Bei Nacht und Notfall

Erste Adresse ist die Klinik

Die KBV-Versichertenbefragung zeigt: In der Nacht und am Wochenende übernehmen Kliniken die Versorgung. Die Ergebnisse stoßen auf gemischte Reaktionen.

Von Helmut LaschetHelmut Laschet Veröffentlicht:

BERLIN. Die medizinische Versorgung zur Unzeit – bei Nacht oder am Wochenende – sowie bei Notfällen wird zu drei Vierteln von der teuersten Leistungsstruktur im Gesundheitswesen sichergestellt: durch Krankenhaus-Ambulanzen (46 Prozent) und durch Notärzte sowie Rettungsdienste (24 Prozent). Nur 20 Prozent der Deutschen nutzen den von den KVen organisierten ärztlichen Bereitschaftsdienst, nur noch drei Prozent direkt ihren Hausarzt. Das ist eines der Ergebnisse der KBV-Versichertenbefragung 2017. Danach hat sich der Trend in die Klinikambulanz im Vergleich zu 2015 abermals verstärkt.

"Die Abstimmung mit den Füßen – weg vom Bereitschaftsdienst und hin in die Kliniken – muss zu denken geben", kommentiert Dr. Klaus Reinhardt, Vorsitzender des Hartmannbundes, den Trend. Technische Lösungen wie eine Notfall-App seien nur eine Seite der Medaille. Entscheidend sei die Vernetzung vorhandener Strukturen. Ärztlicher Bereitschaftsdienst und Krankenhäuser müssten künftig "deutlich besser zusammenarbeiten", so Ulrich Weigeldt, Vorsitzender des Hausärzteverbandes.

Während jüngere Patienten bis 30 Jahre zu 60 Prozent eine Ambulanz aufsuchen und nur 14 Prozent den Notarzt oder Rettungsdienst rufen, bemühen Senioren über 70 zu 36 Prozent Rettungsdienst oder Notarzt; nur 31 Prozent suchen direkt die Klinikambulanz auf. Ursache für die geringe Nutzung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes könnte sein, dass die Rufnummer 116.117 weitgehend unbekannt ist. Zwar glaubt ein Drittel, sie zu kennen – tatsächlich nennen können sie 29 Prozent von diesem Drittel. Das ist nur jeder zehnte Deutsche. Aber der Bekanntheitsgrad wächst.

Die Hälfte der Patienten hat keine Wartezeiten

Erneut zeigt die Umfrage, dass es bei den Wartezeiten kaum noch Unterschiede zwischen Kassen- und Privatpatienten gibt. 27 Prozent der GKV-Versicherten berichten, keine Wartezeiten zu haben, bei PKV-Versicherten sind es 30 Prozent. Bei aktuellen Gesundheitsproblem haben 54 Prozent aller Versicherten keine Wartezeiten, 28 Prozent müssen über drei Tage warten. Bei chronischen Krankheiten berichten 47 Prozent, dass sie länger als drei Tage warten müssen. Am längsten ist die Wartezeit bei Früherkennung und Impfungen.

Hartmannbund-Chef Reinhardt sagt dazu: "Der Blick auf das Thema Wartezeiten entlarvt den Vorwurf, privat versicherte Patienten würden Kassenpatienten vorgezogen, als Schimäre." Dr. Dirk Heinrich, Vorsitzender des Spitzenverbandes der Fachärzte (SpiFa): "Ärzte unterscheiden nicht zwischen PKV-und GKV-Patienten, und bei der Anmeldung in der Praxis existiert der Unterschied auch nicht." Ähnlich äußert sich der PKV-Verband: "Die KBV-Umfrage zeigt, dass wir kein Gerechtigkeitsproblem bei den Wartezeiten haben. Deutschland ist für alle Versicherten Weltmeister in kurzen Wartezeiten."

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