Trauerzentren

Anlaufstellen für Familien

Familien, die ein schwerkrankes Kind betreuen oder verloren haben, benötigen Hilfe, die eine ärztliche Begleitung nicht leisten kann. Ansprechpartner können spezielle Trauerzentren sein, die neben Elterntrauergruppen auch Raum für Kindertrauer bieten.

Von Anne Zegelman Veröffentlicht:

BERLIN. Die Björn Schulz-Stiftung in Berlin, deren Kindertrauerzentrum Sylvia Vogel leitet, hat es sich zur Aufgabe gemacht, lebensbedrohlich und lebensverkürzt erkrankte Kinder und junge Menschen bis 35 Jahre mit ihren Familien zu begleiten und zu unterstützen. Benannt ist sie nach Björn Schulz, einem Jungen, der 1982 mit sieben Jahren an Leukämie starb.

Seine Eltern hatten im Lauf der Krankheit ihres Sohnes die Erfahrung gemacht, dass auch andere Familien in gleicher Situation sich hilflos und allein gelassen fühlen. Gemeinsam mit anderen Betroffenen gründeten sie vor 33 Jahren den Verein Kinderhilfe, aus dem 1996 schließlich die Stiftung entstand.

Die Björn Schulz-Stiftung unterstützt heute Familien mit lebensbedrohlich und lebensverkürzend erkrankten Kindern in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Bayern. Sie ermöglicht Familien, die verbleibende Lebenszeit gemeinsam zu nutzen, und unterstützt sie nach deren Tod durch ambulante Dienste.

Gegen die Trauer spielen

Als die Familie Schulz Anfang der 80er Jahre Krankheit und Tod ihres Sohnes erlebte, standen Palliativmedizin und Trauerbegleitung noch am Anfang. Mittlerweile gibt es in Deutschland eine breit aufgestellte Auswahl an Anlaufstellen, Einrichtungen und Ansprechpartnern für trauernde Familien.

Neben der Björn Schulz-Stiftung gibt es in Berlin noch weitere Angebote für Betroffene. So bietet der Verein Tabea Spielgruppen für trauernde Kinder zwischen drei und 16 Jahren an, auch Eltern totgeborener Babys und trauernde Erwachsene finden dort Rat.

In Sachsen-Anhalt ist das Kinderhospiz Magdeburg als Anlaufstelle für Familien zu nennen. Das Hospiz veranstaltet für Geschwisterkinder ein Programm mit Spiel und Ausflügen. Falls von den Eltern gewünscht, werden Geschwisterkinder auch rund um die Uhr betreut.

In Oldenburg ist der Ambulante Hospizdienst und Kinderhospizdienst beheimatet, der mit der Online Trauerbegleitung www.da-sein.de niedrigschwellig Ansprechpartner für Kinder und Jugendliche sein will. Auch Eltern finden auf der Webseite Informationen, für Lehrer und Erzieher gibt es Anregungen für Unterrichtsstunden oder Themenabende.

Im Norden Deutschlands engagiert sich zum Beispiel der Verein "Trauernde Kinder Schleswig-Holstein", in dem Kinder, Jugendliche und Angehörige, die einen Verlust erlebt haben, Ansprechpartner und Menschen in ähnlicher Situation finden.

Auch das DRK leistet Begleitung im Verlustfall, zu nennen ist hier beispielsweise die Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche des DRK-Kreisverbands Münster. Darüber hinaus kann das DRK Ansprechpartner in anderen Regionen vermitteln.

Gruppe nur für Väter

Ebenfalls im Münsterland gibt es seit 2011 den Kinder-Trauerklub des Vereins Sternenland, der neben Gruppengesprächen auch Einzelberatung und Krisenintervention anbietet.

Im Kinder- und Jugendhospiz Balthasar in Olpe finden regelmäßig Angebote für trauernde Geschwister statt, zudem ist an das Hospiz das Kindertrauerzentrum Thalita sowie das Telefon- und Online Projekt "klartext!" angegliedert, das speziell trauernde Jugendliche und junge Erwachsene begleitet.

Die Initiative Schmetterling im nordrhein-westfälischen Neuss bietet regelmäßig Wochenenden für trauernde Kinder und Jugendliche an, genauso wie Einzel- und Paargespräche, Elterngruppen und Gruppen speziell für Väter.

In München engagieren sich betroffene Familien im Verein Verwaiste Eltern, innerhalb des Vereins gibt es eine Selbsthilfegruppe für trauernde Geschwister. Die Johanniter bieten mit "Lacrima" Trauerbegleitung in München, Pfaffenhofen und Rosenheim an.

Ein erster Ansprechpartner kann für betroffene Familien und deren Ärzte der Bundesverband Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister (veid) sein, der über Landesverbände und Regionalstellen in jedem Bundesland Kontakt vermitteln kann.

Informationsmaterial und Broschüren gibt es kostenlos auf www.veid.de.

Lesen Sie dazu auch: Tod aus Kindersicht: Schon Babys können trauern

Mehr zum Thema

Debatte im Parlament beginnt in dieser Woche

Kanalinsel Jersey will über Sterbehilfe abstimmen

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Alexander Baasner und Dr. Stefan Spieren (v.l.) haben die Idee der Digitalen Hausärztlichen Versorgungsassistenten (DIHVA) entwickelt.

© Digitales Facharzt- & Gesundheitszentrum

Neues Berufsbild

Bürger als Assistenten: Hausarzt entwickelt Idee der DIHVA

Das Team um Dr. Nicolas R. Barthélemy geht davon aus, dass mit dem Bluttest über die LC-MS-Methode in einem größeren Maßstab mehr Menschen auf eine Alzheimer-Pathologie untersucht werden können, als dies mit Lumbalpunktion und Liquortests bisher möglich ist. Damit ließe sich wesentlich einfacher ermitteln, ob jemand für die neuen Alzheimertherapeutika infrage komme.

© angellodeco / stock.adobe.com

Nachweis von pTau-217

Alzheimer-Diagnostik: Neuer Bluttest offenbar so gut wie Liquortests