KBV-Chef zu EBM-Reform

„Das Rendezvous mit der Realität eingehen“

Die EBM-Reform sollte der sprechenden Medizin Vorschub leisten. Bei den Internisten heißt es allerdings: Fehlanzeige. Kritik kann KBV-Chef Dr. Gassen nicht nachvollziehen.

Von Anke Thomas Veröffentlicht:
Mehr Geld für die sprechende Medizin durch die EBM-Reform: Doch es hagelt auch Kritik.

Mehr Geld für die sprechende Medizin durch die EBM-Reform: Doch es hagelt auch Kritik.

© Jasmin Merdan / stock.adobe.com

Neu-Isenburg. Ob von HNO-Ärzten, Gastroenterologen oder Chirurgen: Es gibt von vielen Seiten Kritik an der EBM-Reform. So monieren die Chirurgen, dass es zwar eine „Aufwertung der sprechenden Medizin“ gebe, dafür es aber an einer Kompensation der Hygienekosten beim ambulanten Operieren fehle. Auch Internisten werden eine Gesprächsziffer im neuen EBM vergeblich suchen. Und Gastroenterologen müssen eine deutliche Abwertung von Koloskopien hinnehmen.

Einzelne Leistungen im neuen EBM zu betrachten sei nicht hilfreich, erklärt KBV-Chef Dr. Andreas Gassen im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“. Die Gastroenterologen beispielsweise hätten den Wunsch geäußert, Gastroskopien aufzuwerten. Dafür seien die Koloskopien abgewertet worden. Hinzu komme, dass zuwendungsintensive Leistungen mit einem hohen ärztlichen Anteil aufgewertet worden seien. Diese Zuwendungsintensität könne man mit Gesprächen vergleichen.

Größere Verwerfungen werde die EBM-Reform den Praxen nicht bringen. Das hätten auch Simulationsberechnungen der KBV gezeigt, so Gassen weiter. Diese hätten ergeben, dass die Fachgruppen über den Durchschnitt betrachtet im Ergebnis zwischen minus und plus einem Prozent Verlust beziehungsweise Gewinn mit dem neuen EBM machen würden.

Dass manche Praxen auch mehr verlieren könnten, schließt der KBV-Chef dabei nicht aus. Das könne bei denen eintreten, die sich auf bestimmte technische Leistungen spezialisiert hätten.

KV Hessen-Kritik skurril?

„Skurril“ findet Gassen in diesem Zusammenhang die Resolution der Vertreter der KV Hessen (wir berichteten), die die KBV wegen der EBM-Reform mit Vorwürfen überschüttet hat. Von Versagen ist die Rede, die Berufsverbände hätten den EBM in dieser Form „nicht genehmigt“.

Vorstände und weitere Vertreter der KV seien jederzeit über die Entwicklungen der EBM-Reform informiert gewesen, sagt hingegen Gassen, und zwar über die KBV-Vertreterversammlung, den Arbeitskreis 4 und die beratenden Fachausschüsse.

Für die Forderung der Hessen, „unverzüglich“ in neue Verhandlungen zum EBM zu treten, findet der KBV-Chef deutliche Worte: „Es gibt einen Beschluss des Bewertungsausschusses und der hat bindende Wirkung. Ich finde es „extrem, schwierig, wenn jemand eine Körperschaft leitet und so tut, als würden die Regeln für ihn nicht gelten. Manchmal muss man das Rendezvous mit der Realität eingehen“, schickt Gassen deutliche Worte an den hessischen KV-Chef Frank Dastych.

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