Barmer und TK in der Kritik

Bewusst falsche Infos über HPV-Impfung?

Zwei Kassen im Fadenkreuz der Kritik: Die Frauenärzte und Pädiater werfen der Barmer GEK und der TK vor, falsch über die HPV-Impfung zu informieren, damit sich Mädchen eben nicht impfen lassen. Nun schalten die Ärzte das BVA ein.

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Die GKV zahlt Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren die HPV-Impfung.

Die GKV zahlt Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren die HPV-Impfung.

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MÜNCHEN/KÖLN. Der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) stören sich an der Informationspolitik von Barmer GEK und der Techniker Krankenkasse (TK) im Zusammenhang mit der HPV-Impfung - und gehen nun gegen die Kassen vor. Beim Bundesversicherungsamt (BVA) haben sie um eine aufsichtsrechtliche Prüfung gebeten, wie es in einer gemeinsamen Mitteilung heißt.

Die Frauenärzte und Pädiater werfen den beiden Kassen vor, Mädchen und deren Eltern falsch über die HPV-Impfung zu informieren, um eine Entscheidung gegen die Impfung zu forcieren.

"Die Behandlung von Frauen, die wegen einer HPV-Infektion an Gebärmutterhalskrebs erkranken, ist für die Krankenkassen erheblich preiswerter als die flächendeckende HPV-Impfung", unterstellen sie.

In der Mitteilung heißt es außerdem: "Jedes Mädchen, jede Frau, die sich nicht impfen lässt und damit das Risiko einer späteren Krebserkrankung in Kauf nimmt, ist für ihre Krankenkasse ein geldwerter Vorteil."

Veraltete Informationen in Broschüren bemängelt

Vor allem die online verfügbaren Broschüren der Kassen zur HPV-Impfung stoßen den beiden Berufsverbänden sauer auf. Dort würden veraltete Informationen verbreitet, bemängeln sie.

Und neue Studienerkenntnisse und Empfehlungen wie die des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) würden ignoriert.

"Wir haben beide Krankenkassen-Vorstände bereits im Dezember 2013 auf die veralteten Broschüren aufmerksam gemacht und darum gebeten, dass sie aktualisiert beziehungsweise aus dem Angebot entfernt werden", sagt Dr. Christian Albring, BVF-Präsident.

Auch nach einem weiteren Vorstoß Anfang April 2014 sei nichts geschehen. "Bis heute haben beide Krankenkassen die Broschüren nicht von ihren Homepages entfernt. Wir gehen deshalb davon aus, dass die Barmer GEK und die TK an ihrer impfkritischen Haltung festhalten wollen", so Dr. Albring.

Jetzt soll Druck über das BVA ausgeübt werden. "Wir hoffen, dass dieser Schritt zu einem Umdenken in den beiden Krankenkassen beitragen kann", sagt Dr. Wolfram Hartmann, Präsident des BVKJ.

Barmer GEK will Kritik prüfen - TK weist Vorwurf zurück

Die beschuldigte Barmer GEK rechtfertigt ihre Broschüre. "Mündige Patientinnen und Patienten brauchen Entscheidungshilfen und genau darum handelt es sich bei der (...) angegriffenen Broschüre (...). Entscheidungshilfen stellen bewusst Pro und Kontra gegenüber, um eine Auseinandersetzung mit allen Facetten eines Themas zu ermöglichen", heißt es in einer Stellungnahme auf Anfrage der "Ärzte Zeitung".

"Wir legen Wert darauf, dass dabei Sorgfalt waltet und wir lassen uns von angesehenen Experten beraten", betont die Kasse - und ergänzt: "Wenn es relevante neue Erkenntnisse gibt, berücksichtigen wir diese auch. In diesem Sinne werden wir die Kritik konstruktiv prüfen."

Auch die Techniker Krankenkasse will die Anschuldigungen nicht auf sich sitzen lassen. Der Vorwurf, sie rate ihren Versicherten von der HPV-Impfung ab, sei falsch, teilt die Kasse auf Anfrage der "Ärzte Zeitung" mit. "Die Aussage, die HPV-Impfung sei für die Krankenkassen nach bisherigen Rechnungen teurer als abzuwarten und später die Behandlung der krebskranken Frauen zu bezahlen, ist zynisch und haltlos", heißt es weiter.

Eine umfängliche Beratung über Chancen und Risiken der Impfung stehe an erster Stelle, damit die Versicherten eine informierte Entscheidung treffen könnten. Für die Entscheidungshilfe würden neben aktuellen Studien auch die Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) verwendet.

"Mit den Informationen, die die TK zur Verfügung stellt, wird weder eine Impfung empfohlen noch davon abgeraten", betont die Krankenkasse. Nach eigenen Angaben hat sie ihre Position bereits im Februar dem BVF mitgeteilt. (ths)

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Kommentare
Dr. Wolfgang P. Bayerl 15.08.201413:38 Uhr

wir haben hier den klassischen Rationierungskonflikt,

weil diese Impfung nun mal nicht besonders billig ist.
Allerdings wäre es unwürdig und inakzeptabel, hier mit Lügen zu arbeiten wie bei Politikern.
Die Eckpunkte der medizinischen Diskussion sind lange bekannt und wurden spätestens 2009 vom seriösen Paul Erlich-Institut noch einmal zusammen gefasst:
http://tinyurl.com/n6zz9u2
1) die Impfung kann nur gegen die Formen von Potio-Ca wirken die von dem "geimpften" Virus verursacht werden (ca.70% HPV-16 und -18)
2) Eckpunkt für den Wirksamkeitsnachweis kann nur der Nachweis der Virus-assoziierten hochgradigen Dysplasie sein, die dann (hoffentlich) chirurgisch behandelt wird.

Erfreulicherweise ist die impfvermittelte Immunität viel wirksamer als die HPV-Infektion selbst.
Hier sind weitere Nachbeobachtungen erforderlich, so alt ist die Impfung noch nicht.
Schließlich ist es schon fast etwas peinlich die potentielle Ansteckungsquelle, also die jungen Männer von der Impfung auszuschließen,
ganz davon abgesehen, dass diese Viren auch Peniskrebs und Analkarzinom verursachen.

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