Strategiewechsel

Experte denkt Qualitätssicherung neu

Vermeidbare Todesfälle im Krankenhaus, nosokomiale Infektionen, unerwünschte Ereignisse im Arzneimittelbereich, Abschottung der Sektoren: Ein Gutachten plädiert für einen Paradigmenwechsel in der Qualitätssicherung.

Veröffentlicht:
Eine Krankenschwester sortiert Operationsbesteck. Der ehemalige Gesundheitsweise, Professor Matthias Schrappe, plädiert für eine Qualitätssicherung auch bei der stationären Behandlung von Volkskrankheiten.

Eine Krankenschwester sortiert Operationsbesteck. Der ehemalige Gesundheitsweise, Professor Matthias Schrappe, plädiert für eine Qualitätssicherung auch bei der stationären Behandlung von Volkskrankheiten.

© picsfive / fotolia.com

BERLIN. Eine umfassende Qualitätsstrategie für das Gesundheitssystem schlägt der ehemalige Gesundheitsweise Professor Matthias Schrappe vor. Hier sei der Gesetzgeber gefragt. In den kommenden Jahren müsse sich der Fokus der Qualitätsanstrengungen von der operativen, prozeduralen Sichtweise lösen.

Stattdessen sollten die chronischen Mehrfacherkrankungen einer alternden Bevölkerung stärker berücksichtigt werden. Bis 2030 sollten ein Viertel der ambulanten und stationären Vergütungen qualitätsbezogen und nicht an Mengen orientiert verteilt werden.

Es sei nicht davon auszugehen, dass Pay for Performance die dominierenden ökonomischen Vergütungsanreize des DRG-Systems ohne weiteres neutralisieren würde, heißt es in dem Gutachten "Qualität 2030 - Die umfassende Strategie für das Gesundheitswesen", das Schrappe für den Verein Gesundheitsstadt Berlin verfasst hat.

Ein Weiter so mit den bisherigen Qualitätskonzepten sei zehn Jahre nach der Einführung der DRG äußerst fraglich geworden. Beispiel: Externe stationäre Qualitätssicherung.

"Die Qualitätssicherung im stationären Sektor blendet die chronischen Krankheiten vollkommen aus", betonte der ehemalige Gesundheitsweise bei der Vorstellung des Gutachtens am Donnerstag in Berlin. Dafür seien keine Indikatoren in Bearbeitung. Zudem gebe es keinen Präventionsbezug in der Qualitätssicherung.

Regionale Gesundheitsplanung

Die Allokation von Gesundheitsdienstleistungen treibt Schrappe besonders um. Hier solle ein Wechsel von der Krankenhausplanung zur regionalen Gesundheitsplanung erfolgen. Rund 30 Prozent der Bettenkapazitäten seien überflüssig.

Hohe Priorität solle die Entwicklung von Indikatoren genießen, die die Qualität der regionalen Versorgung beschreiben könnten, einschließlich des Zusammenspiels von niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern und weiteren Akteuren.

Die Länder bräuchten zudem eine Handhabe, um Kliniken schließen zu können. Dafür müsse der Gesetzgeber die Mindestmengen scharf stellen. Ein Drittel der Defizite im stationären Sektor könne auf die Nichteinhaltung der Mindestmengen zurückgeführt werden, sagte Schrappe.

"Die eigentliche Herausforderung für jedes Gesundheitssystem der Welt sei die Verbesserung von Qualität und Patientensicherheit", sagte der Vorstandsvorsitzende von Gesundheitsstadt Berlin, Ulf Fink (CDU), ehemaliger Gesundheitssenator von Berlin. (af)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums v.l.n.r.: Professor Karl Broich (BfArM), Dr. Jürgen Malzahn (AOK-Bundesverband), Dr. Christine Mundlos (ACHSE e.V.), Hauke Gerlof (Ärzte Zeitung), Dr. Johanna Callhoff (DRFZ), Professor Christoph Schöbel (Ruhrlandklinik, Universitätsmedizin Essen), Privatdozent Dr. Christoph Kowalski (Deutsche Krebsgesellschaft), Dr. Peter Kaskel (Idorsia)

© Thomas Kierok

ICD-11: Die Zeit ist reif für die Implementierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Idorsia Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Bei erfolgreich therapierter Sialorrhö ist Teilhabe wieder leichter möglich

© Olesia Bilkei / stock.adobe.com [Symbolbild]

Glycopyrroniumbromid bei schwerer Sialorrhö

Wirtschaftliche Verordnung durch bundesweite Praxisbesonderheit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Proveca GmbH, Düsseldorf
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Asthma, COPD und Co.

Acht Fehler bei der Inhalationstherapie – und wie es richtig geht

Nach Katheterablation

Kontrolle von Risikofaktoren schützt vor Vorhofflimmern-Rezidiven

Lesetipps
Eine Blutprobe zur Bestimmung von vier kardiovakulären Schlüsselmarkern.

© Henrik Dolle / stock.adobe.com

Verdacht auf Myokardinfarkt

Wenn erhöhte Troponine täuschen und es kein Herzinfarkt ist

Ein Mann fasst sich mit der Hand ans Herz. Eine andere Person hält eine Tablette in die Kamera.

© kooshevoy / Fotolia

Herzinsuffizienz

HFrEF-Therapie: Was bringen Digitoxin und Vericiguat?

Eine Reihe von Sportutensilien (Fußball, Tennisschläger, Springsseil, etc.) in einer Sporttasche, die auf dem Boden steht.

© Pixel-Shot / stock.adobe.com

US-Analyse

Was Bewegung bei diesen sieben Krebsarten bringt