Darmkrebs-Screening

Bedeutende Rolle für Hausärzte

Ab Juli 2019 soll das neue Darmkrebs-Screening starten. Bürger werden aktiv eingeladen, je nach Alter einen immunologischen Stuhltest oder eine Koloskopie in Anspruch zu nehmen. Hausärzten kommt eine bedeutende Rolle zu.

Anke ThomasVon Anke Thomas Veröffentlicht:
Prof. Jürgen Riemann, Jutta Steinruck auf der Stiftung LebensBlicke-Pressekonferenz zum Darmkrebsmonat März.

Prof. Jürgen Riemann, Jutta Steinruck auf der Stiftung LebensBlicke-Pressekonferenz zum Darmkrebsmonat März.

© ato

LUDWIGSHAFEN. Bereits im Juli 2018 hatte der Gemeinsame Bundesausschuss beschlossen, dass das Darmkrebs-Screening künftig als organisiertes Programm unter anderem mit regelmäßigen Einladungen und Informationen der Versicherten in die Regelversorgung aufgenommen wird.

„Das bedeutet einen Paradigmenwechsel vom opportunistischen Darmkrebs-Screening hin zu einem Einladungsverfahren“, erklärte der Internist und Gastroenterologe Professor Jürgen F. Riemann, Vorsitzender des Vorstands der Stiftung LebensBlicke und Direktor der medizinischen Klinik C am Klinikum Ludwigshafen auf der diesjährigen Auftakt-Pressekonferenz zum Darmkrebsmonat März 2019: „Darmvorsorge rettet Leben!“

Erste Einladungen ab April

Das neue Darmkrebs-Screening soll im Juli starten. Jeder Bundesbürger ab 50 Jahren bekommt dann eine Einladung zu einem immunologischen Stuhltest (iFOBT). Männer ab 50 Jahren sollen bereits ab April zur Darmspiegelung eingeladen werden. Alle Anspruchsberechtigten ab 55 Jahren werden dann ab Juli zur Darmspiegelung eingeladen, so Riemann weiter.

Die Untersuchungsangebote, die in der Richtlinie zum Früherkennungsprogramm Darmkrebs genannt sind, sind im Einzelnen:

  • Im Alter von 50 bis 54 Jahren können Frauen und Männer jährlich einen iFOB-Test vornehmen lassen.
  • Ab einem Alter von 50 Jahren haben Männer Anspruch auf zwei Früherkennungskoloskopien im Mindestabstand von zehn Jahren. Wenn das Angebot erst ab dem Alter von 65 Jahren wahrgenommen wird, besteht Anspruch auf eine Früherkennungskoloskopie.
  • Ab einem Alter von 55 Jahren haben Frauen Anspruch auf zwei Früherkennungskoloskopien im Mindestabstand von zehn Jahren. Wenn das Angebot erst ab dem Alter von 65 Jahren wahrgenommen wird, besteht der Anspruch auf eine Früherkennungskoloskopie.
  • Ab einem Alter von 55 Jahren haben Frauen und Männer alle zwei Jahre Anspruch auf einen iFOB-Test, solange noch keine Koloskopie in Anspruch genommen wurde.
  • Bei auffälligen Stuhltests besteht der Anspruch auf eine Abklärungskoloskopie.

Curriculum für MFA und VERAH

Mit dem neuen Programm wächst auch das Informationsbedürfnis der Patienten, sagte Riemann. Meist sind hier die Hausärzte erste Ansprechpartner. Deshalb hat die Stiftung LebensBlicke eine Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) sowie dem Deutschen Hausärzteverband ins Leben gerufen. Idee ist, dass Medizinische Fachangestellte beziehungsweise Nichtärztliche Praxisassistentinnen (VERAH) die Beratung zu dem Programm übernehmen und die Patienten informieren sollen.

Damit würde Hausärzte nicht noch zusätzliche Aufgaben aufgebürdet. KBV und Krankenkassen, erklärte Riemann weiter, haben sich hier auf ein Curriculum für die MFA beziehungsweise VERAH geeinigt. Das Curriculum soll vier Stunden umfassen. Eine Vergütungsziffer sei auch geplant, so Riemann, wenn sich das Ganze „etabliert“ habe. Das Honorar soll in etwa die Höhe eines ärztlichen Beratungsgesprächs haben.

Dass die Darmkrebsvorsorge früh ansetzen muss und Arbeitgeber hier auch in der Pflicht sind, findet Jutta Steinruck, Oberbürgermeisterin der Stadt Ludwigshafen. Seit 2008 unterstützt die Stadtverwaltung Ludwigshafen die Stiftung LebensBlicke und hat zum Beispiel ihren Verwaltungsmitarbeitern ab 45 Jahren angeboten, an Darmkrebs-Vorsorgeangeboten teilzuhaben. Bislang nahmen 27 Prozent (556 Personen) das Angebot an. Bei 17 Personen wurde ein positives Ergebnis festgestellt. Das zeigt, sagt Steinruck, „dass unsere Maßnahme erfolgreich war und dank dieser Früherkennung möglicherweise sogar Leben gerettet werden konnten.“

Wenn bei einem Patienten Darmkrebs festgestellt wurde, ist eine Behandlung in einem zertifizierten Darmkrebszentrum empfehlenswert. Denn zwei aktuelle Studien hätten gezeigt, so Professor Stefan Benz, Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft deutscher Darmkrebszentren e.V. (aadz) und Leiter der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie am Klinikum Sindelfingen-Böblingen, dass Patienten, die in einem Darmkrebszentrum behandelt wurden, nach fünf Jahren eine etwa zehn Prozent höhere Überlebenschance hätten.

Derzeit arbeitet der Bewertungsausschuss noch daran, die Vergütung für die Leistungen des neuen Darmkrebs-Screenings festzulegen. Zur Darmkrebs-Früherkennung hält die KBV Informationsmaterialien für die Praxen bereit. Dazu gehört zum Beispiel ein Plakat für das Wartezimmer.

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