Wenig Infos zu Modellprojekten

Datengrab Pflegeheim

Wie ist es um die Versorgung der Menschen in Pflegeheimen bestellt? Forscherinnen haben vorhandene Studien ausgewertet: Das Ergebnis ist desaströs.

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht: 19.04.2013, 06:27 Uhr
Datengrab Pflegeheim

Die Versorgung von Pflegeheim-Bewohnern: Offenbar fehlt die Dokumentatino darüber, welche Maßnahmen funktionieren und welche nicht.

© Klaus Rose

KÖLN. Es gibt viele Modellprojekte zur besseren fachärztlichen Versorgung von Pflegeheimbewohnern, aber über die Ergebnisse ist zu wenig bekannt.

"Es fehlt die Dokumentation darüber, welche Maßnahmen funktionieren und welche nicht", sagt Dr. Dagmar Lühmann vom Institut für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

"Aus den Projekten kann man keine allgemeingültigen Schlüsse ziehen", kritisiert sie.

Von Fehlversorgung und Unterversorgung

Lühmann ist eine der Autorinnen des Health-Technology-Assessment-Berichts "Beschreibung und Bewertung der fachärztlichen Versorgung von Pflegeheimbewohnern in Deutschland" im Auftrag des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information. Dem Bericht liegt eine Literaturrecherche zugrunde.

Weil die Datenlage dort vergleichsweise gut ist, haben die Wissenschaftlerinnen beim Abgleich der Ist-Situation mit Leitlinien besonderes Augenmerk auf Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 und Patienten mit Demenz gelegt.

Nach der Auswertung ist die hausärztliche Versorgung der Heimbewohner angemessen. In einigen Bereichen haben die Autorinnen aber Hinweise auf Defizite gefunden:

› Ungenaue und zu unspezifische Diagnostik demenzieller Erkrankungen

› Unterversorgung von an Alzheimer erkrankten Heimbewohnern mit Antidementiva

› Fehlversorgung in der Verordnung von Psychopharmaka, insbesondere Neuroleptika zur Behandlung neuropsychiatrischer Symptome bei demenziell Erkrankten

› Unterversorgung in der Verordnung von Heilmitteln bei Bewohnern mit Demenz

› Unterversorgung von Heimbewohnern mit Diabetes mellitus mit regelmäßigen augenärztlichen Untersuchungen.

"Mangel an empirischer Evidenz"

Zu diesen Problemen tragen mehrere Faktoren bei, darunter eine nicht fachgerechte Diagnostik und Dokumentation von Erkrankungen oder Gesundheitsproblemen, eine unzureichende Dokumentation von Verordnungen und der Umsetzung dieser Verordnungen sowie eine unzureichende fachliche Kommunikation zwischen den beteiligten Berufsgruppen.

Ob die Defizite durch die unzureichende Einbindung von Fachärzten bedingt sind und inwieweit sie sich negativ auf den Gesundheitszustand der Patienten auswirken, lasse sich anhand der Daten nicht erkennen, betonen die Autorinnen.

"Dieser Bericht zeigt einen Mangel an methodisch aussagekräftiger empirischer Evidenz für die Ableitung von Empfehlungen für die Organisation und Gestaltung der (fach-)ärztlichen Versorgung von Pflegeheimbewohnern in Deutschland", schreiben sie.

Berichtspflicht gefordert

Ihre Hoffnung, die Vielzahl der Modellprojekte könne helfen, die Lücke zu schließen, hat sich nicht erfüllt. "Es gibt viele Stellschrauben, die in den Projekten in Angriff genommen werden, aber man erfährt nicht, was dabei heraus kommt", sagt Lühmann.

Die Forscherinnen halten einen anderen Umgang mit Modellvorhaben für notwendig.

Sie plädieren unter anderem für eine Berichtspflicht bei Projekten, die mit öffentlichen Mitteln gefördert werden, für die Veröffentlichung von kohärenten und detaillierten Projektbeschreibungen, eine methodisch valide Evaluation für jedes Projekt.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Pflicht zur Veröffentlichung

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Kommentare
Monika Geissler

Kein Wunder

Was kann ich auch anderes erwarten, solange jeder in einem 4-Wochen-Kurs zur "Pflegehelfer/in" augebildet werden kann; vielleicht können einige davon noch nicht einmal Deutsch lesen bzw. schreiben.
Mona Geissler


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