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Ersatzkassen forschen nach 570 000 Impfstoff-Ampullen

In Niedersachsen will der Ersatzkassenverband von der KV Auskunft, was mit Impfstoffen für rund zehn Millionen Euro geschehen ist, die zwar gekauft, aber nie verimpft wurden. Die KV vermutet, der vdek will Regresse erheben.

Christian BenekerVon Christian Beneker Veröffentlicht:
Bestellt, bezahlt - aber verimpft? In Niedersachsen sind Impfstoffdosen - vor allem gegen saisonale Grippe - zum Streitthema geworden. © muellek

Bestellt, bezahlt - aber verimpft? In Niedersachsen sind Impfstoffdosen - vor allem gegen saisonale Grippe - zum Streitthema geworden. © muellek

© muellek

HANNOVER. Wollen die Kassen Impfstoff-Regresse? Nach Angaben des Ersatzkassenverbands vdek in Niedersachsen werden Impfstoff-Ampullen für jährlich rund zehn Millionen Euro im Land gekauft, aber nicht verimpft. "Die Kassen haben im Jahr 2008 für rund 570 000 Ampullen bezahlt, die in den späteren Abrechnungen für Impfleistungen nicht mehr aufgetaucht sind", sagte Hanno Kummer, Sprecher des vdek Niedersachsen, der "Ärzte Zeitung". Das seien 15 Prozent aller Ampullen. Im Jahr 2005 habe der entstandene Schaden noch bei der Hälfte gelegen.

Betroffen sind vor allem Impfstoffe gegen die saisonale Grippe. Der vdek fordert von der KV Niedersachsen Maßnahmen, "um zu erfahren, ob es sich um ein flächendeckendes Phänomen handelt oder ob sich die Diskrepanz von bestellten und verkauften Ampullen auf wenige Praxen verteilt", so Kummer. Der Impfstoff wird als Sprechstundenbedarf von den Apotheken gekauft und der Gesamtpreis auf alle Kassen umgelegt.

"Wir wollen niemanden verdächtigen, aber Ärzte könnten Impfungen als Service für Privatpatienten vorgenommen haben", sagte Kummer, "da wir keine Transparenz haben, wissen wir das aber nicht." Die KV Niedersachsen hätte längst für Transparenz sorgen müssen, hieß es.

Detlef Haffke, Sprecher der KVN, wies die Vorwürfe zurück. "Es gibt keine übermäßige, sondern eine bedarfsgerechte Bestellung von Impfstoff", sagte Haffke zur "Ärzte Zeitung", "wir können die Zahlen des vdek nicht nachvollziehen und kommen nur auf neun Prozent Fehlquote. Das ist ganz gut für eine Schätzung." Die Impfstoffmenge wird alljährlich von den Herstellern bei den Ärzten abgefragt, die dann Mengenschätzungen abgeben. Im Übrigen habe es mehrere Gespräche zwischen Kassen und KV zum Thema gegeben. "Unsere Lösungsvorschläge, wie etwa eine Clearingstelle, die zentral die Impfstoffe bestellt, wollte der vdek nicht", sagte Haffke.

Unklar ist, ob die Kassen Regresse für nicht verimpfte Ampullen erheben wollen. Hanno Kummer verneint das. Haffke dagegen sagt: "Der vdek wollte immer Regresse fordern."

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