Leitartikel

Der BMG-Krimi taugt kaum für einen Spionageroman

Schriftwechsel unter Ministerialen ausgespäht - was unter der Rubrik "Spionage" in Medien verkauft wird, ist eher ein Diebstahlsdelikt. Tatsächlich sind Politik und Lobby im Gesundheitswesen eh eng verwoben - und aufeinander angewiesen.

Von Helmut Laschet Veröffentlicht: 13.12.2012, 13:00 Uhr
Der BMG-Krimi taugt kaum für einen Spionageroman

Datenklau im BMG: Der Minister ist „stinksauer“.

© VRD / fotolia.com

Haben die Apotheker einen 007 auf das Bundesgesundheitsministerium angesetzt? Mit dem Auftrag, so frühzeitig wie möglich Gesetzes- und Verordnungspläne auszuspähen, um Strategien zu entwickeln, Gesetze im Interesse der Berufsgruppe zu beeinflussen?

Gewiss: Die Milliardenbeträge, die im Gesundheitswesen bewegt werden, setzen Phantasien frei. In Kombination mit der berufsbedingten Fähigkeit von Pharmazeuten, mit kleinsten Mengeneinheiten zu kalkulieren und zu hantieren, lässt sich dies auch auf ihre Kaufmannseigenschaften und ihre akribische Lobbyarbeit übertragen. Centbeträge bei Handelsspannen können millionenschwere Auswirkungen auf den gesamten Berufsstand haben.

Der Krimi, der sich in den letzten zwei oder drei Jahren im Dreieck zwischen dem Bundesgesundheitsministerium, einem externen Mitarbeiter eines IT-Dienstleisters und einem Apotheker-Lobbyisten abgespielt haben soll, taugt allerdings kaum zum Spionageroman, zur Verschwörungstheorie "Pharmakonglomerat gegen Gemeinwohl". Einstweilen ermittelt die Staatsanwaltschaft ganz banal wegen des Verdachts auf Diebstahl und Bestechung. Wobei sich nicht einmal ein Schaden definieren lässt ...

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