Direkt zum Inhaltsbereich

Geplante Pflegereform

Caritas-Chefin: Politik muss häusliche Pflege mehr unterstützen

Pflegende Angehörige brauchen mehr Entlastung – und zwar nicht nur finanzieller Art – mahnt Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa. Sie fordert einen Ausbau von Kurzzeit-, Tages- und Nachtpflege.

Veröffentlicht:
Soziales Pflichtjahr? Davon hält Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa nicht viel. „Ich habe in den vergangenen Jahren schmerzlich miterlebt, wie Debatten um eine ‚Pflicht‘ gute Ansätze und Ideen kaputt gemacht haben.“

Soziales Pflichtjahr? Davon hält Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa nicht viel. „Ich habe in den vergangenen Jahren schmerzlich miterlebt, wie Debatten um eine ‚Pflicht‘ gute Ansätze und Ideen kaputt gemacht haben.“

© Philipp von Ditfurth / dpa / picture alliance

Kitzscher. Die geplante Pflegereform muss laut Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa substanzielle Verbesserungen für die häusliche Pflege bringen. „Zwei Drittel der Menschen, die Angehörige zuhause pflegen, tun dies ohne professionelle Unterstützung – das ist eine erschreckend hohe Zahl“, sagte sie am Freitagabend im sächsischen Kitzscher beim Podium „SachsenSofa“ der Evangelischen und der Katholischen Akademie.

In Deutschland gibt es rund 4,6 Millionen pflegebedürftige Menschen. 80 Prozent werden zu Hause versorgt, der Großteil überwiegend durch Angehörige.

Drei Punkte sollen Entlastung bringen

Für eine deutliche Verbesserung sind nach Ansicht der Chefin des katholischen Wohlfahrtsverbands folgende drei Punkte notwendig: eine bessere Infrastruktur zur Entlastung der Pflegenden durch Kurzzeit-, Tages- und Nachtpflege, eine Anpassung der finanziellen Unterstützung, damit die tatsächlich zu Hause entstehenden Kosten gedeckt sind, und eine Verbesserung von Transferleistungen wie etwa Lohnersatzleistungen oder Rentenansprüchen. „Wir brauchen diesen Dreiklang, auch damit häusliche Pflege kein Armutsrisiko mehr bedeutet“, mahnte Welskop-Deffaa.

Soziales Pflichtjahr löst Probleme nicht

Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) sagte mit Blick auf Forderungen nach einem sozialen Pflichtjahr für junge Erwachsene: „Ich befürworte jedes soziale Engagement junger Menschen. Wenn das auch angemessen bezahlt ist, brauchen wir kein Pflichtjahr.“ Ihrer Erfahrung nach verändere ein sozialer Dienst junge Menschen meist sehr positiv. Viele blieben dann auch dabei. Eine Verpflichtung sehe sie aber ambivalent.

Ähnlich äußerte sich Welskop-Deffaa: „Ich habe in den vergangenen Jahren schmerzlich miterlebt, wie Debatten um eine ‚Pflicht‘ gute Ansätze und Ideen kaputt gemacht haben.“

Ausbildungszahlen steigen wieder

Die Caritas-Präsidentin verwies auf einen „hoffnungsvollen Trendwechsel“: Die Ausbildungszahlen in den Pflegeberufen stiegen an. „Junge Menschen spüren, das ist ein Beruf, der Zukunft hat, der längst nicht mehr schlecht bezahlt ist und Sinn stiftet.“ Dennoch seien Träger und Politik gefordert, die Rahmenbedingungen zu verbessern, etwa was das Zahlenverhältnis zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen betreffe. „Es geht darum, dass diejenigen, die in den Beruf gehen, auch da bleiben.“ (KNA)

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Lithiumtherapie aktiviert WNT-Signalweg

Regeneration der COPD-Lunge: Was ist da möglich?

Änderungen im Überblick

So wirkt sich das GKV-Spargesetz auf Praxen aus

Hepatologie im Wandel

Patienten mit Leberfibrose und -zirrhose bald heilbar?

Lesetipps
Ärztin untersucht einen Mann an der Schulter

© New Africa / stock.adobe.com

Betäubungsmittel richtig verordnen

Opioide in der Urlaubsvertretung: Wie sich Missbrauch vorbeugen lässt

Tablets to maintain the correct functioning of the human cardiovascular system on a blue background close-up

© bisonov / stock.adobe.com

Kombi schlägt Monotherapie

Diese Blutdrucksenker werden am besten vertragen