Kassen fordern Rausschmiss von Ärzten

KIEL/STUTTGART (di/juk). Weil sie Patienten angeblich nur gegen Vorkasse behandeln wollten, drohen Ärzten in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg Sanktionen.

Veröffentlicht:

Zwei Ärzte aus Schleswig-Holstein sind ins Visier von KV und Kassen geraten, weil sie GKV-Patienten offenbar nur gegen private Rechnung behandeln wollten. Krankenkassen sehen darin einen so groben Verstoß der vertragsärztlichen Pflichten, dass sie vom paritätisch besetzten Zulassungsausschuss den Entzug der Zulassung erwarten.

Die Fälle überschatten auch die geplanten Gespräche zwischen den Kassen und der KV im Norden. Die Kassen wollen über Veränderungen an der Honorarverteilung erst sprechen, wenn die KV sicherstellt, dass von GKV-Patienten keine Vorkasse verlangt wird.

Die beiden beschuldigten Ärzte aus dem Flensburger Raum sind Orthopäden. In ihren Praxen soll Patienten mit akuten Schmerzen eine Behandlung auf Chipkarte abgelehnt worden sein. Eingereicht wurden die Vorgänge beim Zulassungsausschuss durch die Ersatzkassen, aber auch die AOK prüft entsprechende Anträge. Der Berufsverband der Orthopäden sieht die Vorfälle nicht im Zusammenhang mit den Praxisschließungen der Berufsgruppe in der vergangenen Woche.

Der Zulassungsausschuss tagt am Mittwoch. Ob dann schon eine Entscheidung über die Kassenanträge fällt, ist offen. Der Ausschuss ist mit drei Kassenvertretern und drei ehrenamtlich tätigen Ärzten besetzt, die unabhängig von der KV entscheiden. Bei einem Patt gilt ein Antrag als abgelehnt. Die anschließende Instanz, der Berufungsausschuss, ist mit einem unparteiischen Vorsitzenden ausgestattet.

In Baden-Württemberg soll ein Orthopäde aus dem Schwarzwald von Patienten 120 Euro pro Quartal im Voraus verlangt haben, damit sie eine "im Krankheitsfall nach bestem Wissen und Gewissen angepasste gute Behandlung" bekämen. Das berichtete das ARD-Fernsehmagazin "Report" vergangene Woche.

Der in dem Bericht namentlich genannte Arzt hat nach Angaben von KV-Vorstandschef Dr. Achim Hoffmann-Goldmayer wegen vertragswidrigen Verhaltens eine Abmahnung erhalten. Er kann nun dazu Stellung beziehen. Weitere Fälle, in denen Niedergelassene Patienten vorab um Honorierung gebeten haben, sind der KV bis dato jedoch nicht bekannt geworden.

Lesen Sie dazu auch: Kein Honorarkampf auf dem Rücken der Patienten "Arztbehandlung gegen Vorkasse muss aufhören!" Ministerium sieht die KVen in der Pflicht Therapie auf Vorkasse - klar rechtswidrig!

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Neuerungen

Das gilt 2026 bei Abrechnung und Honorar

Der positive Jahresrückblick

Diese guten Nachrichten gab es 2025 im Gesundheitswesen

Das könnte Sie auch interessieren
Innovationsforum für privatärztliche Medizin

© Tag der privatmedizin

Tag der Privatmedizin 2025

Innovationsforum für privatärztliche Medizin

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer und Vizepräsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, hofft, dass das BMG mit der Prüfung des Kompromisses zur GOÄneu im Herbst durch ist (Archivbild).

© picture alliance / Jörg Carstensen | Joerg Carstensen

Novelle der Gebührenordnung für Ärzte

BÄK-Präsident Reinhardt: Die GOÄneu könnte 2027 kommen

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums v.l.n.r.: Professor Karl Broich (BfArM), Dr. Jürgen Malzahn (AOK-Bundesverband), Dr. Christine Mundlos (ACHSE e.V.), Hauke Gerlof (Ärzte Zeitung), Dr. Johanna Callhoff (DRFZ), Professor Christoph Schöbel (Ruhrlandklinik, Universitätsmedizin Essen), Privatdozent Dr. Christoph Kowalski (Deutsche Krebsgesellschaft), Dr. Peter Kaskel (Idorsia)

© Thomas Kierok

ICD-11: Die Zeit ist reif für die Implementierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Idorsia Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Bei erfolgreich therapierter Sialorrhö ist Teilhabe wieder leichter möglich

© Olesia Bilkei / stock.adobe.com [Symbolbild]

Glycopyrroniumbromid bei schwerer Sialorrhö

Wirtschaftliche Verordnung durch bundesweite Praxisbesonderheit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Proveca GmbH, Düsseldorf
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Zum Jahresstart

Das ändert sich 2026 für Praxen

Lesetipps
Eine ältere Frau ist gestürzt und liegt auf dem Boden.

© Rawpixel.com / stock.adobe.com

Gebrechliche Patienten

Hüft-Operation bei Herzpatienten: Wie sich Risiken minimieren lassen

Ein Arbeiter formt ein Metallschild mit der Aufschrift 2026

© flashmovie / stock.adobe.com

Neuerungen

Das gilt 2026 bei Abrechnung und Honorar