Notfallreform

„Inakzeptabel“: DIVI zerpflückt Spahns Pläne

Die Notfall- und Intensivmediziner stoßen sich daran, dass die geplanten Integrierten Notfallzentren unter fachlicher Leitung der Vertragsärzte stehen sollen.

Veröffentlicht: 13.01.2020, 17:31 Uhr
„Inakzeptabel“: DIVI zerpflückt Spahns Pläne

Kritik an Notfallreform: INZ durch Vertragsärzte geleitet? Das gefällt den Notfall- und Intensivmedizinern nicht.

© ieromina / stock.adobe.com

Berlin. Deutschlands Intensiv- und Notfallmediziner melden noch erheblichen Korrekturbedarf an der geplanten Reform der Notfallversorgung an. Der in der vergangenen Woche von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorgelegte Gesetzentwurf kranke inhaltlich an teils „erheblichen Mängeln“, kritisierte die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) in einer am Montag verbreiteten Stellungnahme.

„Es geht nur ums Geld“

Auf Kritik der ärztlichen Fachvereinigung stößt vor allem die Struktur der geplanten Integrierten Notfallzentren (INZ). Diese sollen den Plänen zufolge federführend von der jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) geleitet werden. „Das ist für die DIVI inakzeptabel“, kommentierte Professor Dr. André Gries, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme und Notaufnahmestation am Universitätsklinikum Leipzig.

DIVI-Präsident Professor Dr. Uwe Janssens sagte, bei den Plänen für die INZ gehe es „in weiten Teilen nur ums Geld – nicht um eine qualitativ hochwertige Versorgung aller Patienten“. Die KVen sollten die Steuerungshoheit behalten und so einen wesentlichen Teil der Erlöse für die Versorgung der Notfallpatienten weiterhin in den ambulanten Sektor umlenken können. Dabei handele es sich um „ein Milliardengeschäft“.

Bereits heute nähmen Notfallpatienten aber häufig „doppelt Ressourcen“ in Anspruch, sagte Janssens, der auch Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin am St.-Antonius-Hospital in Eschweiler ist. „Nach primärer Beratung in der KV-Praxis erfolgt die medizinische Notfallversorgung dann häufig doch in der Zentralen Notaufnahme.“

Zustimmung zur Zentralisierung

Generell seien die Pläne für eine Zentralisierung der Strukturen der Notfallversorgung „gut“, da der Patient nicht länger entscheiden müsse, sondern es eine zentrale Anlaufstelle für ihn gebe, betonten Gries und Janssens. Sowohl die fachliche wie auch die strukturelle Leitung des INZ müsse aber beiden Seiten – dem Krankenhaus und der jeweiligen KV – obliegen und kooperativ gestaltet sein.

Zuletzt hatte unter anderem die 1. Vorsitzende des Marburger Bundes, Dr. Susanne Johna, „Konstruktionsmängel“ in den Reformplänen zur Notfallversorgung kritisiert. Anstatt regionale Kooperationen zwischen Krankenhäusern und KVen gesetzlich zu flankieren, sollten nun wirtschaftlich und organisatorisch abgetrennte Einrichtungen an den Kliniken entstehen, ohne dass die Krankenhausärzte an der Ausgestaltung beteiligt werden. (hom)

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