Rheinland-Pfalz

Gesundheitsnetzwerke sollen die Versorgung sichern

Rheinland-Pfalz hat viele kleine Krankenhäuser, die dringend benötigt werden, aber finanziell ums Überleben kämpfen. Um die Versorgung auf dem Land sicherzustellen, will das Land jetzt neue Wege erproben.

Christiane BadenbergVon Christiane Badenberg Veröffentlicht:
Sicht auf den Rhein vom Krahnenberg in Andernach. Rheinland-Pfalz ist ländlich geprägt. Innovative Konzepte für die medizinische Versorgung auf dem Land sind gefragt.

Sicht auf den Rhein vom Krahnenberg in Andernach. Rheinland-Pfalz ist ländlich geprägt. Innovative Konzepte für die medizinische Versorgung auf dem Land sind gefragt.

© Andreas Gillner / stock.adobe.com

Mainz. Rheinland-Pfalz will die Zukunft der medizinischen Versorgung mit Gesundheitsnetzwerken sicherstellen. Ein entsprechendes Konzept hat Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) gemeinsam mit Vertretern der Krankenhausgesellschaft und der Krankenkassen am Mittwoch in Mainz vorgestellt.

Im Mittelpunkt dieser Netzwerke sollen vor allem kleine Krankenhäuser stehen, deren wirtschaftliche Existenz bedroht ist, die aber für die medizinische Versorgung auf dem Land dringend gebraucht werden.

„Rheinland-Pfalz ist das Land der kleinen Krankenhäuser und das soll auch so bleiben“, versicherte die Ministerin. In Rheinland-Pfalz gebe es 15 Klinikstandorte die nach den Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses als unverzichtbar gelten und die deshalb auch Sicherstellungszuschläge erhielten. Unverzichtbar seien aber noch sehr viel mehr der 77 Krankenhäuser an 97 Standorten im Land, so die Ministerin.

Kooperation mit Praxen und Partnerkliniken

Bereits seit einem Jahr hat sich eine Projektgruppe damit beschäftigt, wie Gesundheitsnetzwerke aussehen können. Im Zentrum habe dabei die Frage gestanden, wie kleine Krankenhäuser in enger Kooperation mit niedergelassenen Ärzten und anderen Gesundheitsanbietern zum „Mittelpunkt innovativer, sektorenübergreifender Versorgungsnetzwerke werden können“, so Bätzing-Lichtenthäler. Erprobt werden die Konzepte bereits jetzt im Kreiskrankenhaus St. Franziskus Saarburg und am Diakonie-Krankenhaus in Kirn.

Eine enge Kooperation der kleinen Krankenhäuser mit größeren Partnerkliniken sowie mit niedergelassenen Ärzten, ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen sowie ambulanten Heilmittelerbringern, sei ausdrücklich gewünscht, sagte der Vorstandsvorsitzende der rheinland-pfälzischen Krankenhausgesellschaft Bernd Decker. Es gelte auch, gemeinsam Modelle und Lösungen für Fragen der Finanzierung zu finden.

Blaupausen sollen entwickelt werden

Startpunkt des Projekts „ZUG – Zukunft Gesundheitsnetzwerke Rheinland-Pfalz“ sei die Analyse und Sammlung verschiedener bundesweiter, aber auch internationaler Denkansätze und Empfehlungen zur Sicherstellung der regionalen Gesundheitsversorgung gewesen, erklärte Projektleiter Jörg Mehr. „Letztlich haben wir einen Baukasten zusammengestellt, mit dem – gemeinsam mit den Akteuren vor Ort – für den konkreten Bedarf der Menschen passende und leistungsfähige Lösungen erarbeitet werden können“, so Mehr. Auch die Ministerin sprach davon, dass mögliche Blaupausen entwickelt werden sollten.

In Rheinland-Pfalz sind innovative Konzepte gefragt. Denn laut Krankenhaus Rating Report 2020 waren zwischen 15 und 25 Prozent der Kliniken im Land im Jahr 2018 insolvenzgefährdet. 37 Prozent erzielten ein negatives Ergebnis. Davon betroffen sind kleine Krankenhäuser, aber auch Maximalversorger, von denen es fünf in Rheinland-Pfalz gibt.

Deutschlandweit schrieben 29 Prozent der Häuser rote Zahlen. Es wird erwartet, dass bundesweit bereits in fünf Jahren 38 Prozent der Kliniken insolvenzgefährdet sind und 57 Prozent rote Zahlen schreiben. Wirtschaftlich sind kleine Krankenhäuser ohnehin benachteiligt, weil sie ihre Fixkosten nur über eine kleine Zahl an Fällen verteilen können.

Hoher Altersdurchschnitt bei Hausärzten

Zudem ist in Rheinland-Pfalz der Ärzte- und Pflegekräftemangel groß sowie der Altersdurchschnitt der Hausärzte sehr hoch. 42 Prozent sind 60 Jahre oder älter. Darüber hinaus steigt auch hier die Anzahl der Ärzte, die in Teilzeit arbeiten oder lieber ambulant angestellt arbeiten wollen.

Erprobt werden sollen in Rheinland-Pfalz zwei unterschiedliche Modelle:

  • Klinikgestütztes Modell: Fehlen in einer Region Haus- oder Fachärzte, sollen in enger Kooperation mit niedergelassenen Ärzten ambulante Versorgungsangebote an das Krankenhaus angliedert werden. Bei Bedarf auch Kurzzeitpflege und Physiotherapie.
  • Praxisgestütztes Modell: Kann ein Klinikträger sein Haus nicht weiter betreiben und hat es keinen Anspruch auf einen Sicherstellungszuschlag, kann ein Gesundheitszentrum am selben Standort entstehen. Dieses könnte in enger Absprache mit niedergelassenen Ärzten ambulante medizinische Angebote, Pflege, Physiotherapie und mehr anbieten.
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