Direkt zum Inhaltsbereich

KV Bayerns kontert mit eigenem Arznei-Modell

Den Bundestag hat das Versorgungsgesetz passiert - und damit ist auch das umstrittene KBV-ABDA-Modell zur Arznei-Versorgung auf den Weg gebracht. Damit will sich die KV Bayerns aber nicht zufrieden geben - sie hat eine Alternative erarbeitet. Die Apotheker bleiben dabei außen vor.

Von Jürgen Stoschek Veröffentlicht:
Entscheidung über die Arznei-Therapie soll ausschließlich in der Hand des Arztes bleiben, ist ein Merkmal des KVB-Modells.

Entscheidung über die Arznei-Therapie soll ausschließlich in der Hand des Arztes bleiben, ist ein Merkmal des KVB-Modells.

© Kroener / Fotolia.com

MÜNCHEN. Als Alternative zum Modell der KBV und der ABDA für die Arzneimittelversorgung will die KV Bayerns (KVB) den Krankenkassen ein eigenes Modell vorschlagen.

Im KVB-Modell sollen die Ärzte Wirkstoffe verordnen. Aut-idem besteht weiter. Die Apotheker bleiben jedoch außen vor, erläuterte KVB-Vorsitzender Dr. Wolfgang Krombholz bei der Vertreterversammlung.

Damit bleibe die Entscheidung über die medikamentöse Therapie in der Hand des Arztes. Während das KBV/ABDA-Modell zwingend einen Medikationskatalog voraussetzt, werde es im Modell der KV Bayerns außer bei Leitsubstanzen keine weiteren Einschränkungen der Therapie geben, so Krombholz.

Transparente Zielvereinbarungen

Zu den Kernelementen des KVB-Modells gehöre eine Zielvereinbarung für die Hauptindikationsgebiete mit der Festlegung von Leitsubstanzen und von Höchst- und Mindestquoten anstelle von Richtgrößen. Werden die vereinbarten Ziele verfehlt, gelte der Grundsatz "Beratung vor Regress".

Der Vorteil sei, dass Zielvereinbarungen transparent sind und sich ausschließlich an medizinisch-pharmakologischen Gesichtspunkten orientieren, erklärte Krombholz.

Dadurch könne die Qualität wesentlich besser gesteuert werden. Rabattverträge hätten keinen Einfluss auf die Prüfungen. Preisverantwortung und Morbiditätsentwicklung seien Angelegenheiten der Kassen.

Zwei-Stufen-Plan

Das KVB-Modell soll nach Krombholz Angaben in zwei Stufen umgesetzt werden. In einer ersten Stufe könnten für Nervenärzte, Neurologen, Psychiater und psychotherapeutisch tätige Ärzte Wirkstoffziele eingeführt werden.

Außerdem sollte die Einteilung nach M/F/R (Mitglieder, Familienversicherte, Rentner) durch sechs Altersklassen abgelöst werden.

Bei den Hausärzten sollten fallzahlabhängige Vergleichsgruppen gebildet werden, um so dem Problem der "untypischen" Hausärzte, von denen viele psychotherapeutisch tätig sind, gerecht zu werden.

Richtgrößenprüfung endgültig ablösen

Nach einer Evaluation der Ergebnisse könnte das Modell dann in einer zweiten Stufe auf andere Fachgruppen ausgerollt und damit die Richtgrößenprüfung endgültig abgelöst werden, erklärte Krombholz.

Bedingung sei allerdings, dass die beiden Stufen der Einführung verbindlich aneinandergekoppelt werden. "Wenn die Kassen da nicht mitmachen, werden wir das alte System weiterführen und die Kollegen ausführlich über alle Konsequenzen informieren", sagte Krombholz.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

„ÄrzteTag“-Podcast

Die Impfsaison startet: Wie gehen Sie vor, Dr. Fleischhauer?

Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
AMNOG-Verfahren: Plädoyer für ein Update

© Springer Medizin Verlag GmbH

AMNOG-Verfahren: Plädoyer für ein Update

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Änderungsantrag beschlossen

Bundestag verschärft Terminmeldepflicht für Praxen

Potenzielle Über- und Untertherapie

Medikation des Typ-2-Diabetes wird im Alter zu selten angepasst

Lesetipps
Lipoprotein(a)-Partikel

© Juan Gärtner / stock.adobe.com

Cholesterin

Intensive LDL-Senkung bei hohem Lp(a): Warum das schwierig werden kann

Petechien, also kleine Einblutungen in die Haut, an einem Bein.

© Robert Yap / stock.adobe.com

Frühe Warnzeichen

Bei diesen Hautbefunden auch an Hantavirus denken

Nahaufnahme einer Ärztin, die die Schilddrüse einer Patientin mit einem Ultraschallgerät untersucht.

© [M] artem_goncharov / stock.adob

Best-Practice-Empfehlungen

Erhöhtes Schilddrüsenkrebs-Risiko unter GLP-1-RA-Therapie?