Krankenhaushygiene

Experten raten zu Steuerung des Corona-Infektionsgeschehens

Voller Schutz für Gesundheitseinrichtungen und -personal sowie vulnerable Personengruppen. Krankenhaushygieniker relativieren die Kontaktsperre.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 24.03.2020, 16:21 Uhr
Krankenhaushygieniker fordern, Mitarbeiter im Gesundheitswesen sollen konsequent Mundschutz tragen.

Krankenhaushygieniker fordern, Mitarbeiter im Gesundheitswesen sollen konsequent Mundschutz tragen.

© dkHDvideo - stock.adobe.com

Berlin. Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) haben am Dienstag eine stärkere Fokussierung der Schutzmaßnahmen auf Gesundheitseinrichtungen und vulnerable Personengruppen angemahnt. Das derzeit praktizierte „social distancing“, die am Wochenende verhängte Kontaktsperre, werde sich als effektiv erweisen, funktioniere aber nur in der Öffentlichkeit draußen, sagte DGKH-Präsident Professor Martin Exner am Dienstag in einer Internet-Pressekonferenz.

Die „Brandherde der Ausbreitung“ des neuen Coronavirus SARS-CoV-2 fänden sich dagegen in geschlossenen Räumen oder bei Großveranstaltungen. Beispiele seien die Ausbrüche in Altenheimen in Würzburg und Washington sowie das Europa-Cup-Spiel Bergamo gegen Valencia.

Bei Infektion ins „Quarantänehotel“

Die Anordnung, Menschen mit Verdacht auf oder tatsächlich manifester Infektion in häusliche Quarantäne zu schicken, berge Gefahren. Es müsse zuvor geschaut werden, wer sich dort noch aufhalte. Ansonsten bringe man im Haushalt lebende ältere Menschen in Lebensgefahr. Deshalb sollten die Behörden auf Quarantäneanordnungen in privaten Räumen gegebenenfalls verzichten und stattdessen „Quarantänehotels“ organisieren.

Untersuchungen zum Ausbruchsgeschehen in China und Südkorea belegten sehr gut eine Altersabhängigkeit der Mortalität in Folge einer Infektion mit dem neuen Coronavirus. Es sei kein Sterbefall im Alter unter 30 bekannt, sagte DGKH-Vorstand Dr. Peter Walger.

Besonders betroffen seien die Altersgruppen jenseits des 80. Lebensjahres. Auf ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und Lungenerkrankungen sowie Raucher solle daher besonderes Augenmerk gerichtet werden.

Keine Sorgen müsse man sich um Kinder und Jugendliche machen. Die Wiedereröffnung von Kindergärten und Schulen werde nicht zu mehr schweren und tödlichen Infektionen führen, wenn die Kinder konsequent mit Abstand zu den Großeltern und anderen gefährdeten Personen lebten.

Infektionsgeschehen organisieren

Wann die Maßnahmen zur Einschränkung sozialer Kontakte zurückgefahren werden könnten, hänge vom Aufbau der Herdenimmunität ab, betonten die Krankenhaushygieniker. Da man die Herdenimmunität im Moment nicht künstlich über Impfen aufbauen könne, müsse man den Ablauf des natürlichen Infektionsgeschehens organisieren.

„Nicht die Infektion an sich gilt es zu verhindern, sondern den Schweregrad der Verläufe“, sagte Exner. Der „maximale Schutz“ von Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen sowie vulnerabler Personengruppen sei Voraussetzung dafür. Die große Unbekannte in der Rechnung sei, dass man die tatsächliche Zahl der Infizierten gar nicht kenne.

Die Krankenhaushygieniker raten zu Besuchssperren und Zugangskontrollen in Alten- und Pflegeheimen sowie dazu, das Personal konsequent Mundschutz tragen zu lassen, auch die Reinigungskräfte. Zudem solle das Essen nicht in Gemeinschaftsräumen, sondern auf den Zimmern serviert werden. In den Einrichtungen arbeiten sollten zudem nur negativ getestete Personen. Exner und Walger räumten ein, dass dies voraussichtlich erst möglich werde, wenn die Testkapazitäten ausreichten.

Mehr ÖPNV kann helfen

Unter derart kontrollierten Bedingungen seien auch ambulante Eingriffe in Arzt- und Zahnarztpraxen möglich. Einfacher Mundschutz reiche dann aber nicht aus.

Die Kommunen könnten zum Schutz der Mitarbeiter in Gesundheitseinrichtungen und älterer Menschen beitragen, indem sie die Frequenz des Öffentlichen Personennahverkehrs nicht herabsetzten, sondern stattdessen mehr Verkehr auf Straße und Schienen brächten. Dann müssten sich die Menschen in den Fahrzeugen nicht zu nahe kommen.

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