Spahn betont

Diabetes-Gefahr wird zu oft unterschätzt

Sehr viele Bundesbürger schätzen ihr Diabetes-Erkrankungsrisiko falsch ein, mahnt Gesundheitsminister Spahn im Vorfeld des Weltdiabetestages. OECD-Gesundheitsdirektorin Colombo rät derweil zu einem Primärarztsystem.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 12.11.2019, 15:33 Uhr
Diabetes-Gefahr wird zu oft unterschätzt

Über sieben Millionen Bundesbürger haben Diabetes. Es gibt aber eine hohe Dunkelziffer.

© fovito / stock.adobe.com

Berlin. Zu größerem Engagement bei Prävention und Versorgung von Diabetes hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) aufgerufen. „Die Gefahr, an Diabetes zu erkranken, wird viel zu häufig unterschätzt“, sagte er am Dienstag in Berlin.

Nach dem Bericht zur Nationalen Diabetesüberwachung, den das Robert Koch-Institut (RKI) und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) am Dienstag vorgestellt haben, schätzen vier von fünf Befragten ihr Erkrankungsrisiko trotz eines auffälligen Testergebnis selbst als gering ein.

Diabetesstrategie lässt noch auf sich warten

Über sieben Millionen Menschen hierzulande leiden unter Diabetes, 9,2 Prozent der 18- bis 79-Jährigen. Die Deutsche Diabetes-Hilfe geht von einer Dunkelziffer von weiteren zwei Millionen aus.

Wegen der hohen Zahl von Menschen mit unerkanntem Typ-2-Diabetes sollten alle über 50-Jährigen bei einer stationären Aufnahme routinemäßig mit einem HbA1c-Test gescreent werden, forderte die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) anlässlich des Weltdiabetestags am 14. November.

„Wir müssen bei der Nationalen Diabetesstrategie endlich in die Pötte kommen“, mahnte der SPD-Gesundheitspolitiker Dirk Heidenblut an. Es müsse bei Früherkennung, Behandlung, Therapieunterstützung und Forschung noch mehr getan werden. Es sei beschämend, dass die Ernährungspolitiker der Union dieses wichtige Vorhaben blockierten.

OECD rät zu einem Primärarztsystem

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hatte sich Ende September nach langem Zögern der Einführung einer Lebensmittelampel geöffnet.

Ein „Nutri-Score“ sei vergleichsweise billig und zeitige gute Ergebnisse, kommentierte Francesca Colombo, die Leiterin der Gesundheitsabteilung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Interview mit der „Ärzte Zeitung“ im Vorfeld des Weltdiabetestags am 14. November diese Initiative.

Ihrer Meinung nach sollten die wirtschaftlich entwickelten Länder die Weichen Richtung eines Primärarztsystems stellen, um sich auf die wachsende Zahl chronisch kranker Menschen besser einstellen zu können.

Sicher sei, dass mit den sich verändernden Bedürfnissen sich auch die Gesundheitsversorgung verändern müsse, betonte Colombo. Das gelte für viele entwickelte Länder. Tatsächlich gehe die Zahl der Hausärzte in den meisten Ländern zurück.

Hohe Kosten durch Übergewicht und Adipositas

„In den alternden Bevölkerungen kommt es zunehmend zu chronischen Erkrankungen“, sagte Colombo. „Man braucht also eigentlich Ärzte und Angehörige von medizinischen Berufen, die darauf eingestellt sind, multimorbide Patienten zu behandeln.“ Sie betonte die Bedeutung der Prävention von Übergewicht und Adipositas.

Im deutschen Gesundheitssystem ließen sich rund 35 Milliarden Euro im Jahr an Kosten diesen beiden Diagnosen zuordnen. Noch stärker ins Gewicht fallen Verluste beim Bruttoinlandsprodukt in Höhe von drei Prozent im Jahr. Der Grund: Adipöse Kinder und Jugendliche verpassten Bildungschancen und seien in ihrer beruflichen Karriere weniger produktiv.

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