Hamburg

Infektpraxen für Patienten mit Corona-Verdacht im Norden

Acht Hausarzt- und zwei HNO-Praxen, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind, übernehmen ab Mittwoch eine besondere Aufgabe in der Hansestadt.Infektpraxen für Patienten mit Corona-Verdacht im Norden

Von Dirk Schnack Veröffentlicht: 20.04.2020, 17:21 Uhr
KVHH-Chef Walter Plassmann: Die neuen Infektpraxen sollen auch dafür sorgen, dass in den anderen Vertragsarztpraxen vor allem die Routineversorgung laufen kann.

KVHH-Chef Walter Plassmann: Die neuen Infektpraxen sollen auch dafür sorgen, dass in den anderen Vertragsarztpraxen vor allem die Routineversorgung laufen kann.

© Christian Charisius/dpa

Hamburg. Hamburg erweitert die ambulante Palette zur Bekämpfung des Coronavirus. Die KV richtet zur Ergänzung ihres Arztrufes zehn Infektpraxen ein. Die Gesundheitsbehörde schickt zudem in Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz sechs mobile Teams in Pflegeheime, um dort schnell testen zu können.

Die zehn Infektpraxen sind ab Mittwoch für Hamburger Patienten mit Erkältungssymptomen und Coronaverdacht da. Sie richten sich an Menschen, die keinen Hausarzt haben oder deren Hausarzt infektiöse Patienten derzeit nicht annehmen kann. Sie müssen ihren Verdacht auf eine Infizierung zuvor über eine Hotline (040/22 80 29 30) geäußert haben.

Infektpraxen können täglich bis zu 400 Patienten versorgen

Es handelt sich um acht Hausarzt- und zwei HNO-Praxen, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt und gut erreichbar sind, die die räumlichen Bedingungen für eine strikte Trennung infizierter und nicht infizierter Patienten erfüllen und die ihren Normalbetrieb zugunsten der Infektpatienten deutlich herunterfahren. Über sie können vorerst bis zu 400 Patienten täglich behandelt werden. Die dort tätigen Ärzte machen sich zunächst ein klinisches Bild des Patienten und nehmen bei Bedarf einen Abstrich. Außerdem geben sie therapeutische Empfehlungen und stellen AU-Bescheinigungen aus.

Nach Angaben von KV-Chef Walter Plassmann wäre auch ein größerer Patientenandrang problemlos zu bewältigen – durch Aufstockung der Kapazitäten der zehn Praxen und durch Ernennung weiterer Infektpraxen.

Angebot dient auch zum Schutz der Praxisteams

Neben der Trennung von infizierten und nicht infizierten Patienten verspricht sich die KV von diesem zusätzlichen Angebot auch einen besseren Schutz der Ärzte und ihrer Mitarbeiter. „Viele Hausärzte zählen zur Risikogruppe“, gab Plassmann zu bedenken. Wenn sie sich infizierten, leide die Routineversorgung.

Bislang wurden viele Patienten mit dem Verdacht auf eine Infizierung vom Arztruf in ihrer eigenen Wohnung aufgesucht. Damit war es gelungen, möglicherweise infizierte Patienten in ihrer Häuslichkeit zu belassen. Der Arztruf kann sich mit der Ergänzung nun auf die schwereren Fälle und auf immobile Patienten konzentrieren.

Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) lobte bei der Vorstellung der Pläne sowohl das Konzept des Arztrufs als auch die aktuelle Ergänzung. „Wir sind in Hamburg sehr gut aufgestellt“, sagte Prüfer-Storcks. Sie verwies in diesem Zusammenhang auch auf sechs mobile Teams, die die Gesundheitsbehörde in Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz für Testungen in Pflegeheimen einsetzt. Bis zu 600 Patienten aus Heimen können mit Hilfe dieser Teams pro Tag getestet werden.

Pro Tag 3500 Tests in der Hansestadt

Die bisherigen Bemühungen schlagen sich auch in Zahlen nieder. Ausgehend von der inzwischen erreichten bundesweiten Zahl an Tests und der Bevölkerungszahl müsste es heruntergerechnet täglich 2200 Tests in der Hansestadt geben. Tatsächlich sind es laut Senatorin aber bereits 3500 – und das Potenzial für eine Ausweitung sei vorhanden. „Wir werden die Zahl der Tests weiter nach oben treiben und Infizierte noch früher identifizieren“, kündigte Prüfer-Storcks an.

Von dieser Strategie erwartet sie auch, dass die nach ihren Angaben „in dramatischer Weise zurückgegangene Inanspruchnahme“ der Kliniken sich wieder normalisiert. Prüfer-Storcks sorgt sich insbesondere um Patienten, die eigentlich nicht aufschiebbare Behandlungen und Eingriffe aus Angst vor einer Infizierung aufgeschoben haben.

Behandelt wird nur mit Termin

Behandelt werden Patienten in den Infektpraxen ausschließlich nach Terminvergabe über die Hotline, damit sich Menschen nicht ungesteuert auf den Weg dorthin machen. Eine Gegenfinanzierung durch die Krankenkassen erfolgt nicht – zum Unverständnis Plassmanns. Der Ersatzkassenverband begründete dies mit dem Hamburger Sonderweg ohne die andernorts üblichen Testzentren. „Eine entsprechende Vergütung wäre auch für Hamburg denkbar. Für den Hamburger Sonderweg der Infektpraxen wurden jedoch Vergütungsforderungen in einer Größenordnung gestellt, wie sie in keinem anderen Bundesland bislang bekannt sind. Diese bundesweit einmaligen Forderungen sind überzogen und werden von allen Kassenverbänden in Hamburg abgelehnt“, sagte Hamburgs vdek-Sprecherin Stefanie Kreiss.

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