Corona-Teststrategie

Gesundheitsministerium rechnet nicht mit der Maximalkapazität der Labore

Corona-Tests sind ein Baustein der Pläne, an Weihnachten den Lockdown zu lockern. Ein Papier aus dem Gesundheitsministerium beschreibt die Instrumente.

Von Anno FrickeAnno Fricke Veröffentlicht:
Die Labore kommen bei der Auswertung der PCR-Tests kaum noch hinterher. Deshalb soll die Nachfrage nach Tests besser gesteuert werden. Unter anderem durch den verstärkten Einsatz von Antigen-Schnelltests.

Die Labore kommen bei der Auswertung der PCR-Tests kaum noch hinterher. Deshalb soll die Nachfrage nach Tests besser gesteuert werden. Unter anderem durch den verstärkten Einsatz von Antigen-Schnelltests.

© H_Ko / stock.adobe.com

Berlin. Das Gesundheitsministerium geht davon aus, dass die Kapazitäten für PCR-Tests im Augenblick nicht weiter auszubauen sind. Das geht aus einem „Sachstandsbericht zur Testkapazität zum Nachweis von SARS-CoV-2 in Deutschland“ hervor, der der „Ärzte Zeitung“ vorliegt.

Deshalb habe das Ministerium Maßnahmen ergriffen, die Nachfrage nach Tests zu steuern, heißt es in dem Papier. Tatsächlich sind die Testkriterien im November relativiert worden. Menschen mit leichten Erkältungssymptomen zum Beispiel sollen nicht mehr getestet werden, sondern sich ein paar Tage selbst isolieren.

Gleichzeitig hat Gesundheitsminister Jens Spahn eine Entlastung der PCR-Testkapazitäten durch den Einsatz von Antigentests verordnet.

Theoretisch zwei Millionen Tests

Die Schätzungen des Robert Koch-Institutes, dass in Deutschland knapp zwei Millionen PCR-Tests pro Woche möglich seien, werden im Ministerium inzwischen als eher theoretisch zu verstehen eingestuft.

Zum Aufbau dieser Kapazitäten habe der Bund gleichwohl durch dreiseitige Verträge mit den Herstellern beigetragen, bemerken die Autoren des Papiers. Konkret handele es sich um die Absicherung von Abnahmegarantien. Die Beschaffung von Reagenzien und Tests liege bei den Laboren selbst. Die Angaben gäben die Kapazitäten bei „maximaler Auslastung“ und „idealer Ausstattung“ wieder.

Der Verband der Labore (ALM) hatte zuvor bereits angemerkt, dass die Maximalauslastung nur kurzzeitig gefahren werden könne, nicht jedoch über Wochen. Dauerhaft verfügbar und nachhaltig sei eine Testkapazität von zwischen 1,25 und 1,57 Millionen Tests in der Woche – immer vorausgesetzt, es gibt genügend Material, und ausreichend Personal ist einsatzbereit, fasst das Papier zusammen.

Weihnachten absichern

Die Antigentests (Schnelltests) spielen eine Rolle bei der Weihnachtsstrategie der Regierung. Sie sollen verstärkt eingesetzt werden, um möglichst wenig Menschen über die Feiertage isolieren zu müssen. Weil einige wenige Produkte möglicherweise nicht taugen, ist eine unabhängige Prüfung der Leistungsfähigkeit der Tests angelaufen. Sollten die Ergebnisse der Prüfungen die Herstellerangaben nicht bestätigen, sollen diese Produkte aus dem Spiel genommen werden.

Gleichwohl hat das Ministerium mit Herstellern ein Memorandum of Understanding abgeschlossen, das den Bezug von 30 Millionen Schnelltests (Point of Care, PoC) bis Ende des Jahres sowie bis Ende März monatlich weitere 23,5 Millionen Tests umfasst. Verhandlungen über weitere Kontingente seien angelaufen.

Noch am Anfang steht ausweislich des Papiers der Einsatz von laborbasierten Antigentests. Ab Dezember will das Ministerium eine Million solcher Tests je Monat für Deutschland sichern. Vorteil dieser Tests gegen über den PoC-Tests sei die höhere Automatisierung der Auswertung. Die Analysegeräte dafür stünden in den Laboren bereits zur Verfügung.

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