Richtlinie vor DMP

GBA setzt Prioritäten bei Psychotherapie

Ein strukturiertes Behandlungsprogramm für Patienten mit einer Depression wird es - vorerst - nicht geben. GBA-Vorsitzender Josef Hecken hat angekündigt , dass zunächst die Psychotherapierichtlinie an der Reihe sein soll. Die Psychotherapeuten finden das gut.

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BERLIN. Die Indikation "Depression" ist derzeit noch nicht DMP-fähig. Das ist ein Ergebnis der jüngsten Sitzung des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA). Zwar hat das Gremium Beratungen zu strukturierten Behandlungsprogrammen für vier weitere chronische Krankheiten aufgenommen, die Depression aber nicht berücksichtigt.

Pikant daran ist, dass Union und SPD im Koalitionsvertrag ausdrücklich die Weiterentwicklung der strukturierten Behandlungsprogramme vereinbart haben. "Neue Programme sollen entwickelt werden für die Behandlung von Rückenleiden und Depressionen", heißt es darin wörtlich. I

m Vertrag steht aber auch, dass die Koalition den GBA mit der Überarbeitung der Psychotherapierichtlinie beauftragen will. Hier will der GBA offensichtlich den Schwerpunkt setzen.

Das Gesundheitsministerium prüfe weiter, wie die Vorgabe des Koalitionsvertrags gesetzlich umzusetzen sei, sagte ein Sprecher des Ministeriums der "Ärzte Zeitung". Die schwarz-rote Koalition bereitet derzeit ein Versorgungsgesetz vor, das ab Herbst beraten werden soll.

Zeit noch nicht reif

Für den GBA scheint die Zeit für ein DMP Depression noch nicht reif zu sein. Zu den Behandlungsprogrammen gehören Schulungen, die Patienten in die Lage versetzen sollen, aktiv mitzuwirken, dass sich ihr chronisches Leiden zumindest nicht verschlimmert.

Von diesen Angeboten seien für an einer Depression erkrankte Menschen zu wenige ausreichend evaluiert, sagte der unparteiische Vorsitzende des GBA, Josef Hecken.

Ein weiterer Punkt ist, dass dieNovelle der Psychotherapierichtlinie nicht fertig ist. "Es wäre handwerklich dumm, gleichzeitig an der Richtlinie und an einem strukturierten Behandlungsprogramm zu arbeiten, sagte Hecken.

Mit der Reihenfolge Richtlinie vor Behandlungsprogramm kann die Vorsitzende der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) gut leben. "Ich bin froh, dass der GBA der Richtlinie den Vorrang geben will", sagte Dipl.-Psych. Barbara Lubisch der "Ärzte Zeitung".

"Eng umschriebene Krankheit"

Depression sei nicht "eine eng umschriebene Krankheit". Deshalb sei sie skeptisch, ob es gelinge, eine DMP zu entwickeln, zumindest werde dies sehr aufwändig sein.

Die Richtlinie, in die auch eine Rezidivprophylaxe und niedrigschwellige Sprechstundenangebote eingearbeitet werden sollen, käme dagegen auch Menschen mit einer Depression vergleichsweise schnell zugute. Lubisch hofft, dass die Richtlinie binnen 24 Monaten fertig sein ist.

Bis Ende 2017 hat das IQWiG vom GBA Zeit bekommen, Leitlinienrecherche zu den vier für DMP ins Auge gefassten Krankheiten zu betreiben. Das sind die Rheumatoide Arthritis, die chronische Herzinsuffizienz, die Osteoporose und Rückenschmerz.

"Die vier Krankheiten erfüllen die gesetzlichen Vorgaben zur Entwicklung strukturierter Behandlungsprogramme in besonderem Maße", sagte das unparteiische Mitglied und die Vorsitzende des Unterausschuss DMP, Dr. Regina Klakow-Franck.

Ob die nun aufgenommenen Beratungen für eine der Indikationen in ein DMP mündeten, hänge aber von den Ergebnissen der Untersuchungen des IQWiG ab, sagte Dr. Franziska Diel, die für die Kassenärztliche Bundesvereinigung an den Beratungen teilnahm. (af)

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