Arbeitgeberverband Pflege

In drei Schritten zu mehr Altenpflegekräften

Mit weniger starren Personalvorgaben, einem Mindestlohn und mehr ausländischen Fachkräften wollen private Altenpflegeanbieter die Probleme ihrer Branche lösen.

Von Thomas Hommel Veröffentlicht: 30.07.2019, 16:52 Uhr
In drei Schritten zu mehr Altenpflegekräften

Alltag im Seniorenheim: Arbeitgeber werben für flexiblen Personalmix statt fixer Fachkraftquote.

© André Pöhlmann / mauritius images (Symbolbild)

BERLIN. Mit einem dreiteiligen „Prioritätenprogramm“ wollen die privaten Altenpflegeanbieter den steigenden Fachkräftemangel in der Branche in den Griff kriegen.

Die Konzertierte Aktion Pflege (KAP) habe zwar ein „Feuerwerk“ an Ideen abgebrannt, es aber versäumt, die Vorschläge nach Dringlichkeit zu gewichten, sagte der Präsident des Arbeitgeberverbandes Pflege (AGVP), Thomas Greiner, am Dienstag.

Am dringlichsten aus Sicht der privaten Arbeitgeber ist es, von der fixen Fachkraftquote in den Heimen wegzukommen. Diese liegt bei 50 Prozent. Stattdessen seien die Fachkräfteeinsätze zu flexibilisieren und bei Stellenplänen auch Berufsgruppen wie Ergotherapeuten, Logopäden, Heilerziehungspfleger oder Physiotherapeuten zu berücksichtigen.

Ein solcher, am jeweiligen Bedarf ausgerichteter Professionenmix schaffe eine „Win-win-win-Situation“ für Heimbewohner, Pflegepersonal und Betreiber, sagte Greiner.

Flexibler Personalmix nichts Utopisches

Er setze darauf, dass Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Herbst entsprechende Gesetzesvorschläge vorlege. „Es gibt ein einmaliges Zeitfenster, bis zum Jahresende etwas hinzubekommen“, so Greiner.

In Kürze wird auch ein Gutachten des Bremer Pflegewissenschaftlers Heinz Rothgang zum Thema Qualifikations- und Personalmix in der stationären Altenpflege erwartet.

AGVP-Sprecher Friedhelm Fiedler sagte, ein flexibler Personalmix in Pflegeheimen sei „nicht irgendetwas Utopisches“. So gebe es bereits Bundesländer, die „gute Vorlagen“ lieferten. Dazu gehöre Baden-Württemberg.

Seit zwei Jahren seien dort Abweichungen von der Fachkraftquote möglich. Voraussetzung sei, dass andere Fachkräfte in geringem Umfang beschäftigt und eingesetzt würden und der Stellenschlüssel von einer Pflegekraft pro 30 Bewohner im Tagesdienst eingehalten werde.

Pflegeassistenten miteinbeziehen

Nötig sei zudem eine bundesweit anerkannte „Teilqualifizierung“ von Pflegehilfs- zu Fachkräften, sagte Fiedler. Die Arbeitszeit von Pflegeassistenten sei auf die Fachkraftquote anzurechnen, sofern diese längere Zeit unter Anleitung Fachkraftaufgaben wahrgenommen hätten. „Das bringt Entlastung.“

Die Mehrkosten für die zusätzliche Personalausstattung in den Heimen seien von den Kassen zu tragen. „Hier muss Pflege andere Ansprüche anmelden.“

Als weitere Bausteine ihres Programms nannten Greiner und Fiedler die gezielte Anwerbung ausländischer Fachkräfte und einen Mindestlohn für Pflegefachkräfte von 2500 Euro monatlich.

Die neue Arbeitgebervereinigung BVAP, die mit der Gewerkschaft Verdi einen Tarifvertrag für die Branche aushandeln soll, werde keinen Erfolg haben. Drei Viertel der Arbeitgeber in der Branche machten dort gar nicht mit, so Fiedler. Besser als das Aushandeln eines „Zwangstarifvertrages“ sei es, in der Mindestlohnkommission für attraktivere Löhne zu sorgen.

Bei den Mehrkosten durch einen Mindestlohn sei den Menschen reiner Wein einzuschenken, betonte AGVP-Chef Greiner. Diese belaufen sich laut Experten je nach Höhe des Mindestlohns auf eine Summe zwischen gut einer und mehr als fünf Milliarden Euro jährlich. Die Politik müsse aufhören, so Greiner, „den Eindruck zu erwecken, das ganze Jahr wäre Weihnachten“.

„Pflegekräfte verdienen bessere Löhne“

Die Pflegebeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Heike Baehrens, verteidigte dagegen den geplanten allgemeinverbindlichen Tarifvertrag in der Altenpflege. „Pflegekräfte verdienen bessere Löhne und müssen sich auf gute Arbeitsbedingungen verlassen können“, sagte die Politikerin am Dienstag in Berlin. Die Sozialpartner müssten sich jetzt schnell verständigen.

„Dass der Arbeitgeberverband Pflege sich nach wie vor gegen gute Tarifbedingungen sperrt und lediglich auf eine Mindestlohnlösung setzt, ist ein Affront gegenüber allen Beschäftigten in der Pflege“, kritisierte Baehrens.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Wenn Quoten ausbremsen

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Kommentare
Walter Werner

Mindestlohn und Fachkräfte Quote in der Pflege

Keine gute Idee, um die Zahl der dringend benötigten Fachkräfte im Pflegebereich zu reduzieren. Die oftmals kolportierten Zahlen um die 20 000 gehen ziemlich an der Realität vorbei. Seriöse Schätzungen sprechen da eher mit einer Schätzung von 200 000 eine ganz andere Sprache. Der Mindestlohn hat ein Geschmäckle von Hilfsarbeiter und impliziert die Absicht Arbeitskräfte so schlecht wie möglich bezahlen zu wollen. Hier ist ein ordentlicher Tarif angesagt, der Fachkräften den Lohn zusichert, der ihnen auch zusteht.In etwa ähnlich ist die Sache mit den Assistenten in der Pflege, die mit einer Anrechnung in der Fachkräfte Quote den gleichen Stellenwert hätten, wie die Fachkräfte selbst. Hilfskräfte (der Ausdruck, nun bereinigt und verschönert zu Assistenten) sind Hilfskräfte (alleine schon von der Ausbildungsdauer her gesehen)und keine Fachkräfte. Ganz unberücksichtigt bleibt die fehlende oder zu geringe gesellschaftliche Anerkennung der Berufe in der Pflege und die Erkenntnis, dass man Pflege nicht nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten betreiben kann. Da gibt es mehr als Marktwirtschaft. Pflege und Gesundheit gehört nicht in privatisierte Hände. Pflege ist eine gesamt gesellschaftliche Aufgabe, die zu lösen eine gesamt gesellschaftliche Anstrengung braucht.


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