Krebskongress

Ist der Anstieg der Krebsinzidenz gestoppt?

Die Inzidenz von Krebs scheint beeinflussbar: Erstmals seit langem stagniert die Zahl der Neuerkrankungen, vor allem bei Darmkrebs, wie aktuelle Daten zeigen, die beim Krebskongress vorgestellt wurden.

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Kolon-Ca in situ: Das RKI spricht von Erfolgen bei der Darmkrebsinzidenz.

Kolon-Ca in situ: Das RKI spricht von Erfolgen bei der Darmkrebsinzidenz.

© Albertinen-Krankenhaus Hamburg, www.endoskopiebilder.de

BERLIN. Der Kampf gegen Krebs und vor allem gegen seine Ursachen scheint nicht ganz vergeblich zu sein. Neuere epidemiologische Daten deuten darauf hin, dass die Zahl der Neuerkrankungen stagniert, teilweise sogar zurückgeht, obwohl aufgrund der Alterung der Bevölkerung mehr einer wachsenden Krebs-Inzidenz zu rechnen wäre.

Dies geht aus vorläufigen aktuellen Daten hervor, die Dr. Klaus Kraywinkel vom Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut zum Auftakt des 31. Deutschen Krebskongresses am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat.

Kraywinkel: "Nach noch vorläufigen Auswertungen von Daten der epidemiologischen Krebsregister bis zum Jahr 2011 verstärkt sich der Eindruck, dass sich für die vergangenen drei bis vier Jahre eher eine Stagnation der Erkrankungszahlen abzeichnet." Aufgrund des demografischen Wandels sei - bei sonst gleichbleibenden Bedingungen - eine um ein bis zwei Prozent steigende Inzidenz zu erwarten.

Insbesondere bei Darmkrebs seien Erfolge zu berichten; hier wurde ein Rückgang der Neuerkrankungen verzeichnet. Andererseits müsse man bei den schwer behandelbaren Tumoren der Leber und der Bauchspeicheldrüse weiterhin von steigenden Krankheitsfällen ausgehen.

Die epidemiologischen Daten zeigten jedoch, dass die Häufigkeit von Krebserkrankungen zu einem gewissen Maße beeinflussbar sei. Möglich sei dies durch Sport, gesunde Ernährung, Prävention bestimmter Infektionen, etwa die Impfung gegen HPV, sowie für einige Krebsarten durch Früherkennungsprogramme und daraus resultierende Behandlung von Krebsstufen im Rahmen der Koloskopie.

Der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor sei weiterhin der Tabakkonsum, der etwa 15 Prozent aller Krebsfälle in Deutschland verursacht. Der deutliche Rückgang von Rauchern in der jüngeren Generation lasse langfristig eine positive Entwicklung vor allem beim Lungenkrebs erwarten.

Hoffnung durch neue Therapieschemata

Auch in der Krebstherapie sind - relative - Erfolge sichtbar. Nach Angaben von Kraywinkel liegen die Überlebenschancen von deutschen Krebspatienten im Vergleich mit 29 anderen europäischen Ländern im Spitzenbereich.

Der Anteil der Krebserkrankungen an allen Todesursachen sei seit Ende der 1990er Jahre konstant bei 25 Prozent, nachdem er zuvor lange Zeit zugenommen habe. In den vergangenen 15 Jahren sei das mittlere Sterbealter für Krebspatienten um zwei auf nunmehr 73 Jahre gestiegen.

Kraywinkel: "Die Fortschritte in der Behandlung Krebskranker haben mittlerweise ihrerseits einen wichtigen Anteil daran, dass die Lebenserwartung und damit auch der Anteil älterer Menschen bei uns nach wie vor steigt." Die Erfolge seien aber bisher eher in kleinen Schritten und nicht durch große Durchbrüche erzielt worden.

Zu diesen Fortschritten zählt auch eine neu ausdifferenzierte Therapie, die die Lebenserwartung von Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie signifikant erhöht hat.

Mit neuen Therapieschemata erreichen inzwischen mehr als 50 Prozent der Patienten eine mehr als fünf Jahre dauernde Phase, in der es zu keinem Rezidiv kommt und keine erneute Behandlung notwendig ist, berichtete Privatdozentin Dr. Barbara Eichhorst von der Uniklinik Köln.

Beispielhaft sei etwa der zusätzliche Einsatz von Rituximab neben der Chemotherapie mit Fludarabin und Cyclophosphamid und einer Indikationsstellung, die nicht auf das kalendarische, sondern biologische Alter des Patienten abstellt und dessen Komorbiditäten berücksichtigt.

Sie wolle noch nicht von Heilung sprechen, aber aus jüngsten Studienergebnissen leite sie die Hoffnung ab, "dass Patienten künftig nicht mehr an ihrer Leukämie, sondern mit ihr sterben könnten." (HL)

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