Fachkonferenz der BZgA

Gemeinsam gegen Alkoholsucht bei Jugendlichen!

Erfolge gegen einen Alkoholabusus von Jugendlichen lassen sich vor allem dann erzielen, wenn sich die beteiligten Akteure vor Ort vernetzen – inklusive Karnevalsvereine und Schulen, so die einhellige Meinung bei einer Fachkonferenz der BZgA.

Von Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht: 25.01.2019, 06:33 Uhr
Gemeinsam gegen Alkoholsucht bei Jugendlichen!

"Komm hoch, es geht auch ohne!": Die Hand reichen, wenn Jugendliche dem Alkohol verfallen.

© mma23 / stock.adobe.com

KÖLN. Ärztinnen und Ärzte sollten im Umgang mit Jugendlichen jede Gelegenheit nutzen, sie für die Gefahren des Alkoholmissbrauchs zu sensibilisieren. „Es wäre nicht schlecht, wenn Ärzte bei der Jugenduntersuchung J1 fragen, wie es denn mit dem Alkoholkonsum aussieht“, empfiehlt Peter Lang, Leiter des Referats „Prävention des Substanzmissbrauchs, Suchtprävention“ bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Eine wichtige Botschaft an die jungen Leute sollte immer sein: Achte auf Deinen Körper.

Auch bei der Nachsorge nach akutem Alkoholmissbrauch und der Überleitung von Jugendlichen an Organisationen der Suchthilfe spielen Ärzte eine wichtige Rolle, sagte Lang anlässlich einer Fachkonferenz zu kommunalen Präventionsstrategien der BZgA Jugendkampagne „Alkohol? Kenne Dein Limit“ in Köln.

Erfolge bei der Alkoholprävention lassen sich vor allem dann erzielen, wenn sich die beteiligten Akteure vor Ort vernetzen. Das zeigen die bisherigen Erfahrungen mit dem 2011 gestarteten Programm „Gemeinsam initiativ gegen Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen“ (GigA). Das Programm ist in Nordrhein-Westfalen (NRW) angelaufen und wird jetzt in weiteren Bundesländern umgesetzt.

Zahl der Alkoholintoxikationen bei jungen Menschen zurückgegangen

Die Tatsache, dass die Zahl der Alkoholintoxikationen bei 10- bis 19-Jährigen von 26.000 im Jahr 2012 auf 21.700 im Jahr 2017 zurückgegangen ist, führt Lang auch auf GigA zurück. „Ich bin optimistisch, dass wir den positiven Entwicklungstrend in der Zukunft fortführen können.“

In den Kommunen gebe es häufig mehrere Initiativen zur Alkoholprävention bei Jugendlichen, die unkoordiniert nebeneinander laufen, berichtete Dr. Hans-Jürgen Hallmann, Leiter der Ginko Stiftung für Prävention, Träger der Landeskoordinationsstelle Suchtvorbeugung in NRW.

Über Beratungen und Schulungen will GigA die Vernetzung vor Ort fördern und die unterschiedlichen Ressourcen zusammenführen. „Die Verbindung von Kontrolle, Jugendschutz und Pädagogik zeigt die größten Erfolge“, sagt Hallmann. So sei es in Mülheim an der Ruhr gelungen, durch ein abgestimmtes Bündel von Maßnahmen den jugendlichen Alkoholmissbrauch während des Karnevals deutlich zu senken. Motto der Aktion: „Feiern statt reihern“.

Karnevalsvereine mit im Boot

Von positiven Erfahrungen mit koordinierten und strukturierten Angeboten zur Alkoholprävention im Karneval berichtete auch Jörg Zerche von der Abteilung Gesundheit der Kreisverwaltung Euskirchen. Dort sei es gelungen, auch die Karnevalsvereine mit ins Boot zu holen und Alterskontrollen sowie Altersbändchen für Veranstaltungen einzuführen. „Die Kunst besteht darin, auf der einen Seite etwas Gemeinsames zu entwickeln und auf der anderen Seite genug Beinfreiheit zu haben, um auch noch selbst sichtbar zu bleiben“, sagte Zerche.

Aus Sicht von Hallmann ist es wichtig, dass die Beteiligten mit realistischen Zielen arbeiten. So mache es keinen Sinn, eine ganze Kommune „trocken legen“ zu wollen. „Aber man kann sich dafür einsetzen, dass in öffentlichen Anlagen nicht getrunken wird.“

Bewährt haben sich nach seinen Angaben interaktive Angebote für Jugendliche. So könnte man in Schulen Tipps geben, wie man einen Jungen oder ein Mädchen kennenlernen kann, ohne dass Alkohol im Spiel ist. „Die Jugendlichen fangen dann an nachzudenken und sich mit dem Thema auseinanderzusetzen“, sagte er.

Man müsse auch die Erwachsenen mit ins Boot holen, betonte Hallmann. „Jede Flasche, die ein Jugendlicher trinkt, ist irgendwann auch durch die Hand eines Erwachsenen gegangen.“

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