2002 fanden bereits vier Mal Treffen statt. Sie sollen die nachbarschaftlichen Beziehungen pflegen und Kammern, Kliniken und Ärzte besser vernetzen.

Eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Kammern wird auch dadurch nötig, da durch die Öffnung der Grenzen zwischen Deutschland und Polen auch mehr Patienten zwischen den Ländern "ausgetauscht" werden. Der prognostizierte Anstieg von Leistungen für deutsche Patienten im Ausland blieb auch nach dem EU-Beitritt osteuropäischer Länder aus, wie der Gastredner Jürgen Mann von der AOK Plus erklärte.

Rund drei Millionen Euro, und damit weit weniger als erwartet, musste die AOK Plus pro Jahr für die medizinische Versorgung von Deutschen im Ausland aufwenden. "Dies zeigt, dass die Versicherten lieber zu Hause zum Arzt gehen." Ausnahmen bildeten nur Kuren. Aber auch die Behandlung von polnischen Bürgern in Sachsen blieb hinter den Befürchtungen der polnischen Krankenkasse zurück. Es gebe "nur zehn bis 20 Behandlungen pro Monat", so Mann.

Sehr viel schwieriger gestalte sich die Abrechnung dieser Leistungen. Sie erfolgt von der deutschen Krankenkasse mittels einer Deutschen Verbindungsstelle gegenüber der polnischen Krankenkasse, mit der Folge, dass die Abrechnung zwei Jahre in Anspruch nimmt. Mit Blick auf eine künftige grenzüberschreitende Versorgung wünschte sich Mann insbesondere beim Rettungsdienst einen Staatsvertrag, um im Notfall den kürzesten Weg zum nächsten Krankenhaus wählen zu können, auch wenn eine Grenze dazwischen liegt. Einen solchen Vertrag gibt es zum Beispiel bereits mit Frankreich.

Im Rahmen der Sitzung beschrieben Dr. Pawel Wróblewski und Professor Jan Schulze berufs- und gesundheitspolitischen Entwicklungen in beiden Ländern. In Polen gebe es weiterhin eine Tendenz zur Privatisierung von Kliniken, die medizinische Versorgungssituation bleibe angespannt. Polnische Ärzte wanderten ins Ausland ab, darunter vor allem Chirurgen, Kardiologen und Onkologen. Auf 1000 Einwohner in Polen kämen 2,2 Ärzte, und damit einer weniger als in Deutschland.

Obwohl sich im Vergleich zu 1990 die Zahl der Medizinstudenten bis 2008 erheblich erhöht hat, verringerte sich die Zahl der berufstätigen Ärzte. Rund sechs Prozent von ihnen hätten zwischen 2004 und 2008 das Land verlassen. Ein Grund könnte auch in der Arbeitsbelastung liegen. So erklärte Dr. Jacek Chodorski von der Niederschlesischen Ärztekammer, dass Ärztinnen in Niederschlesien im Schnitt zehn Jahre früher als ihre Patienten stürben.

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