Erstes Halbjahr

Grippewelle heizt Krankenstand an

Der harte Winter hinterlässt Spuren in der Fehlzeiten-Statistik: Anfang des Jahres waren die Wartezimmer mit Grippe-Patienten voll. Der Krankenstand hat auch deshalb im ersten Halbjahr weiter zugelegt, melden Kassenverbände.

Florian StaeckVon Florian Staeck Veröffentlicht:

BERLIN/STUTTGART. Vor allem die Grippewelle hat den Krankenstand im ersten Halbjahr nach oben getrieben. Das geht aus neuen Zahlen der AOK Baden-Württemberg hervor.

Bei der Landes-AOK betrug der Krankenstand, also der prozentuale Anteil der Krankgeschriebenen je Kalendertag, 5,1 Prozent. In den beiden Vorjahren hatte dieser Wert 4,9 Prozent betragen.

Dabei hat vor allem die Grippewelle zu Jahresbeginn die Fehlzeiten steigen lassen. Der Anteil der Erkrankungen des Atmungssystems lag von Januar bis Juni bei 17,6 Prozent aller AU-Tage.

Die Halbjahreswerte in den Vorjahren wiesen für diese Erkrankungsgruppe einen Anteil von 14,0 Prozent (2012) und 13,8 Prozent (2011) aus. Damit rangierten Erkältungskrankheiten hinter Muskel- und Skeletterkrankungen an zweiter Stelle als Ursache für Arbeitsunfähigkeit.

Keine Trendwende bei psychischen Erkrankungen

Der Anteil psychischer Erkrankungen im ersten Halbjahr 2013 belief sich auf 9,2 Prozent. Das ist ein Prozentpunkt weniger als im Vorjahreszeitraum.

Nach Angaben der AOK signalisiert dies aber keine Trendwerte beim zuletzt stetig steigenden Anteil psychischer Erkrankungen. Vielmehr sei dieser statistische Rückgang auf den starken Anstieg bei Erkältungskrankheiten zurückzuführen.

Auch der BKK-Dachverband meldet für das erste Halbjahr eine Zunahme beim Krankenstand. Dabei habe die Grippewelle vor allem im Februar zu deutlich mehr Fehltagen geführt.

Mit Blick auf das gesamte Vorjahr sind die pflichtversicherten BKK-Mitglieder im Schnitt 16,4 Tage krankgeschrieben gewesen - das entspricht einem Krankentstand von 4,5 Prozent. Seit dem Tiefststand im Jahr 2006 (12,4 Fehltage) haben sich die Ausfallzeiten seitdem um rund vier Tage erhöht.

Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems bilden mit 26,4 Prozent im BKK-System nach wie vor den häufigsten Anlass für einen Ausfall.

Die Bedeutung dieser Erkrankungsgruppe sei zuletzt wieder gestiegen, obwohl der Anteil der Arbeitnehmer, die eine körperlich verschleißende Tätigkeit ausüben, gesunken ist. Psychische Erkrankungen liegen mit 13,9 Prozent der Fehltage erstmals auf Platz 2 der Ausfallgründe.

Von besonderer Bedeutung ist diese Diagnosegruppe auch aufgrund der langen Falldauer: Im Schnitt fehlten Arbeitnehmer im Jahr 2012 wegen einer Erkrankung 13,1 Tage. Bei psychischen Erkrankungen waren es dagegen 37,4 Tage - und damit noch länger als bei Tumorerkrankungen (35,5 Tage).

Hohe Bedeutung von Langzeitkranken

Auch die neuen AOK-Zahlen zeigen die Bedeutung chronischer Erkrankungen für die Gesamtzahl an Fehltagen. Landesweit gingen im ersten Halbjahr 36 Prozent aller Fehltage auf - zumeist chronische - Langzeiterkrankungen zurück, obwohl sie nur 3,6 Prozent der AU-Fälle ausmachen.

Dagegen handelt es sich umgekehrt bei 35,7 Prozent aller AU-Fälle um Kurzeiterkrankungen von bis zu drei Tagen, die sich auf lediglich 7,2 Prozent der Fehltage addieren.

Den AOK-Angaben zufolge variiert der Krankenstand stark mit dem Alter der Arbeitnehmer. Bei den 20- bis 29-Jährigen betrug dieser 3,8 Prozent, bei Mitarbeitern über 50 Jahre sind es bereits 6,7 Prozent. Am höchsten ist der Ausfall bei Beschäftigten über 60 Jahre (7,9 Prozent).

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