Geberkonferenz

Die Welt vereint gegen das Coronavirus

Die EU sammelt bei den Staatschefs rund um den Globus knapp 7,5 Milliarden Euro für die Forschung ein – Test-Sets, Medikamente und Impfstoffe sollen damit mit Hochdruck entwickelt werden.

Von Detlef Drewes Veröffentlicht: 04.05.2020, 18:51 Uhr
Die Welt vereint gegen das Coronavirus

Gemeinsam die Forschung zu SARS-CoV-2 und COVID-19-Medikamenten voranbringen. Dazu werden schätzungsweise 40 Milliarden Euro gebraucht.

© PhotoGranary / stock.adobe.com

Brüssel. Gebraucht werden 40 Milliarden Euro. Am Montag sammelte EU-Kommissionpräsidentin Ursula von der Leyen schon mal gut sieben Milliarden Euro von den Staaten der Welt ein sowie zusätzliche Kreditzusagen von weit über einer Billion Euro.

Der Kampf gegen das Coronavirus schweißt die Welt zusammen. „Wir müssen einen Impfstoff entwickeln, ihn herstellen und zu einem bezahlbaren Preis sofort in jeder Ecke der Welt verfügbar machen. Eine solche Aufgabe gab es noch nie.“ Mit diesen Worten hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Montagnachmittag eine globale Show eröffnet, die es so wohl noch nie gegeben hat.

Forschung an 70 möglichen Impf- und 140 Wirkstoffen

Im öffentlich zugänglichen EU-Fernsehsender EbS präsentierte sich die CDU-Politikerin wie eine Moderatorin vor einer Tagesschau-Weltkarte. Am unteren Bildschirm wurden – untermalt von musikalischen Jingles – die zugesagten Spenden aus den Staaten zusammengezählt. Und kaum jemand ließ sich lumpen: Kanada sagte 820 Millionen Euro zu, Frankreich gab 500 Millionen, Deutschland 525 Millionen Euro.

„Coronavirus – die globale Antwort“ hieß die Auftaktveranstaltung dieser Geberkonferenz, bei der Geld für die Entwicklung und Herstellung von Tests, Medikamenten und Impfstoffe gesammelt wurde. Weltweit wird nach Angaben der EU-Kommission an mehr als 70 möglichen Impfstoffen geforscht.

Über 40 Entwickler haben sich bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) gemeldet. Der Pharmaverband IFPMA spricht sogar von 140 Wirkstoffen, die derzeit getestet würden. Darunter seien 77 Medikamente, die für andere Krankheiten entwickelt wurden, 68 seien neu.

Die Mehrheit der Forscher rechnet damit, dass wegen langwieriger Studien und Zulassungsverfahren ein Präparat erst im kommenden Jahr zur Verfügung steht.

Eine „von der Leyen-World-Show

Aber auch wenn es letztlich um Impfungen, Arzneimittel und Test-Sets ging, standen die an diesem Nachmittag fast im Hintergrund. In seltener Einigkeit wurde die von der Leyens World-Show zu einem Konzert der Einigkeit und globalen Solidarität, bei dem nur einer besonders fehlte: US-Präsident Donald Trump. Er setzt lieber auf die eigenen Initiativen und Firmen. Für alle anderen aber schien klar: „Wir können das Virus nicht alleine besiegen“, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die 525 Millionen Euro in den neuen Fonds legte – zusätzlich gab es weitere 1,3 Milliarden Euro zur Stützung der weltweiten Gesundheitssysteme.

Drei Stunden lang reihten sich die Staats- und Regierungschefs großer und kleiner Staaten aneinander: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte Zugang zu den Impfstoffen „für alle und jeden auf diesem Planeten“. Der japanische Premierminister Shinzo Abe sah die „Menschheit vereint in dieser Schlacht“ (gegen das Virus, d. Red.) und rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, im nächsten Jahr zu den Olympischen Spielen nach Tokio zu kommen und dort „den Sieg über die Pandemie“ zu feiern.

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau sagte, „wir können uns nur um uns selbst kümmern, wenn wir uns um die ganze Welt kümmern“. Der britische Regierungschef Boris Johnson, der selbst mit dem Coronavirus infiziert war, legte einen nach dem Brexit ungewohnt deutlichen Appell für die weltweite Solidarität vor. Recep Tayyip Erdogan (Türkei) war ebenso beteiligt wie Fürst Albert II. von Monaco und Südafrikas Präsident Cyril Matamera Ramaphosa sowie der jordanische König Abdullah II. Und jeder brachte ein paar Millionen mit.

Investitionen seit 30. Januar 2020 zählen mit

Doch nicht alles ist frisches Kapital. Um nicht bei Null anfangen zu müssen, hatte die EU-Kommission angekündigt, dass Investitionen auch rückwirkend ab dem 30. Januar 2020 mitgezählt werden durften: An dem Tag erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Pandemie zur internationalen Notlage.

Die Summe, die am Ende unterm Strich stand, ist zwar ein wichtiger, aber auch nur kleiner Teil der internationalen Bemühungen. Afrikanische Staatsoberhäupter und Minister brachten am Montag zwar kein Geld mit, verwiesen jedoch auf ihre bilateralen Hilfen für die in Not geratene Nachbarschaft. Die großen internationalen Organisationen, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Weltbank, die internationale Impf-Allianz Gavi, die das Ehepaar Melinda und Bill Gates gegründet haben, betreuen eigene millionenschwere Programme. Die Ehefrau des Microsoft-Gründers sagte gestern trotzdem 92 Millionen Euro für das von der EU angestoßene Programm zu.

Während die Forscher nun arbeiten und entwickeln, werden sich die Politiker schon bald zu einer neuen Initiative per Video zusammenschalten: Am 4. Juni findet die von der britischen Regierung geleitete Welt-Impf-Konferenz statt. Und auch da geht es vorrangig um das Virus, das die Welt befallen hat, aber vielleicht auch ein Stück vereinen könnte.

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