Traumjob in UK

Hausarzt mit 600.000 Pfund Jahresgehalt

Fast 700.000 Euro Jahresgehalt als Hausarzt. Gibt‘s nicht? In Großbritannien schon. Das sorgt für Ärger auf der Insel.

Von Arndt Striegler Veröffentlicht: 06.01.2020, 18:59 Uhr
Hausarzt mit 600.000 Pfund Jahresgehalt

Eine Menge Queen: In Großbritannien schaffen manche Hausärzte üppige Jahresgehälter.

© andy rain / dpa

London. Hunderte Hausärzte in Großbritannien verdienen mehr als der britische Premierminister und das sorgt im Königreich für Ärger.

Wie Recherchen der britischen Boulevard-Zeitung „Sun“ ergaben, verdienten 164 Hausärzte im vergangenen Jahr jeweils mehr als 200.000 Pfund (rund 230.000 Euro).

Zum Vergleich: Der Premier Boris Johnson verdient jährlich umgerechnet rund 180.000 Euro. Großbritanniens am besten verdienender Allgemeinpraktiker des staatlichen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS) verdient laut „Sun“-Recherchen jährlich „mehr als 600.000 Pfund“ (mehr als 680.000 Euro).

Das ist möglich, in dem der Arzt zum Beispiel in mehreren Hausarztpraxen parallel praktiziert, auch dank Telemedizin.

Ministerium hält sich raus

Laut „Sun“ streichen 146 NHS-Hausärzte jährlich zwischen 200.000 und 300.000 Pfund ein. 14 Hausärzte verdienten zwischen 300.000 und 400.000 Pfund, zwei Ärzte kamen gar auf bis zu 500.000 Pfund Jahresverdienst.

Rund 5500 der rund 42.000 Ärzten in der staatlichen Primärmedizin verdienten immerhin jährlich mehr als 100.000 Pfund.

Das Londoner Gesundheitsministerium wollte auf Anfrage der „Ärzte Zeitung“ in London diese Zahlen nicht bestätigen. „Das hausärztliche Einkommen im NHS variiert und hängt von vielen Faktoren ab“, so ein Ministeriumssprecher.

RCGP: Hohe Verdienste sind große Ausnahme

Berufsverbände wie der Hausärzteverband (Royal College of General Practitioners, RCGP) wies darauf hin, dass staatliche Hausärzte „angemessen honoriert“ würden für die verantwortungsvolle Arbeit, die sie verrichteten.

Und: „Extrem hohe Verdienste seien „die große Ausnahme“ und „irreführend“, da sie ein schiefes Bild ergäben.

Gesundheitspolitiker verlangen, dass die Namen jener Hausärzte, die jährlich mehr als 150.000 Euro verdienen, veröffentlicht werden. Das lehnt die Ärzteschaft ab.

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Kommentare
Heins

Lächerliche Meldung
also ganze 146 Ärzte von fast 42000 GPs verdienen mehr als 200000 Pfund.
Das bedeutet, daß das Einkommen (brutto) von fast allen GPs UNTER 200000 Pfund beträgt.
Daraus überhaupt eine Meldung zu machen, dann noch in dieser Weise, legt ja fast schon sozialistischen Neid nahe. Naja, halt Yellow Press.

Dr. Schätzler

Irreführende "Ärztehasser"-Propaganda der britischen "Yellow-Press" (Regenbogenpressse)

Der Wechselkurs 1 Pfund Sterling liegt derzeit auf einem relativen Höchststand mit 1,18 Euro. Im August 2019 lag er bei 1,07 Euro. In Großbritannien (GB) betrug 2016 die Anzahl der im nationalen Gesundheitsdienst (NHS) von England (Wales und Schottland zählen nicht dazu!) zum Teil in Teilzeit beschäftigten Hausärzte (General Practioneers GP) bei 41.985 Kolleginnen und Kollegen (nach NHS Digital 2016). Bis 2010 sollen 5.000 GPs dazu kommen.
Job market and vacancies:
https://www.healthcareers.nhs.uk/explore-roles/doctors/roles-doctors/general-practice-gp
Einzelheiten dazu unter:
https://www.england.nhs.uk/wp-content/uploads/2016/04/gpfv.pdf

Die britische Boulevard-Zeitung „Sun“ ist ein echtes Revolver- und "Ärztehasser"-Blatt. Weitaus schlimmer als die BILD-Zeitung in Deutschland, in etwa vergleichbar mit der österreichischen "Kronen"-Zeitung. In populistischer Manier wird behauptet, dass ganze 164 von 41.985 Hausärzten im vergangenen Jahr jeweils mehr als 200.000 Pfund, was einer Kaufkraft von rund 200.000 Euro entspricht, verdient haben sollen.

Dass ein einziger britischer Hausarzt jährlich „mehr als 600.000 Pfund“ verdienen soll, ist statistisch irrelevant. Denn wenn zirka 5.500 der rund 42.000 Ärzte in der staatlichen Primärmedizin jährlich mehr als 100.000 Pfund verdienen sollten, hat immerhin die überwältigende Mehrheit von 36.500 primärärztlich tätigen Kolleginnen und Kollegen u n t e r 100.00 Pfund pro Jahr zur Verfügung.

Und selbst davon müssen noch Steuern und Versicherungen bzw. laufende Kosten bestritten werden.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dormund


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