Tag der Organspende

Deutschland hält das Niveau bei Transplantationen

Die Intensivstationen haben das Transplantationsgeschehen während der Pandemie abgesichert. Die im vergangenen Jahr beschlossene Entscheidungslösung wird ab 2022 umgesetzt.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
(von rechts nach links): Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) äußert sich zusammen mit Bettina Lange, Vorsitzende der Selbsthilfegruppe „Niere“ Potsdam e.V., und Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), zum Tag der Organspende am 5. Juni.

(von rechts nach links): Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) äußert sich zusammen mit Bettina Lange, Vorsitzende der Selbsthilfegruppe „Niere“ Potsdam e.V., und Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), zum Tag der Organspende am 5. Juni.

© Bernd von Jutrczenka / dpa

Berlin. Trotz Pandemie sind die Transplantationszahlen in Deutschland stabil. In den ersten Trimestern 2020 und 2021 habe die Zahl der Organverpflanzungen mit jeweils rund 1000 auf dem Niveau des Vergleichszeitraums 2019 gelegen sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei einer am Donnerstag in Berlin unter Hinweis auf aktuelle Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO).

Der Minister verwies im Vorfeld des „Tages der Organspende“ am 5. Juni darauf, dass nach wie vor 9000 Menschen in Deutschland auf ein Spenderorgan warteten.

Das Coronavirus habe sich auch im Umfeld der Transplantationsmedizin gezeigt. Es habe eine Vielzahl an Infektionen in den Dialysezentren gegeben, berichtete der medizinische Vorstand der DSO Dr. Axel Rahmel. Wegen der Medikation mit Immunsuppressiva wirkten Impfungen bei Transplantierten „nicht so gut“.

Intensivversorgung sichert Transplantationen

Dass in Deutschland weiter auf vergleichsweise hohem Niveau transplantiert worden sei, liege daran, dass während der ersten Welle anders als zum Beispiel in Frankreich und Spanien die Intensivversorgung weitgehend habe aufrecht erhalten werden können, sagte Rahmel.

Üblicherweise zähle Deutschland im Eurotransplant-Verbund zu den „Nettoempfängern“, betonte der DSO-Vorstand, obwohl das Land aufgrund der Einwohnerzahl die Hälfte der Organe beisteuere. Wegen der massiven Einbrüche der Spenderzahlen anderenorts ändere sich das Verhältnis aktuell. In Belgien, Ungarn oder Kroatien zum Beispiel seien die Spendezahlen um bis zu 40 Prozent eingebrochen.

Zudem zahlten sich auch die 2018 eingeführten Verbesserungen in den Strukturen aus, ergänzte Spahn. Zum Beispiel würden nun Transplantationsbeauftragte in den Krankenhäusern von den Kassen finanziert. Die im vergangenen Jahr im Januar vom Bundestag fraktionsübergreifend beschlossene „Entscheidungslösung“ spiegele sich in den aktuellen Werten noch nicht wider, sagte Spahn, der in der Debatte im Vorfeld auf der anderen Seite gestanden hatte. Dafür sei es noch zu früh. Das Gesetz könne erst ab dem Frühjahr 2022 greifen.

Entscheidungslösung wird aktuell umgesetzt

Man müsse dem Entwurf einer Abgeordnetengruppe um die Grünen-Chefin Annalena Baerbock auf jeden Fall eine Chance geben, betonte Spahn. Mitte bis Ende der kommenden Legislaturperiode werde man nachschauen, ob das Gesetz einen Unterschied mache.

Es sieht unter anderem den Aufbau eines Online-Registers vor, in das sich jeder ab einem Alter von 16 Jahren ein- aber auch wieder austragen können soll. Hausärzte sollen ihre Patienten alle zwei Jahre zu Fragen der Organspende ergebnisoffen beraten. Die Organspende soll zudem auch beim Ausstellen von Ausweisdokumenten in den Bürgerämtern und in den Fahrschulen angesprochen werden.

„Das Gesetz muss jetzt umgesetzt werden“, fügte Rahmel hinzu. Nach wie vor bestehe bei der Dokumentation des Spendewillens „enorm viel Luft nach oben“.

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