Stationäre Versorgung

Fallpauschalen zu wenig für Klinikfinanzierung

Gäbe es weitere Geldströme für Krankenhäuser könnten auch die Konsile untereinander finanziert werden, meint Gesundheitsminister Laumann.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Nicht nur DRG, auch Vorhaltekosten sollten stärker bei der Finanzierung der Krankenhäuser berücksichtigt werden, sagen Experten.Stefan Germer / stock.adobe.com

Nicht nur DRG, auch Vorhaltekosten sollten stärker bei der Finanzierung der Krankenhäuser berücksichtigt werden, sagen Experten.Stefan Germer / stock.adobe.com

© Stefan Germer / Fotolia

Düsseldorf. Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sieht Handlungsbedarf bei der Krankenhausfinanzierung. Neben den diagnosebezogenen Fallpauschalen (DRG) müssten auch die Vorhalteleistungen der Kliniken angemessen abgebildet werden, sagte er auf dem virtuellen Medica Econ Forum der Techniker Krankenkasse (TK). Zudem müsse gesetzlich geregelt werden, dass die Krankenkassen Konsile zwischen Krankenhäusern finanzieren können.

Wegen der Corona-Pandemie ist der Start des Virtuellen Krankenhauses in Nordrhein-Westfalen vorgezogen worden. Die Universitätskliniken Aachen und Münster stellen mit telemedizinischer Unterstützung anderen Häusern ihre Expertise bei der Behandlung von Patienten mit einer schweren COVID-19-Erkrankung zur Verfügung. „Wir konnten damit 1000 Verlegungen verhindern“, berichtete Laumann. Das Virtuelle Krankenhaus soll nach und nach um weitere Indikationen erweitert werden. Laumann ist besonders wichtig, dass es im Bereich der seltenen Erkrankungen bald losgeht.

Gesetzliche Grundlage fehlt bislang

Für die Finanzierung der konsiliarischen Tätigkeit der Unikliniken fehle bislang die gesetzliche Grundlage, bemängelte der Minister. Zurzeit erfolge die Vergütung mit Steuermitteln des Landes und dem guten Willen der Krankenkassen. „Wir brauchen eine gesetzliche Regelung, dass Beratungen von Krankenhaus zu Krankenhaus finanziert werden können.“ Bislang tue sich das Bundesgesundheitsministerium damit noch schwer, berichtete er. „Da müssen wir ein bisschen schubsen.“ Das Ziel müsse sein, die neue Struktur in die Regelversorgung zu bekommen, sagte Laumann.

Eine Regelung für die Finanzierung im stationären Sektor sei sinnvoll, aber nur der erste Schritt, sagte TK-Vorstandsvize Thomas Ballast. „In einem nächsten Schritt muss auch der ambulante Bereich einbezogen werden.“ Er hält eine grundsätzliche Diskussion über die Vergütungsstrukturen und -anreize im Krankenhaus für notwendig. Ballast verwies auf das Gutachten, das der Gesundheitssachverständige Jonas Schreyögg von der Universität Hamburg für die TK erstellt hatte. Danach sollten die Vorhaltekosten bei der Krankenhausfinanzierung stärker berücksichtigt werden. Aus der Finanzierung von Vorhaltekosten für bedarfsnotwendige Krankenhäuser könnten dann auch Leistungen wie die Konsile vergütet werden, sagte der TK-Vize.

Diskussion über Klinikfinanzierung entwickelt sich weiter

Es sei ein großer Fortschritt, dass inzwischen kritisch über die DRG geredet werden könne, findet Laumann. „Vor zwei, drei Jahren war das ja die heilige Monstranz des Gesundheitswesens.“ Neben den Fallpauschalen müsse es in der Klinikfinanzierung weitere Geldströme geben. „Es wäre gut, wenn wir gemeinsam mit den Krankenkassen und den Krankenhäusern einen Systemwechsel oder eine Ergänzung des Systems hinkriegen.“

Neue Vergütungsströme werden es nach Einschätzung von Laumann ermöglichen, bestimmte Leistungen stärker bei einzelnen Kliniken mit Expertise zu bündeln und die Zusammenarbeit der Häuser zu fördern. „Wir müssen die Krankenhauslandschaft ordnen.“ Die Pandemie habe gezeigt, dass die stationäre Versorgung nicht „auf Kante genäht“ sein darf.

„Der Schlüssel wird in der Definition von Versorgungsaufträgen an bestimmten Standorten liegen“, sagte Ballast. Über die Definition müssten Länder und Krankenkassen reden. Er erwartet, dass an bestimmten Stellen ein Herunterfahren der Kapazitäten notwendig wird. „Wir wollen das Personal nicht auf zu viele Einheiten verteilen, sondern es da konzentrieren, wo wir es wirklich brauchen.“

Mehr zum Thema

Digitale Gesundheitsanwendungen

DiGA oder doch lieber App?

Das könnte Sie auch interessieren
Verschiedene Gesichter

© Robert Kneschke / stock.adobe.com / generated with AI

Seltene Erkrankungen

GestaltMatcher – Per Gesichtsanalyse zur Orphan Disease-Diagnose

Künstliche Intelligenz gilt auch in der Medizin als Schlüsseltechnologie, mit deren Hilfe zum Beispiel onkologische Erkrankungen stärker personalisiert adressiert werden könnten.

© Kanisorn / stock.adobe.com

EFI-Jahresgutachten 2024 übergeben

KI: Harter Wettbewerb auch in der Medizin

Innovationsforum für privatärztliche Medizin

Tag der Privatmedizin 2023

Innovationsforum für privatärztliche Medizin

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Neues Berufsbild

Bürger als Assistenten: Hausarzt entwickelt Idee der DIHVA

Digitale Gesundheitsanwendungen

DiGA oder doch lieber App?

Nachweis von pTau-217

Alzheimer-Diagnostik: Neuer Bluttest offenbar so gut wie Liquortests

Lesetipps
Es gibt tierexperimentelle Studien, wonach Mikroplastik entzündungsverstärkend wirkt, wenn durch ein zusätzliches Agens die Tight junctions zwischen Darmzellen zerstört sind. Wenn also zu einer hohen Mikroplastik-Konzentration zusätzlich pathogene Faktoren hinzukommen, könnte dies entzündungsfördernd wirken, etwa bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

© Rochu_2008 / stock.adobe.com

Forschung

Beeinflusst Mikroplastik chronische Erkrankungen?

Charlotte Kleen

© Babett Ehrt/ Lichtbildwerkstatt

Porträt

Wie Charlotte Kleen Medizin in ihrer ganzen Breite kennenlernt