Kommentar zum GAVI-Gipfel

Impfgipfel – ein wichtiges Signal in Corona-Zeiten

Der virtuelle GAVI-Gebergipfel macht der Welt deutlich, dass an dem Ziel, die Kindersterblichkeit zu reduzieren, festgehalten wird.

Von Matthias Wallenfels Veröffentlicht: 04.06.2020, 13:48 Uhr

Nein, die Welt dreht sich nicht nur um Corona – auch wenn es derzeit den Anschein hat! So spielt der global koordinierte Kampf gegen SARS-CoV-2 zwar eine Rolle beim heutigen – erstmals virtuellen – Finanzierungsgipfel der globalen Impfallianz GAVI, aber er dominiert nicht.

Es geht vielmehr darum, dass die vor 20 Jahren aus der Taufe gehobene Organisation, der Regierungen verschiedener Länder, Nichtregierungsorganisationen, Stiftungen, aber auch Pharmaunternehmen angehören, ihre Impfkampagnen in 73 armen Ländern weiterführen kann.

Impfung für 300 Millionen Kinder

Für den Zeitraum 2021 bis 2025 sind 7,4 Milliarden Euro an Finanzzusagen der Geber taxiert, um in den betreffenden Ländern rund 300 Millionen Kinder gegen zahlreiche vermeidbare Infektionskrankheiten zu impfen.

Unabhängig von der Summe, die GAVI am Ende des Tages zugesagt wird, sendet dieser virtuelle Gebergipfel ein wichtiges Signal an die Weltbevölkerung. Nämlich die Botschaft, dass sich die Weltgemeinschaft – und hier vor allem die Wohlstandsgesellschaften in den Industrieländern – auch darum bemüht, die 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedeten Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals/SDG) weiter zu verfolgen und diese jetzt nicht ins Hintertreffen geraten angesichts der globalen Corona-Agonie.

Zur Erinnerung: Eine Welt frei von Krankheiten, Hunger, Armut, Gewalt und Analphabetismus, dafür aber mit einem universellen Zugang zu einer qualifizierten Ausbildung sowie einer gesundheitlichen Versorgung, die das physische, mentale und soziale Wohlbefinden ermöglicht, zur Erreichung dieses Ziels bis 2030 hat sich die Weltgemeinschaft inklusive Deutschland unter dem Dach der SDG verpflichtet.

Kindersterblichkeit wurde gesenkt

Nun sieht es angesichts global zunehmender dystopischer Tendenzen wahrlich nicht danach aus, dass die Welt 2030 ihrer Bevölkerung einen idealistisch-utopischen Sorglos-Reinraum als Lebensort wird bieten können. Aber nicht von der Hand zu weisen ist, dass die Kindersterblichkeit generell und vor allem die U5MR (Sterberate der unter 5-Jährigen) im Vergleich zu 1990 bereits signifikant gesenkt werden konnte.

Vor allem die Erfolge bei der U5MR fußen auf erfolgreichen Impfkampagnen auch in Ländern, deren Gesundheitssysteme teils mehr als fragil sind und in denen oft auch – pseudoreligiös legitimiert – wissenschaftlich unhaltbare Vorbehalte gegen Vakzinierungen den Lebensalltag prägen.

Somit wird sich jeder Dollar, den GAVI heute realiter „in London“ einsammelt, als potenzieller Lebensretter erweisen. Und er wird zeigen, dass sich auch ein Gesundheitsengagement jenseits der Corona-Bekämpfung weiter lohnt.

Schreiben Sie dem Autor: matthias.wallenfels@springer.com

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