Direkt zum Inhaltsbereich

Kein Honorarkampf auf dem Rücken der Patienten

Befürchtete Honorarverluste sind kein Grund, von Patienten Vergütungen in Cash zu verlangen. Wer dies tut, muss mit harten Sanktionen rechnen.

Von Bülent Erdogan Veröffentlicht:
Gemeinsame Botschaft an die Vertragsärzte: Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, KBV-Chef Andreas Köhler und Kassenchefin Dr. Doris Pfeiffer.

Gemeinsame Botschaft an die Vertragsärzte: Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, KBV-Chef Andreas Köhler und Kassenchefin Dr. Doris Pfeiffer.

© Foto: dpa

BERLIN. Die Warnung war klar und eindeutig formuliert - und kam gleich von höchster Stelle: Wer sich als Vertragsarzt aus Unmut über eine als ungerecht oder ruinös empfundene Honorarreform 2009 finanziell an seinen Patienten schadlos halten will, muss mit Geldbußen oder gar der Entziehung der Kassenzulassung rechnen, donnerte es aus dem Herzen Berlins in den Rest der Republik.

Absender der auch in ihrer Schärfe überraschenden Botschaft der vergangenen Woche: Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), KBV-Chef Dr. Andreas Köhler und die Chefin des GKV-Spitzenverbandes, Dr. Doris Pfeiffer. Der Auslöser: Offenbar hatten sich etliche Patienten ans Ministerium oder an ihre Kasse gewandt und von Aufforderungen ihrer Ärzte zur Leistung von Vorkasse oder Behandlung nur gegen Kostenerstattung berichtet.

"Ärzte, die Vertragspartner der gesetzlichen Krankenversicherung sind, dürfen keine Vorleistungen von Patienten verlangen. Das ist ein schwerer Verstoß gegen die Verträge. Deshalb müssen Ärzte damit rechnen, dass ihnen die Zulassung entzogen wird", lautete die klare Mahnung von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) auf einer eilig anberaumten gemeinsamen Pressekonferenz.

"Was mich persönlich besonders erschüttert, ist, wenn Ärzte alten, kranken und pflegebedürftigen Menschen in Alten- und Pflegeheimen Briefe schreiben, dass sie leider ihre Versorgung nicht mehr sicherstellen können", sagte Schmidt. Es sei gemeinsames Anliegen von Ministerium und Selbstverwaltung, ein solches Verhalten zu unterbinden und Verstöße auch zu ahnden.

Bundesweit ist die Situation in den Praxen derweil offenbar unterschiedlich: Die Probleme konzentrierten sich auf vier oder fünf KV-Regionen, sagte Schmidt, mit Blick auf den Süden und den Norden: In Schleswig-Holstein hätten die Kassen bereits gegen drei Ärzte einen Antrag auf Zulassungsentzug gestellt.

KBV-Chef Dr. Andreas Köhler sagte, es sei für Vertragsärzte mit Ausnahme der Praxisgebühr nicht zulässig, von ihren Patienten Vorkasse zu erheben oder aber ausschließlich auf Kostenerstattung zu behandeln. Köhler räumte Defizite in der Informationspolitik zu den Auswirkungen der Honorarreform ein. Allerdings forderte er die Ärzte zu Geduld auf. Sechs Wochen im ersten Quartal sei es noch zu früh für eine Bewertung.

Der Bundesregierung warf er vor, mit der Vergütungsreform innerhalb der Ärzteschaft einen neuen Konfliktherd geschaffen zu haben. Nach den Auseinandersetzungen um das Budget zwischen einzelnen Arztgruppen stattgefunden komme nun der Kampf zwischen den KVen dazu. Dadurch habe der "Unmut eine neue Qualität" bekommen.

Die Vorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Dr. Doris Pfeiffer, drohte vertragswidrig handelnden Ärzten mit Geldbußen bis zu 10 000 Euro und mit Anträgen auf Entzug der Kassenzulassung. "Wir halten es für völlig untragbar, dass Ärzte, die unzufrieden sind mit ihren Honoraren, Patienten quasi in Geiselhaft nehmen und von ihnen Geld für eine Behandlung zu verlangen."

Lesen Sie dazu auch: Kassen fordern Rausschmiss von Ärzten Therapie auf Vorkasse - klar rechtswidrig! Ministerium sieht die KVen in der Pflicht "Arztbehandlung gegen Vorkasse muss aufhören!" Schmidt droht Ärzten mit Rausschmiss

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

GOÄneu und die Mikrobiologie

DGHM-Chef Aepfelbacher: „Die Rasenmäher-Methode bei der GOÄneu ärgert uns“

Kooperation | In Kooperation mit: Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM) e.V.

Interview

ALM-Chef Michael Müller: „Es gibt keinen innerärztlichen Konsens zur GOÄneu“

Kooperation | In Kooperation mit: Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM) e.V.
Das könnte Sie auch interessieren
An der Frankfurt School of Finance & Management im Norden der Mainmetropole wird auch in diesem Jahr der Tag der Privatmedizin 2026 ausgerichtet. Die Veranstaltung ist für den 21. November angesetzt. (Archivbild)

© Frankfurt School of Finance & Management

Update

Praxiswissen und Innovation

Privatmedizin: Anregungen für die Praxis in Frankfurt am 21. November

Logo Medibiom

© Medibiom

MEDICE

MEDIBIOM – Darmgesundheit neu gedacht!

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums v.l.n.r.: Professor Karl Broich (BfArM), Dr. Jürgen Malzahn (AOK-Bundesverband), Dr. Christine Mundlos (ACHSE e.V.), Hauke Gerlof (Ärzte Zeitung), Dr. Johanna Callhoff (DRFZ), Professor Christoph Schöbel (Ruhrlandklinik, Universitätsmedizin Essen), Privatdozent Dr. Christoph Kowalski (Deutsche Krebsgesellschaft), Dr. Peter Kaskel (Idorsia)

© Thomas Kierok

ICD-11: Die Zeit ist reif für die Implementierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Idorsia Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Bei erfolgreich therapierter Sialorrhö ist Teilhabe wieder leichter möglich

© Olesia Bilkei / stock.adobe.com [Symbolbild]

Glycopyrroniumbromid bei schwerer Sialorrhö†

Wirtschaftliche Verordnung durch bundesweite Praxisbesonderheit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Proveca GmbH, Düsseldorf
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Sie fragen – Experten antworten

Wann zählt die FSME-Impfung bei der Vorhaltepauschale mit?

Lesetipps
Bei der Springer Medizin Gala wurden die Preisträger des Galenus-von-Pergamon-Preises und des Charity Awards gekürt.

© Marc-Steffen Unger

Preisträger gekürt

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2026

Ehrenamtliches Engagement beeindrucke sie nicht nur, „es berührt mich“, erklärte die einstige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.

© David Vogt

Springer Medizin Gala

Preisträger des Springer Medizin Charity Awards feierlich gekürt