Hessen

Corona-Teststudie in Alten- und Pflegeheimen

Landesregierung und Uniklinikum Frankfurt wollen Heimpersonal wöchentlich testen. Dabei sollen auch Alternativen zum Nasen-Rachen-Abstrich erprobt werden.

Christoph BarkewitzVon Christoph Barkewitz Veröffentlicht:
Eine repräsentative Studie soll Aufschluss über das Corona-Geschehen in Hessens Heimen geben.

Eine repräsentative Studie soll Aufschluss über das Corona-Geschehen in Hessens Heimen geben.

© Armin Weigel /dpa

Wiesbaden. Nach dem Start einer Studie in Kindertagesstätten will die hessische Landesregierung zusammen mit dem Uniklinikum Frankfurt in Kürze eine weitere Untersuchungsreihe in Alten- und Pflegeheimen beginnen. Dazu sollen in 50 noch zu bestimmenden Einrichtungen Pflege-, Reinigungs- und Kantinenpersonal einmal wöchentlich auf SARS-CoV-2 getestet werden, teilte Sozialminister Kai Klose (Grüne) am Freitag mit.

Auch Neu- und Wiederaufnahmen sollten vor dem Einzug getestet werden, wobei der Test in diesen Fällen nicht älter als 72 Stunden sein dürfe. Ausdrücklich nicht vorgesehen sei die Testung der ständigen Heimbewohner, sagte Professor Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie der Uniklinik. Tests bei Symptomen ja; diese hochvulnerable Gruppe sollte aber nicht durch zusätzliche Menschen wie die Tester gefährdet werden.

Gelockerte Besuchsregeln

„Die Gefährdung der Bewohner entsteht vor allem durch von außen kommende Menschen“, sagte Klose. Von daher ist besondere Vorsicht geboten, denn am Donnerstag hatte die Landesregierung die Besuchsregeln für Heime erneut gelockert. Demnach dürfen Bewohner in Pflegeeinrichtungen von Montag an drei Besuche pro Woche von einer Person erhalten (Angehöriger oder nahestehende Person). Menschen mit Behinderung, die in einer stationären Einrichtung betreut werden, können von einer Person pro Tag besucht werden.

Im neuen, repräsentativ angelegten Pilotprojekt sollen auf jeden Fall so viele Menschen wie bei der „SAFE-KiDS“-Studie getestet werden. Im Zuge dieser Anfang Juni vorgestellten Untersuchung sollen 1500 Kinder (25 Kinder à 60 Kitas) und deren Erzieher wöchentlich abgestrichen werden. Für die kommende Studie kann sich Ciesek aber auch bis zu 3000 Menschen vorstellen, die Laborkapazitäten dafür gebe es. Acht bis zwölf Wochen sind als Zeitraum veranschlagt, am Studiendesign würde aktuell noch gearbeitet.

Selbstabstriche denkbar

Dabei solle auch die „Testung ohne ärztliche Fachexpertise“ erprobt werden, sagte Klose. Dies könne soweit gehen, einen Prozess zu finden, „bei dem sich Menschen selbst abstreichen könnten“, ergänzte Ciesek. Neben dem nasopharyngealen Abstrich wären weitere denkbare Vorgehensweise Speichelproben, Nasen- oder Wangenabstriche wie auch Stuhlproben.

Sowohl Klose wie auch Ciesek sprachen sich gegen unbestimmte Massentests aus. Sinnvoll sei „nicht alle testen, sondern niederschwellig testen“, so die Virologin. Sprich, potenziell Infizierte sollten nicht tage- oder gar wochenlang auf einen Test warten müssen, sondern schnellen Zugang dazu bekommen.

Dies gilt vor allem mit Blick auf eine mögliche zweite Corona-Welle im Herbst. Auch dazu soll die kommende Studie Erkenntnisse liefern, so der Minister: Prozesse vorbereiten, die dann im Fall eines verschärften COVID-19-Ausbruchs greifen können.

Mehr zum Thema

Kommentar zum Umgang mit aggressiven Patienten in Frankreich

Klima der Gewalt

In der Sprechstunde

Risikokommunikation fördert kardiovaskuläre Prävention

Das könnte Sie auch interessieren
Wie patientenzentriert ist unser Gesundheitssystem?

© Janssen-Cilag GmbH

Video

Wie patientenzentriert ist unser Gesundheitssystem?

Höhen- oder Sturzflug?

© oatawa / stock.adobe.com

Zukunft Gesundheitswesen

Höhen- oder Sturzflug?

Patientenzentrierte Versorgung dank ePA & Co?

© MQ-Illustrations / stock.adobe.com

Digitalisierung

Patientenzentrierte Versorgung dank ePA & Co?

Umgang mit Multimorbidität in der Langzeitpflege

© Viacheslav Yakobchuk / AdobeStock (Symbolbild mit Fotomodellen)

Springer Pflege

Umgang mit Multimorbidität in der Langzeitpflege

COVID-19 in der Langzeitpflege

© Kzenon / stock.adobe.com

Springer Pflege

COVID-19 in der Langzeitpflege

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Gefangen in der Gedankenspirale: Personen mit Depressionen und übertriebenen Ängsten profitieren von Entropie-steigernden Wirkstoffen wie Psychedelika.

© Jacqueline Weber / stock.adobe.com

Jahrestagung Amerikanische Neurologen

Eine Frage der Entropie: Wie Psychedelika bei Depressionen wirken

Gesundheitsminister Lauterbach hat angekündigt, den Entwurf für die Klinikreform am 8. Mai im Kabinett beraten lassen zu wollen. 

© picture alliance / Geisler-Fotopress

Großes Reformpuzzle

So will Lauterbach den Krankenhaus-Sektor umbauen