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Psychische Störungen

Arbeitsstress wird zur Epidemie

Die Zahl psychischer Störungen am Arbeitsplatz nimmt zu: 59 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage im Jahr 2011 gehen darauf zurück - 80 Prozent mehr als vor 15 Jahren.

Von Sunna Gieseke Veröffentlicht:
Gestresst am Arbeitsplatz.

Gestresst am Arbeitsplatz.

© Steve Debenport / iStockphoto

BERLIN. Hoher Zeitdruck, häufige Arbeitsunterbrechungen, fehlende Erholungsmöglichkeiten - 19 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland fühlt sich in der heutigen Arbeitswelt überfordert.

43 Prozent sind der Meinung, ihr Arbeitsstress habe in den vergangenen zwei Jahren zugenommen. Das geht aus dem "Stressreport Deutschland 2012" der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hervor, der am Dienstag in Berlin vorgelegt wurde.

Dokument im Volltext

Lohmann-Haislah: Stressreport Deutschland 2012. Psychische Anforderungen, Ressourcen und Befinden (PDF, 208 Seiten, ISBN: 978-3-88261-725-2

Für den Report wurden bundesweit fast 18.000 Arbeitnehmer zu psychischen Anforderungen, Belastungen und Stressfolgen ihres Arbeitsalltags befragt.

Demnach gaben 58 Prozent der Befragten an, dass sie häufig mehrere Tätigkeiten gleichzeitig erledigen müssen.

Fast jeder Zweite (52 Prozent) fühlt sich durch Termin- und Leistungsdruck belastet. Störungen und Unterbrechungen bei der Arbeit stören 44 Prozent der Befragten.

Im Jahr 2011 seien insgesamt 59 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage wegen psychischer Erkrankungen registriert worden, sagte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen während der Vorstellung des Berichts. Das sei ein Anstieg um mehr als 80 Prozent in den letzten 15 Jahren.

"Das kostet richtig viel Geld", so von der Leyen. Für die Betriebe seien dies Produktionsausfälle von sechs Milliarden Euro. Bei der Frühverrentung seien psychischen Erkrankungen mit 41 Prozent inzwischen die Ursache Nummer eins.

Arbeitgeber seien jedoch bereits heute zur Prävention gesetzlich verpflichtet: Der körperliche Arbeitsschutz gehöre ebenso dazu wie der psychische. "Arbeitsschutz gibt es aber nicht von der Stange", so von der Leyen.

Am wichtigsten sei es, in den Betrieben das Bewusstsein für die Problematik zu schaffen. "Immer noch ist es leichter über Bluthochdruck als über Angstzustände zu sprechen", sagte die Arbeitsministerin.

Erhebungen der gesetzlichen Krankenkassen kommen zu einem ähnlichen Ergebnis: Demnach fühlen sich immer mehr Menschen ausgebrannt.

In einer forsa-Umfrage der TK gab jeder vierte Befragte an, häufig oder ständig unter Stress und Erschöpfung zu leiden (25 Prozent). Besonders betroffen sind laut TK die 46- bis 55-Jährigen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Sonne, Freiheit oder Stress

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