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Marburger Bund

Johna will DRG im „Mottenschrank der Geschichte“ sehen

Die Botschaft der MB-Chefin an die künftige Regierung bei der Hauptversammlung lautete: Der „riesige Fachkräftemangel“ erfordere humane Arbeitsbedingungen und eine „Investition in Menschen“.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
MB-Vorsitzende Dr. Susanne Johna bei der 138. Hauptversammlung der Ärztegewerkschaft: Johna will das Vergütungssystem in den Kliniken verändern.

MB-Vorsitzende Dr. Susanne Johna bei der 138. Hauptversammlung der Ärztegewerkschaft: Johna will das Vergütungssystem in den Kliniken verändern.

© Gebhardt

Berlin. Die Vorsitzende des Marburger Bundes Dr. Susanne Johna hat sich mit einem starken Appell an die künftige Regierung gewandt. Neue Krankenhausstrukturen erforderten ein neues Finanzierungssystem, sagte sie bei der 138. Hauptversammlung der Ärztegewerkschaft am Wochenende in Berlin.

Es reiche nicht aus, Geburtshilfe und Pädiatrie außerhalb des DRG-Systems zu finanzieren, wie es im Sondierungspapier von SPD, FDP und Grünen heiße. Johna forderte an dieser Stelle den harten Schnitt: „Das DRG-System gehört endlich in den Mottenschrank der Geschichte“, sagte sie unter dem Beifall der Delegierten.

Ärzte büßen für Versäumnisse der Länder

Der „eigentliche Skandal“ sei, dass die Länder ihren Finanzierungsverpflichtungen seit Jahren nicht nachkämen. Für diese Unterfinanzierung müssten die Ärztinnen und Ärzte auf unterbesetzten Stationen büßen. Es gebe einen „riesigen Fachkräftemangel“. Die Studienplatzkapazitäten hätten schon längst um zehn Prozent erhöht sein müssen. 74 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage des Marburger Bundes hätten bereits 2019 angegeben, die Arbeitszeiten beeinträchtigten ihre Gesundheit.

„Bessere, vor allem familienfreundliche Arbeitsbedingungen, verlässliche und planbare Arbeitszeiten, ein gutes, modernes Arbeitsumfeld und eine ausreichende Personalausstattung seien nicht nice to have, sondern ein must have“, rief die MB-Chefin den Delegierten zu.

Wider die „Misstrauensbürokratie“

Das bedeute auch eine bessere digitale Ausstattung der Krankenhäuser, die alleine den Fachkräftemangel allerdings nicht lösen werde. Der Gesetzgeber sei gefordert, die „Misstrauensbürokratie“ zu beenden.

Es stelle sich die Frage, ob das Ziel der Krankenkassen darin bestehe, dass Ärzte ihre Patienten nur noch verwalteten. Der tatsächliche Versorgungsbedarf erfordere hingegen eine Investition in Menschen. „Mit gut aus-, weiter- und fortgebildetem Personal, mit durchdachten Führungskonzepten und mehr Teamarbeit wird sich die Qualität in der Gesundheitsversorgung ganz ohne die Dokumentation hunderter Qualitätsindikatoren verbessern“, sagte Johna.

Johna will MB in den VVen stärken

Johna gab als Ziel aus, bei den KV-Wahlen 2022 als Vertretung der angestellten Ärzte möglichst gut abzuschneiden.

Es gebe eine wachsende Bereitschaft junger Medizinerinnen und Mediziner, nach der Weiterbildung in den ambulanten Bereich zu wechseln. Dieser Trend werde sich aller Voraussicht nach fortsetzen, sagte Johna. Hätten bei einer Umfrage 2014 noch ein Drittel der Ärzte in Weiterbildung die Absicht geäußert, in den ambulanten Sektor zu gehen, seien es bei einer aktuellen Folgebefragung bereits 41 Prozent gewesen. Meist sei der Grund, dass die Arbeitgeber in den Krankenhäusern sich gegenüber jungen Familien zu wenig flexibel zeigten, was die Arbeitszeiten angingen, sagte Johna.

Johna rief die Ärzteschaft dazu auf, in der Pandemie „inhaltlich geeint“ aufzutreten. Sie hoffe, dass die Diskussionen darüber, welcher Versorgungssektor in der Pandemie denn mehr geleistet habe, ein Ende fänden. „Dieses alberne Konkurrenzdenken muss aufhören“, forderte die MB-Vorsitzende.

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