DAK-Report

Junge Menschen können sich Pflege von Angehörigen vorstellen

Knapp 70 Prozent der 16- bis 39-Jährigen sind laut einer Umfrage der DAK-Gesundheit bereit, häusliche Pflegeaufgaben zu übernehmen. Mit moralischer Verpflichtung habe dies aber nur bedingt zu tun, so die Autoren.

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Pflege zu Hause? Die Bereitschaft dafür ist da: Von denen, die bereits Angehörige zu Hause pflegen, würden mehr als 80 Prozent erneut eine Pflegeaufgabe übernehmen.

Pflege zu Hause? Die Bereitschaft dafür ist da: Von denen, die bereits Angehörige zu Hause pflegen, würden mehr als 80 Prozent erneut eine Pflegeaufgabe übernehmen.

© Alexander Raths / stock.adobe.com

Berlin. Die Aufgabe gilt als zeitraubend, körperlich anstrengend und seelisch belastend: Dennoch können sich zwei von drei jungen Menschen in Deutschland vorstellen, einen Angehörigen zu pflegen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage für den neuen Pflegereport der Krankenkasse DAK-Gesundheit. Das Institut für Demoskopie Allensbach befragte dafür 1310 Männer und Frauen im Alter zwischen 16 und 39 Jahren. Unter ihnen waren auch 443 Personen, die bereits Angehörige pflegen oder dies in den vergangenen zehn Jahren getan haben.

„Generationenverbundenheit mit hoher Qualität“

Demnach sind zwei Drittel der Befragten „grundsätzlich“ bereit, einen Verwandten oder Freund zu pflegen. Von denen, die das bereits tun, würden sogar mehr als 80 Prozent erneut eine Pflegeaufgabe übernehmen.

Die Bereitschaft, Angehörige zu pflegen, werde von jungen Menschen nicht primär als moralische Pflicht gesehen, sagte Studienautor Professor Thomas Klie von der Evangelischen Hochschule Freiburg. „Wir beobachten vielmehr eine Generationenverbundenheit mit einer hohen Qualität.“ Kinder und Enkel übernähmen Verantwortung, auch wenn es um das Thema Pflege gehe, so Klie.

Angst vor finanziellen Verlusten

Bei denjenigen, die sich eine Pflege eines Angehörigen nicht vorstellen können, sagen 63 Prozent, sie trauten sich die Aufgabe nicht zu. Knapp 50 Prozent geben an, sie bekämen Pflege und Beruf nicht unter einen Hut. 44 Prozent fürchten, dass die Pflege seelische Belastungen nach sich ziehe. 26 Prozent nennen eine zu große räumliche Entfernung als Grund. 22 Prozent haben Angst vor finanziellen Einbußen.

DAK-Chef Andreas Storm sagte, informelle Pflege brauche einen Rahmen, „in dem es kein Entweder-oder gibt“. Pflegende Angehörige bräuchten mehr finanzielle Unterstützung. Aufgabe einer nächsten Bundesregierung müsse die bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf sein. Ansonsten nehme die Zahl derer, die Angehörige zu Hause pflegen wollten, deutlich ab.

Laut Statistischen Bundesamt wurden Ende 2019 von den rund 4,1 Millionen Menschen, die Leistungen aus dem Topf der sozialen Pflegeversicherung erhielten, 80 Prozent zu Hause gepflegt – das Gros mit Unterstützung von Angehörigen, nahen Freunden oder Nachbarn. Schätzungen gehen von derzeit fünf Millionen informell Pflegenden aus. (hom)

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