Berufspolitik

In Nordrhein verschwinden Kinderärzte

Eine Region ohne Pädiater: So drastisch ist es noch nicht, aber die KV Nordrhein sieht die Zahl der Kinderärzte schwinden. Das Problem: Die Ärzte werden immer älter - und finden keine Praxisnachfolger.

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Traurig: Immer weniger Ärzte wollen sich als Pädiater niederlassen.

Traurig: Immer weniger Ärzte wollen sich als Pädiater niederlassen.

© olly / fotolia.com

DÜSSELDORF (kab). Die KV Nordrhein (KVNo) und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte BVJK sehen die kinderärztliche Versorgung in der Region in Gefahr.

Besonders in der Eifel und am äußeren Niederrhein werden bald nicht mehr ausreichend niedergelassene Ärzte praktizieren, warnte Dr. Peter Potthoff, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein.

"Wir reden nicht von heute, aber in zwei, drei Jahren ist es soweit." Laut KV-Statistik gibt es in Nordrhein 674 niedergelassene Pädiater.

Im Schnitt sind rund 17 Prozent von ihnen älter als 60 Jahre und suchen deshalb in absehbarer Zeit einen Nachfolger.

In einzelnen Kreisstellen sieht es aber wesentlich düsterer aus: In Euskirchen etwa ist mehr als jeder dritte Kinderarzt über 60. In Remscheid sind nur zehn Prozent der Pädiater jünger als 50 Jahre.

Trotz sinkender Kinderzahlen werde der Bedarf an niedergelassenen Pädiatern nicht zurückgehen, erklärte Dr. Hermann-Josef Kahl, Sprecher des BVJK. "Die Krankheitssituation der Kinder hat sich geändert."

Die Diagnose von Verhaltensauffälligkeiten sei aufwändiger als bei einer klassischen Infektion der Atemwege. Außerdem steigen die Anforderungen an die Prävention.

Auslaufmodell Einzelpraxis

"Die Hälfte des Tages verbringen wir mit der Vorsorge", sagte der niedergelassene Facharzt Dr. Jörg Hornivius.

Nach Umfragen haben 93 Prozent der angehenden Kinderärzte Angst vor den finanziellen Risiken einer Niederlassung, sagte Hornivius. 70 Prozent wollen am liebsten angestellt arbeiten, 80 Prozent in Teilzeit.

Hier drückt sich auch die extrem hohe Frauenquote bei den angehenden Kinderärzten aus. Mit der klassischen Einzelpraxis sind diese Wünsche nicht zu erfüllen, sind sich die Experten einig.

Dass Nordrhein bei der Honorarverteilung deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegt, erschwere die Suche nach Ärzten. Dennoch gelte: "Man kann als niedergelassener Kinderarzt in Nordrhein gut leben und mehr verdienen als am Krankenhaus", sagte Hornivius.

Mit einer Informationsveranstaltung wollen KVNo und BVKJ jetzt Ärzten mit Berufsziel Pädiater die Niederlassung schmackhaft machen.

Dabei spricht auch eine frisch niedergelassene Kinderärztin über ihr Modell, bei dem sich zwei Medizinerinnen einen Kassensitz teilen.

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