HzV Baden-Württemberg

COVID-Patienten zu Hause begleiten: Software unterstützt

Zwei Jahre nach Start ziehen die Vertragspartner im AOK-Hausarztvertrag in Baden-Württemberg Zwischenbilanz: Das IT-Modul CovidCare erleichtert das Telemonitoring von COVID-Patienten durch das Praxisteam.

Von Florian Staeck Veröffentlicht:
Eingabemaske des Softwaremoduls CovidCare: Durch Telemonitoring soll eine Verschlechterung des Gesundheitszustands ambulanter Patienten rasch erkannt werden.

Eingabemaske des Softwaremoduls CovidCare: Durch Telemonitoring soll eine Verschlechterung des Gesundheitszustands ambulanter Patienten rasch erkannt werden.

© Universitätsklinikum Heidelberg

Stuttgart. Das Softwaremodul CovidCare hat sich nach Ansicht der Partner des AOK-Hausarztvertrags in Baden-Württemberg im Einsatz bewährt. Eingeführt wurde die Software in der ersten Corona-Welle im Mai 2020. Sie soll das Monitoring von COVID-19-Patienten, die zu Hause in Quarantäne sind, unterstützen und Hausärzte entlasten.

Das von der Abteilung für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Uniklinikum Heidelberg entwickelte Werkzeug soll ein telefonbasiertes Monitoring zusammen mit einer schlanken Dokumentation ermöglichen. Hausarztpraxen, die am AOK-Hausarztvertrag teilnehmen, können durch den Einsatz dieses Versorgungsmoduls 40 Euro zusätzlich pro Krankheitsfall abrechnen.

Rund 1500 Patienten begleitet

CovidCare wird den Angaben zufolge derzeit in rund 100 Praxen eingesetzt, bisher seien etwa 1500 Patienten mit Hilfe dieses Moduls begleitet worden. Die Software erlaube es, in einem strukturierten und zugleich individuell auf den Patienten abgestimmten Telemonitoring den Krankheitsverlauf im Blick zu behalten, und zwar arbeitsteilig nach dem Delegationsprinzip, heißt es in einer Untersuchung, die jüngst in der „Zeitschrift für Allgemeinmedizin“ erschien (ZFA 2021; 97 (12); DOI: 10.3238/zfa.2021.0497-0501).

Darin berichtet das Team um Mariell Hoffman von der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung in Heidelberg von den Ergebnissen einer Beobachtungsstudie, durch die der Einsatz von CovidCare in den Praxen begleitet wurde. Als ein Vorteil gilt, dass die Software keine Stand-alone-Lösung ist: Tatsächlich dockt CovidCare an das hausarzt-basierte Case-Management für chronisch Kranke an (PraCMan), das bereits 2014 im Rahmen der HZV etabliert wurde. Dieses Modul war 2020 in über 700 Hausarztpraxen im Südwesten im Einsatz.

Verschlechterung rasch erkennen

Der Struktur des Case-Managements folgend, umfasst CovidCare zunächst ein Assessment, mittels dessen Erkrankungen und Risikofaktoren, die einen schweren COVID-19-Verlauf begünstigen, erfasst werden. Das eigentliche Telemonitoring – die Dauer wird mit fünf bis zehn Minuten angegeben – dient dann der Kontrolle der Symptome und der im Assessment festgelegten Messparameter.

Als Herzstück gilt dabei ein individualisierbares Symptomprotokoll mit voreingestellten Grenzwerten für Parameter wie Atemnot und -frequenz, Fieber, Blutdruck und Sauerstoffsättigungsgrad. Die softwaregestützte Verlaufskontrolle ermöglicht eine Visualisierung der Parameter auf der Zeitachse und soll der Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (VERAH) eine rasche Einschätzung des Gesundheitszustands des COVID-Patienten ebenso erleichtern, wie mögliche Verschlechterungen zu erkennen. Werden Grenzwerte überschritten, wird die VERAH durch ein Pop-up-Fenster darauf hingewiesen. Am Ende des jeweiligen Monitorings kann ein Arztbericht als pdf-Datei generiert werden.

Bisher sind 400 Praxen für den Einsatz von CovidCare registriert, doch erst ein Viertel davon setzt die Software tatsächlich ein. Zusammenhängen mag das unter anderem damit, dass die Daten von COVID-Patienten bislang eigens in dem Modul angelegt werden mussten, ein Import aus der Praxisverwaltungssoftware war nicht möglich. Durch jüngste Updates ist hier der Aufwand für das Praxisteam geringer geworden.

Im zweiten Quartal soll CovidCare um ein Modul für Long-COVID-Patienten erweitert werden, haben die Vertragspartner angekündigt.

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