Europäischer Gesundheitskongress

Dänemark setzt auf Superhospitals

Mit einer drastischen Reduzierung der Klinikstandorte wollen die Dänen dem Personalengpass bei Ärzten und Pflegern Herr werden. Ein Konzept auch für Deutschland?

Rebekka HöhlVon Rebekka Höhl Veröffentlicht:
Die „Superhospitals“ in Dänemark setzen auf Einzelzimmer – so können Arzt, Patient und Pflege die Therapie direkt am Bett besprechen.

Die „Superhospitals“ in Dänemark setzen auf Einzelzimmer – so können Arzt, Patient und Pflege die Therapie direkt am Bett besprechen.

© upixa / stock.adobe.com

MÜNCHEN. Wie lässt sich trotz des Mangels an Personalressourcen im Gesundheitswesen Versorgung nicht nur sichern, sondern auch noch patientenzentriert umsetzen?

Deutschlands Nachbarland Dänemark hat dazu ein zukunftsweisendes Modell initiiert: Statt einer Vielzahl an Einzelkliniken soll das dänische Gesundheitswesen künftig von sogenannten „Superhospitals“ getragen werden, berichtete Julian Weyer, Partner beim dänischen Unternehmen C.F. M¢ller, auf der Eröffnungsveranstaltung des Europäischen Gesundheitskongresses in München.

Weyer und seine Unternehmenspartner haben am Konzept mitgearbeitet. „Wir hatten 50 Kliniken, die sich künftig um die wenigen Ressourcen im Land hätten schlagen müssen.“ Die Regierung habe daher konsequent entschieden, die Standorte zu reduzieren.

Sieben Häuser — statt 50

Sieben Superhospitals sollen das Zentrum der Versorgung bilden, das soll unter anderem die Qualität verbessern. Weyer: „Hauptziel war es, Effizienz ins Gesundheitswesen zu bringen.“ Vier dieser Versorgungsgiganten werden in großen Städten ansässig sein, zwei weitere im Süden des Landes und eines im weniger dicht besiedelten Nordwesten.

„Gerade beim letzten Standort im Nordwesten hat man die Erreichbarkeit in Minuten bei der Standortwahl als ausschlaggebendes Argument herangezogen“, sagte Weyer. Flankiert werden die Superhospitals durch kleinere Unfallkrankenhäuser. Der Rest der Kliniken sei in MVZ umgewandelt worden.

Ein radikaler Schritt, der in Dänemark aber auch deshalb funktioniert, weil es eigentlich nur „eine Kasse“ gibt, wie es Weyer nannte: Das Gesundheitswesen wird zu nahezu 100 Prozent öffentlich über Steuergelder finanziert. Der private Versicherungssektor sei verschwindend gering.

Deutschland kann sich etwas von den 500.000-Quadratmeter großen und 800-Betten starken Superhäusern abschauen, meint Sabrina Roßius, Stationsleiterin der Intensivstation der Alexianer St. Hedwig in Berlin. Die Kommunikationsstrukturen zwischen Pflege und Ärzten seien zum Beispiel offener, um eine patientenzentriertere Versorgung zu fördern.

Im dänischen Konzept gibt es statt Stations- und Arztzimmern offene Stützpunkte auf den Abteilungen. Und durch ein konsequentes Einzelzimmerkonzept wird der Patientenzimmer zum Konsultationsraum, in dem Arzt, Patient und Pflege miteinander die Therapie besprechen.

Dazu gehört aber auch, dass über die notwendige Technik und Vernetzung Patientendaten über Flatscreens und mobile PC-Stationen auch im Krankenzimmer abrufbar sind.

Eine „Traumvorstellung“

Laut Roßius eine Traumvorstellung: „Dann verschwindet der Arzt nicht mehr wie hierzulande im Arztzimmer und diagnostiziert unter Ausschluss der Pflege vor sich hin.“

Die Einzelzimmer haben dabei noch einen Kostenspareffekt: Die Evidenz zeige, so Weyer, dass durch ein geringeres Infektionsrisiko und eine bessere Schlafqualität die Liegezeit sinke. Allerdings umfasst so ein Dänisches Superhospital auch ein Investitionsvolumen von einer Milliarde Euro.

Zumindest das Einbettzimmer könnte auch hierzulande die Zukunft sein, prognostizierte Viktor Helmers, Geschäftsführer der Fachkrankenhaus Coswig GmbH. Ob es irgendwann Superhospitals geben könnte, hält er aber für fragwürdig.

„Wir befinden uns im deutschen Gesundheitswesen in einer zu starken Wettbewerbssituation.“ In Dänemark habe man sich hier offenbar einigen können. „Ich weiß auch nicht, ob wir alle Kliniken in MVZ umwandeln müssen“, überspitzte IKK Südwest-Vorstand Roland Engehausen.

„Wir brauchen aber noch einmal Gehirnschmalz, wie wir das Gesundheitswesen künftig sinnvoll finanzieren können.“ Man müsse definieren, wie man die Zeit der Ärzte und Pfleger bezahlen könne.

Man komme aber nicht umhin, die Pflege für eine gute Versorgung dauerhaft als Einzelleistung außerhalb der DRG zu vergüten. „Sonst wird sie immer nur ein Kostenfaktor sein.

Mehr zum Thema

Notfallzulassung

USA erlauben intradermale Affenpocken-Impfung

Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Datenerfassung, Dokumentationen – und das gleich mehrfach: Zwei Drittel aller Befragten zeigten sich in der MB-Befragung „unzufrieden“ oder „eher unzufrieden“ mit der IT-Ausstattung an ihrem Arbeitsplatz.

© alphaspirit / stock.adobe.com

Update

Ergebnisse des MB-Monitors

Ein Viertel der Ärzte denkt über Berufswechsel nach

Macht Spaß, und tut nicht nur dem Körper gut: Ein Forscherteam bestätigt jetzt eine bei in der Freizeit aktiven Menschen niedrigere Rate von Demenz-Erkrankungen. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Ingram Publishing / Getty Images / Thinkstock

Weniger Demenz-Erkrankungen

Wie Freizeit zur Prävention werden kann