Jeder dritte Schüler würde Diabeteserkrankung verschweigen

DÜSSELDORF (iss). Ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen würden es in der Schule verschweigen, wenn sie an Diabetes erkrankt wären, oder zögern, von ihrer Erkrankung zu erzählen. Die Tendenz zum Verschweigen der Krankheit ist besonders groß bei denjenigen, die wenig über sie wissen.

Veröffentlicht:

Das hat eine Umfrage unter Schülern aus der Region Düsseldorf gezeigt. Als Teil der bundesweiten Kampagne "Was weißt Du über Diabetes?" des Deutschen Diabetiker Bundes und des Nationalen Aktionsforums Diabetes mellitus (NAFDM) hat die Projektgruppe "Versorgung und Versorgungsforschung" des NAFDM Schüler an neun Düsseldorfer Schulen befragt. Teilgenommen hatten fast 4400 Schüler der Klassen 5 bis 13 aus Gymnasien, Real- und Hauptschulen.

Die Fragebögen waren anonymisiert, damit die Schüler ungehemmt und ohne eine Art Prüfungsdruck antworten konnten, berichtet Professor Stephan Martin, Sprecher der Projektgruppe. "Wir gehen davon aus, dass die Ergebnisse repräsentativ sind", sagt er. Nach seinen Angaben handelt es sich weltweit um die größte Untersuchung dieser Art.

Bei einer Krankheit wie Diabetes, an der in Deutschland zurzeit sieben bis acht Millionen Menschen leiden und bei der die Erkrankungsrate ständig zunimmt, sei es notwendig, die Bevölkerung umfassend zu informieren. "Wir wollten bei der Frage ansetzen, was Schüler eigentlich über Diabetes wissen", erläutert Martin, der Ärztlicher Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums am Krankenhaus Düsseldorf Gerresheim ist. Die Ergebnisse hätten gezeigt, dass es noch einen großen Aufklärungsbedarf gibt.

Tendenziell war das Diabeteswissen besser bei Schülern der höheren Schultypen, bei älteren Schülern und bei weiblichen Befragten. 66 Prozent aller Schüler gaben in der Befragung an, dass sie mindestens eine Person kennen, die Diabetes hat. "Das ist eine dramatische Zahl, finde ich", so Martin. Das Grundwissen zur Krankheit ist vorhanden. 92 Prozent war bekannt, dass bei Diabetes der Zuckerspiegel im Blut erhöht ist, 91 Prozent, dass er nicht ansteckend ist. Typische Symptome wie Durst oder Harndrang konnten dem Diabetes aber nur 27 Prozent beziehungsweise 21 Prozent zuordnen.

Dass bei Typ 1 Diabetes kein Insulin mehr gebildet wird, wussten 58 Prozent der Jugendlichen. "Ich persönlich hätte nicht glaubt, dass das so viele sind", sagt Martin. Bei der Frage nach der Ursache von Diabetes bei Kindern und Jugendlichen, bei der mehrere Antworten möglich waren, waren die Schüler nicht mehr so treffsicher. 65 Prozent gingen davon aus, dass die Betroffenen gewissermaßen selbst schuld sind, weil sie zu viel Zucker gegessen haben, 46 Prozent sahen Übergewicht als Ursache des Typ 1 Diabetes. Das entspreche der Klage vieler junger Diabetiker, dass sie unter Vorurteilen zu leiden haben, berichtet der Arzt. Als schicksalhafte Erkrankung sehen 13 Prozent der Schüler den Diabetes, 44 Prozent gehen von einer familiären Vorbelastung aus.

Auch beim Typ 2 Diabetes hielten 51 Prozent der Schüler den zu hohen Zuckerkonsum für die Krankheitsursache. 44 Prozent nannten Übergewicht als eine Ursache, 40 Prozent Bewegungsmangel und 26 Prozent zu viel fettes Essen. Die Kombination dieser drei Faktoren hielten nur zwölf Prozent für ausschlaggebend. "Wir haben erstmals ein gutes Bild über den Kenntnisstand", sagt Dr. Barbara Stomper vom Bereich nicht-übertragbare Krankheiten des Bundesgesundheitsministeriums. Die Untersuchung zeige, dass noch viel Aufklärung geleistet werden müsse, vor allem über die Bedeutung von gesunder Ernährung und Bewegung. "Es ist wichtig, gerade in jungen Jahren mit einem gesunden Lebensstil zu beginnen", sagt die Ärztin.

STICHWORT

Was weißt Du über Diabetes?

Die Befragung von 4400 Düsseldorfer Schülern ist Teil der bundesweiten Aufklärungskampagne "Was weißt Du über Diabetes?" des Deutschen Diabetiker Bundes und des Nationalen Aktionsforums Diabetes mellitus, die vor einem Jahr begann. Außer der Information über die Erkrankung war ein wichtiges Ziel der vielfältigen Aktionen, Daten über den Kenntnisstand der Bevölkerung zu erheben. Zurzeit läuft die Auswertung von rund 7000 Fragebögen, die bundesweit ausgefüllt wurden. Die Ergebnisse sollen in diesem Sommer vorgestellt werden. (iss)

Ihr Newsletter zum Thema
Lesen sie auch
Mehr zum Thema

Übergangsfinanzierung für Kliniken in der Kritik

Grünen-Politikerin warnt vor teuren Subventionen für Krankenhäuser

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Cyberangriffe & Co.

So reagieren Arztpraxen im IT-Notfall richtig

Gendermedizin

Lena Marie Seegers: Ein Herz für Frauenherzen

Evolution der Therapiesteuerung

Diabetesmanagement: Das Ende des HbA1c-Werts?

Lesetipps
Madrid bei Sonnenuntergang.

© Shansche / Getty Images / iStock

Vorschau aufs Wochenende

Herzkongress ESC 2025: Diese neuen Studien stehen im Blickpunkt

Ein Hausarzt lädt in seiner Praxis Dokumente in eine elektronische Patientenakte

© Daniel Karmann/dpa

Stichtage rücken näher

Warum es sich für Praxen lohnt, vor dem 1. Oktober in die ePA einzusteigen