DSO-Jahreskongress

Aufwärtstrend bei den Organspenden

Neue Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation zeigen: Es gibt wieder mehr Organspender. Doch es ist zu früh, von einer Trendwende zu sprechen.

Von Christoph FuhrChristoph Fuhr Veröffentlicht:
Vorbereitung zur OP: Die DSO verzeichnet im laufenden Jahr eine gestiegene Zahl an Organspendern.

Vorbereitung zur OP: Die DSO verzeichnet im laufenden Jahr eine gestiegene Zahl an Organspendern.

© M. Ernert

FRANKFURT/MAIN. Die seit Monaten anhaltende öffentliche Diskussion über geringe Organspendezahlen und mögliche Konsequenzen ist offenbar in Deutschland nicht ohne Folgen geblieben.

Mit Stichtag 21. November verzeichnete die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) in diesem Jahr bereits 844 Organspender. Im kompletten Vorjahr waren es 797 Spender gewesen (siehe nachfolgende Grafik).

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Es sei im Moment voreilig, von einer Trendwende zu sprechen, sagte der Medizinische Vorstand Dr. Axel Rahmel am Donnerstag zum Auftakt des Jahreskongresses der DSO in Frankfurt.

Aber die verstärkte Aufmerksamkeit für das Thema habe vermutlich in den vergangenen Monaten dazu geführt, dass Ärzte und Pfleger im Klinikalltag häufiger Kontakt zur DSO aufnehmen – mit damit verbundenen höheren Spenderzahlen.

Volle Unterstützung für Spahn

Der DSO-Vorstand ließ keinen Zweifel, dass er den neuen Gesetzentwurf zur Organspende voll unterstützt. „Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat entschlossen und umgehend auf die gravierenden Defizite reagiert“, lobte DSO-Stiftungsrat Professor Hans Lilie.

Die im Gesetz vorgesehenen Maßnahmen setzen aus Sicht von Rahmel genau da an, wo Schwachstellen in der Organisation und Zusammenarbeit mit den Entnahmekrankenhäusern bestehen.

Rahmel: „Die Maßnahmen stärken die Rolle des Transplantationsbeauftragten und sind Ausdruck der Verbindlichkeit und Wertschätzung für die Organspende in Deutschland.“

Eindringlich warnt die DSO davor, die aktuelle Debatte über das Gesetz mit der Diskussion um die Einführung der Widerspruchslösung zu vermengen. „Am Ende könnte das Ergebnis so aussehen, dass wir nichts in der Hand haben – und das wäre eine Katastrophe“, warnte Lilie.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat entschlossen und umgehend auf die gravierenden Defizite reagiert.

Professor Hans Lilie, Stiftungsrat der DSO

In der Debatte gehe es zum einen um eine sachliche Gesetzesvorlage. Der Komplex „Widerspruchslösung“ sollte davon klar getrennt werden, er sei eng verknüpft mit möglichen Gewissensentscheidungen der Bundestagsabgeordneten.

Mit dem Gesetz werde in absehbarer Zeit ein nachhaltig verbesserter Rahmen für die Organspende erreicht, sagte Rahmel.

Dies könne zur positiven Entwicklung einer Kultur der Organspende beitragen. „Eine von Politik und Kultur getragene Widerspruchslösung könnte diesen Kulturwandel sicher fördern,“ stellten Rahmel und Lilie klar.

Die DSO wird federführend die Arbeit am Gemeinschaftlichen Initiativplan Organspende in die Hand nehmen. Zu den Partnern gehören unter anderem das Bundesgesundheitsministerium und die Gesundheitsministerkonferenz der Länder. Ziel des Plans ist es, die gesetzgeberischen Maßnahmen zu begleiten und durch weitere Instrumente in der praktischen Umsetzung zu ergänzen.

Bisher sind drei konkrete Handlungsfelder definiert:

  • Prozesse vor Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls mit Fragen zur Behandlungsstrategie am Lebensende;
  • Prozesse nach Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls mit Spendermeldung und Charakterisierung;
  • Eine stärkere gesellschaftliche Verankerung des Themas Organspende und entsprechende Öffentlichkeitsarbeit.

Die Arbeit an diesen Handlungsfeldern soll zeitnah begonnen werden.

Lesen Sie dazu auch: Förderung der Organspende: Gemeinschaftlicher Kraftakt von Medizin und Politik

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