Direkt zum Inhaltsbereich

Kommentar zur Geberkonferenz

Milliarden für globalen Impf-Aktionsplan

Startschuss zu einem Spenden-Marathon. Um möglichst schnell einen wirksamen COVID-19-Impfstoff zu bekommen, sollen Milliarden Euro gesammelt werden

Wolfgang van den BerghVon Wolfgang van den Bergh Veröffentlicht:

Milliarden Euro müssen gesammelt werden, um das gemeinsame Ziel zu erreichen, möglichst schnell einen zuverlässigen und sicheren Impfstoff zur Bekämpfung des SARS-CoV-2-Virus zu bekommen. Dieser Impfstoff soll weltweit eingesetzt werden – und das zu erschwinglichen Preisen. Eine auf Initiative von EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen heute einberufene Geberkonferenz hat sich diesem Ziel verpflichtet und braucht 7,5 Milliarden Euro. Startschuss zu einem Spenden-Marathon. Es geht um Diagnostik, Behandlung und Impfstoffe, schreibt die Kommission. Doch in Wirklichkeit geht es um viel mehr: um Translation in der Wissenschaft, um den weltweit gleichberechtigten Zugang zu Innovationen, um einen globalen und fairen Aktionsplan.

Unterdessen laufen weltweit die Forschungsanstrengungen auf Hochtouren, um einen Impfstoff zu entwickeln. Verständlicherweise rückt dabei die Frage nach der Verfügbarkeit immer wieder in den Mittelpunkt. Leider geraten dabei die wichtigen und zugleich hoffnungsvollen Erkenntnisse in den Hintergrund, etwa, dass man weiß, um welches Antigen es sich handelt und dass dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) aus der ersten klinischen Studie, die vor eineinhalb Wochen in Deutschland gestartet worden ist, keine Auffälligkeiten gemeldet worden sind. Drei weitere klinische Prüfungen stehen zumindest in Deutschland noch in diesem Jahr in Aussicht. Darüber informierte heute Professor Klaus Cichutek, Präsident des PEI, der zugleich auf die wichtige Bildung von Konsortien setzt und dabei die internationale Zusammenarbeit betont – ein wichtiger Schritt, um das hochgesteckte Ziel, eine globale Lösung zu finden, tatsächlich zu erreichen.

Alles ist gut und damit auf einem richtigen Weg? Offenbar nicht. Denn schon melden sich diejenigen zu Wort, die befürchten, dass „guter Wille und bloße Bereitstellung von Milliardensummen“ nicht ausreichen, schreibt „Ärzte ohne Grenzen“. Sie fordern eine Garantie, dass sich am Ende „nicht doch wieder derjenige mit dem größten Geldbeutel einen privilegierten Zugang zu Medikamenten, Impfstoffen und Tests sichert“. Ja, richtig. Doch eine Garantie kann es dafür nicht geben.

Weil die Alternative auch so aussehen kann, wie sie seit Wochen vom US-amerikanischen Präsidenten favorisiert wird, den Fokus bei der Erforschung auf das eigene Land zu richten oder dort Know-how einzukaufen, wo es primär den nationalen Interessen dienlich ist. Recht frisch sind die Erinnerungen an Berichte, wonach der Präsident versucht haben soll, deutsche Forscher in Tübingen aktiv für die Impfstoffforschung abzuwerben.

„Egoistische Interessen von Staaten oder Gewinnerwartungen von Firmen dürfen nicht über das Leben von Menschen gestellt werden“, heißt es in einem offenen Brief an Kanzlerin Angela Merkel, der von einem breiten Bündnis von NGO unterzeichnet worden ist. Dazu gehören neben „Ärzte ohne Grenzen“, „Misereor“, der „Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte“, „Brot für die Welt“, „Medico International“ und viele weitere Institutionen.

Dieser Verantwortung wird man sich bewusst sein, weil sie das Fundament dieser globalen Initiative ist, die nicht nur von den G-20-Staaten, sondern auch von der WHO unterstützt wird. Ebenso wie für die übrigen Unterstützer - von der „Bill and Melinda Gates Foundation“ über die „Globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierung (GAVI) bis hin zur Weltbank. Eine wichtige und vielversprechende Initiative, die, wenn sie zum Erfolg führt, ein durchaus nachhaltiges Muster für den gleichberechtigten Zugang zu Innovationen auch in Zeiten nach Corona haben könnte.

Schreiben Sie dem Autor: vdb@springer.com

Lesen sie auch
Lesen sie auch
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
An der Frankfurt School of Finance & Management im Norden der Mainmetropole wird auch in diesem Jahr der Tag der Privatmedizin 2026 ausgerichtet. Die Veranstaltung ist für den 21. November angesetzt. (Archivbild)

© Frankfurt School of Finance & Management

Update

Praxiswissen und Innovation

Privatmedizin: Anregungen für die Praxis in Frankfurt am 21. November

Logo Cardisio

© Cardisio

Cardisio

Cardisiographie mit LVEF-Erkennung

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Abb. 1: Zeitaufwand pro Verabreichung von Natalizumab s.c. bzw. i.v.

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [9]

Familienplanung und Impfen bei Multipler Sklerose

Sondersituationen in der MS-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Biogen GmbH, München
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

AMD-Prävention

Altersabhängige Makuladegeneration: Leitlinie gibt Empfehlungen zum Screening

Meist Adenokarzinome

Tipps zur Früherkennung: Warnzeichen für Pankreaskrebs erkennen

Lesetipps
Eine Frau zieht einen Kompressionsstrumpf auf ihr rechtes Bein.

© Itana / Stock.adobe.com

Leitlinien-Update

Welcher Kompressionsstrumpf ist der richtige?