Gesundheitsämter

Fehlendes Personal erschwert Kontaktverfolgung

Die Personalausstattung in Gesundheitsämtern ist in vielen Bundesländern defizitär. In der Corona-Pandemie kann das fatal sein.

Veröffentlicht: 14.05.2020, 13:06 Uhr
Fehlendes Personal erschwert Kontaktverfolgung

In vielen Gesundheitsämtern mangelt es laut einer Umfrage an Mitarbeitern zur Kontaktpersonenverfolgung.

© Britta Pedersen/dpa

Berlin. Die personelle Ausstattung vieler Gesundheitsämter bleibt hinter den Anforderungen in der Corona-Pandemie zurück. Das erschwert ihre Aufgabe, Kontaktpersonen von COVID-19-Patienten nachzuverfolgen. Das geht aus einer Umfrage von NDR und WDR hervor. Dafür waren bundesweit 380 Gesundheitsämter angeschrieben worden, von denen 178 geantwortet haben.

Den Angaben nach stehen in 119 Stadt- und Landkreisen (67 Prozent) nicht so viele Mitarbeiter zur Verfügung, wie es der Beschluss von Bund und Ländern vom 25. März vorsieht. Demnach soll jeder Landkreis pro 20.000 Einwohner ein aus fünf Mitarbeitern bestehendes Team bilden, um Kontaktpersonen nachzuverfolgen.

Weiterhin gaben nur 21 Landkreise an, sie würden alle Personen der Kategorie 1 (die direkten Kontakt mit Infizierten hatten) testen lassen. Elf dieser Landkreise liegen in Baden-Württemberg. Das ist kein Zufall, da die Landesregierung die Finanzierung der Tests verbindlich zugesagt hat.

14 Prozent der Ämter sehen sich überlastet

Insgesamt antworteten nur 25 Gesundheitsämter (14 Prozent), sie seien derzeit überlastet und könnten deshalb ihren Aufgaben nicht vollständig nachkommen. Am häufigsten gaben Gesundheitsämter in Thüringen an, überlastet zu sein.

Rückmeldungen aus Bayern haben NDR und WDR nach eigenen Angaben nicht erhalten. Dort seien Gesundheitsämter aufgefordert worden, derartige Presseanfragen nicht zu beantworten, heißt es.

Die personelle Ausstattung der Gesundheitsämter ist nach Angaben von Dr. Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), in vielen Bundesländern chronisch defizitär. Nur einzelne Länder würden sich wenigstens um eine Bestandsaufnahme bemühen, erklärte Teichert im Interview mit der „Ärzte Zeitung“. Da es keine bundesweite Statistik gebe, werde noch nicht einmal die Zahl der Mitarbeiter erfasst. Lediglich Daten zu Ärzten im ÖGD sind durch die Erhebung seitens der Bundesärztekammer bekannt. Teichert warnte, in den kommenden fünf Jahren werde ein Drittel der Ärzte im ÖGD in den Ruhestand gehen. (eb)

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Kommentare
Dr. Martina David

Ich habe gelesen, dass ca. 20% der Lehrkräfte deshalb vom Dienst suspendiert werden, weil sich in ihrem Haushalt Angehörige von Risikogruppen befinden (bei vielen Ärzten auch, die sich täglich, oft ohne adäquate Schutzkleidung, der Patientenversorgung widmen, aber dafür interessiert sich niemand, denn Arzt-Angehörige sind offenbar Menschen 2. Klasse und daher egal). Warum aber werden die freigestellten Lehrkräfte nicht in der Kontaktverfolgung eingesetzt, die ja am Telefon erfolgt und nicht mit einem wie auch immer gearteten erhöhten Infektionsrisiko verbunden ist? Derartige Kontaktaufnahmen können problemlos ja auch im "Home-Office" durchgeführt werden. Für mich eine einfache und probate Lösung, schon deswegen wohl leider nicht in Szene zu setzen. Einsatzfähig wären ja auch Studenten, deren Nebenjobs weggebrochen sind, die aber durchaus in der Lage, fähig - und motiviert - wären, eine adäquate Telefonrecherche durchzuführen. Auch die meisten der Zigtausend gekündigten Tui-Mitarbeiter wären sicherlich hierzu geeignet. Meines Erachtens wäre mehr Kreativität statt Jammerns auf hohem Niveau indiziert. Wir müssen uns einfach auch einmal an unsere Eltern erinnern: Mein Vater: Kriegsgefangener in Sibirien, sein Überleben hing am seidenen Faden. Meine Mutter: Konnte sich mit knapper Not aus von Tieffliegern bombardiertem Zug retten. Haben meine Eltern je gejammert oder sich in eine "posttraumatische Belastungsstörung" zurückgezogen? Nein!
Meine Empfehlung: Mehr Kreativität, weniger Jammern. Sondern: Packen wir's an, und zwar durch sinnvolle Mobilisierung vorhandener - und derzeit brachliegender - Kräfte.


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