Corona-Pandemie

In Quarantäne nimmt häusliche Gewalt zu

Vor allem Quarantäne und finanzielle Nöte führen dazu, dass sich Wut vermehrt Bahn bricht, so eine Studie.

Anke ThomasVon Anke Thomas Veröffentlicht:
Laut einer Studie steigt die Gewalt gegen Kinder, wenn sich die Familie in Quarantäne befindet oder die finanzielle Not groß ist.

Laut einer Studie steigt die Gewalt gegen Kinder, wenn sich die Familie in Quarantäne befindet oder die finanzielle Not groß ist.

© Herby ( Herbert ) Me / stock.adobe.com

München. Die Warnung vieler Experten, dass die häusliche Gewalt während des pandemiebedingten Lockdowns in Deutschland zunehmen könnte, belegt nun eine repräsentative Studie der Technischen Universität München (TUM) gemeinsam mit dem RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.

Für die Studie wurden laut einer Pressemitteilung der TUM 3800 Frauen in Deutschland zwischen 18 und 65 Jahren online nach ihren Erfahrungen befragt, Männer blieben bei der Studie außen vor.

Drei Prozent der Frauen berichten von Gewalt

Professorin Janina Steinert (TUM) und Dr. Cara Ebert (RWI) befragten die Frauen zwischen dem 22. April und dem 8. Mai zu ihren Erfahrungen des vorangegangenen Monats, in dem die strengsten Kontaktbeschränkungen geherrscht hatten.

In dieser Zeit gaben drei Prozent der Frauen an, Opfer körperlicher Gewalt – wie etwa Schläge – geworden zu sein. 3,6 Prozent meinte, sie seien von ihrem Partner vergewaltigt worden. Emotional fühlten sich 3,8 Prozent der Frauen von ihrem Partner bedroht.

Etwa zwei von hundert gaben an, dass sie das Haus ohne Erlaubnis nicht hätten verlassen dürfen. 4,6 Prozent gaben an, dass ihr Partner die Kontakte mit anderen Personen – auch über digitale Wege – reguliert habe. Ein weiteres Ergebnis der Studie: In 6,5 Prozent aller Haushalte wurden Kinder gewalttätig bestraft.

Risiko: Quarantäne und Geldsorgen

Deutlich mehr Gewalt mussten Frauen und Kinder laut Studie erfahren, wenn:

  • sich die Befragten zu Hause in Quarantäne befanden (körperliche Gewalt gegen Frauen: 7,5 Prozent, gegen Kinder: 10,5 Prozent),
  • die Familie akute finanzielle Sorgen hatte (körperliche Gewalt gegen Frauen: 8,4 Prozent, gegen Kinder: 9,8 Prozent),
  • einer der Partner aufgrund der Pandemie in Kurzarbeit war oder den Arbeitsplatz verloren hatte (körperliche Gewalt gegen Frauen: 5,6 Prozent, gegen Kinder: 9,3 Prozent),
  • einer der Partner Angst oder Depressionen hatte (körperliche Gewalt gegen Frauen: 9,7 Prozent, gegen Kinder: 14,3 Prozent),
  • sie in Haushalten mit Kindern unter 10 Jahren lebten (körperliche Gewalt gegen Frauen: 6,3 Prozent, gegen Kinder: 9,2 Prozent).

Mehr Angebote für Frauen und Kinder

Sollte es zu einem zweiten Lockdown kommen, raten die Wissenschaftlerinnen deshalb dazu, Notbetreuungen für alle Kinder zu organisieren. Steinert empfiehlt außerdem: „Da Depressionen und Angstzustände das Gewaltpotenzial erhöhen, sollten psychologische Beratungen und Therapien auch online angeboten und ohne Hürden genutzt werden können. Frauenhäuser und andere Stellen, die Hilfen anbieten, müssen systemrelevant bleiben.“

„Wenn Frauen durch ihre Partner intensiv kontrolliert werden, können sie telefonische Beratungsangebote nur schwer nutzen. Hilfe sollte deshalb auch online angeboten werden, per Chat, Messenger und E-Mail“, fügt Ebert hinzu. Die bestehenden Hilfsangebote müssten zudem mehr in der Öffentlichkeit beworben werden.

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