Kommentar

Geteilte Verantwortung

Von Florian StaeckFlorian Staeck Veröffentlicht:

Wenn es dem deutschen Gesundheitswesen an einem nicht fehlt, dann sind es Schnittstellen. Statt an Versorgungsketten orientiert sich das System an Sektoren: Ob Klinik oder Praxis, ob Arzt oder Heilmittelerbringer - überall hakt es an den Übergängen.

Arbeiten im Team ist ein schönes Schlagwort, die Realität sieht anders aus. Vor diesem Hintergrund hört sich das Positionspapier von Gesundheitspolitikern der Union sinnvoll an, die etwa Physiotherapeuten oder Logopäden stärker in die Versorgung einbinden wollen.

Freilich kommt es auf das Wie an: Man kann nicht einerseits den Hausarzt zum Lotsen ausrufen, andererseits neue - unabgestimmte - Schnittstellen in der Versorgungskette schaffen.

"Geteilte Verantwortung" klappt daher nur, wenn sie für nicht-ärztliche Gesundheitsberufe neben neuen Rechten auch neue Pflichten definiert. Da wäre die Berichtspflicht an den Hausarzt zu nennen oder aber die Einhaltung des Wirtschaftlichkeitsgebots. Autonomie etwa für den Physiotherapeuten, Regressgefahr für den Arzt, das wäre ein No-Go.

Mehr Eigenverantwortung für nicht-ärztliche Gesundheitsberufe in der Versorgungskette - das kann nur funktionieren, wenn sie durch ein in Modellprojekten erprobtes Gesamtkonzept unterfüttert ist.

Lesen Sie dazu auch: Physiotherapie: Union will Arztvorbehalt aufweichen

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Hier in Schweden, wo ich seit 8 Jahren als Fachärztin für Allgemeinmedizin arbeite, ist es ganz selbstverständlich, dass sich die Patienten mit Problemen des Bewegungapparates direkt an den Physiotherapeuten wenden können. Natürlich ohne Überweisung und zu gleichen Bedingungen wie mit einer Überweisung vom Hausarzt. Der Physiotherapeut schickt den Patienten bei Bedarf zum Hausarzt falls die Beschwerden zunehmen oder die Behandlung keinen Erfolg zeigt. Die Kommunikation zwischen Arzt und Physiotherapeut wie auch Arbeitstherapeuten läuft reibungslos bei uns.


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